Neue Gefechte
Kämpfe greifen auf Syriens Finanzmetropole über

Auch Syriens Finanzmetropole Aleppo ist nun Schauplatz der Gefechte zwischen der Armee und den Rebellen. Indes fordern die Sicherheitskräfte die Aufständischen zur Aufgabe auf. Wer klug sei, solle sich selbst retten.
  • 0

Amman/BeirutDie Kämpfe zwischen syrischen Sicherheitskräften und Aufständischen haben die Altstadt der Finanzmetropole Aleppo erreicht. Rebellen und Soldaten lieferten sich an den Toren des UN-Weltkulturerbes Gefechte, berichteten Augenzeugen am Dienstag. In dem Gefängnis von Aleppo schlugen die Regierungstruppen nach Angaben der Aufständischen in der Nacht einen Aufstand nieder. Dabei seien 15 Insassen durch Schüsse getötet worden. Auch Damaskus wurde den Rebellen zufolge von neuen Gefechten erschüttert. In dem Bezirk Midan wurden Panzer gesichtet. Die Armee hatte den Stadtteil am Freitag von den Rebellen zurückerobert.

Die Armee forderte mit Flugblättern die Rebellen zur Aufgabe auf. "Die Waffe, die Du trägst ist eine Last für Dich geworden", hieß es auf von Hubschraubern abgeworfenen Zetteln. Es gebe keine Hoffnung auf Überleben, wenn man nicht die Waffen niederlege, lautete eine Warnung. "Der Moment der Wahrheit ist da." Die Zeit laufe ab. Wer klug sei, rette sich selbst.

Aleppo war lange Zeit von dem Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad verschont geblieben. Ein Geschäftsmann berichtete nun von Kämpfen an Bab al-Hadid und Bab al-Nasr, zwei von mehreren Toren zur Altstadt. Ein Oppositioneller sagte der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon, die Aufständischen versuchten die Kontrolle über das Viertel zu gewinnen, nach dem sie bereits sechs Stadtteile erobert hätten. Rebellen-Kommandeur Mustapha Abdullah erklärte, aus dem Umland strömten immer mehr Kämpfer in die Stadt. Die Regierungstruppen versuchten dies mit dem Beschuss von Zielen im Norden der Stadt zu unterbinden.

Von Deraa aus feuerten Regierungstruppen nach Berichten von Augenzeugen in die umliegenden Ortschaften, wo sie Rebellen vermuteten. In Herak seien dabei mindestens sechs Kinder und drei andere Zivilisten ums Leben gekommen, berichtete ein Aktivist der Opposition. Auf einem Internetvideo aus Herak waren verstümmelte Kinderleichen mit schwersten Verletzungen zu sehen.

Die Angaben aus Syrien können kaum bestätigt werden, weil die Regierung eine unabhängige Berichterstattung weitgehend unterbindet.

US-Präsident Barack Obama verurteilte derweil die Drohung Syriens, bei einem Eingreifen des Auslandes Chemiewaffen einzusetzen, und auch Russland warnte die syrische Führung vor einem Einsatz von C-Waffen. Die syrischen C-Waffen befinden sich nach israelischer Einschätzung weiter unter der Kontrolle der syrischen Regierung. Allerdings bleibe die Sorge, dass sich dies mit einer weiteren Destabilisierung der Führung ändern könne, sagte Israels Sicherheitsberater Amos Gilad im Rundfunk. Außenminister Awigdor Lieberman wiederholte die israelische Warnung vor einer Weitergabe syrischer Bio- und Chemiewaffen an die verbündeten Islamisten der Hisbollah im Libanon. "Aus unserer Sicht wäre das ein klarer Kriegsgrund", sagte Lieberman in Brüssel. "Wir würden entschlossen und ohne Zögern oder Zurückhaltung reagieren."

Seite 1:

Kämpfe greifen auf Syriens Finanzmetropole über

Seite 2:

USA intensivieren Kooperation mit der Opposition

Kommentare zu " Neue Gefechte: Kämpfe greifen auf Syriens Finanzmetropole über"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%