Neue Gewalt
Anschlag in israelischer „Atomstadt“ Dimona

Bei einem Anschlag eines Selbstmordattentäters sind in Dimona im Süden Israels eine Frau getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Es handelt sich um den ersten Selbstmordanschlag in Israel seit Januar vergangenen Jahres.

HB TEL AVIV. Es war der erste Selbstmordanschlag in Israel seit mehr als einem Jahr - er erschütterte am Montag die verschlafene Wüstenstadt Dimona im Süden des Landes, die noch nie eine derartige Tat erlebt hatte. „Ich hörte plötzlich eine gewaltige Explosion“, erzählte der Besitzer eines Spielzeugladens in der Stadt, in deren unmittelbarer Nähe sich der hochgesicherte Atomreaktor des Landes befindet, israelischen Medien. Unter den Passanten vor dem Einkaufszentrum in Dimona sei „vollkommene Hysterie“ ausgebrochen.

Bei Israelis nährte der Anschlag sofort die Sorge, dass nach dem Grenzsturm aus dem Gazastreifen nach Ägypten vor knapp zwei Wochen weitere potenzielle Selbstmordattentäter nach Israel gelangt sein könnten. Die Täter von Dimona stammten nach Angaben der Al-Aksa- Brigaden aus Gaza.

Der israelische Geheimdienst hatte bereits seit Tagen vor möglichen Anschlägen von Extremisten aus Gaza gewarnt. Nachdem Hunderttausende Palästinenser am 23. Januar nach Ägypten geströmt waren, hatten israelische Sicherheitsexperten erklärt, militante Palästinenser seien auf die Sinai-Halbinsel gelangt. Von dort aus sei es ein Leichtes, durch die lange, durchlässige Grenze mit Ägypten südlich des Gazastreifens nach Israel einzudringen. Seit letztem Freitag hatten ägyptische Sicherheitskräfte 15 bewaffnete Palästinenser festgenommen.

Angesichts der neuen Situation nach dem Grenzsturm hatte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak bereits während der wöchentlichen Kabinettsitzung am Sonntag in Jerusalem den Bau eines Sperrzauns an der israelisch-ägyptischen Grenze gefordert. Die nur leicht bewachte Grenze sei wie eine „Bresche, die nach dem Dieb ruft“, erklärte der Abgeordnete Rafael Eitan von der Rentnerpartei am Montag nach dem Anschlag.

Unmittelbar nach dem Anschlag entbrannte wieder eine Diskussion über die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, man wolle ungeachtet des Anschlags Gespräche mit der Palästinenserbehörde von Abbas fortsetzen. Der stellvertretende israelische Ministerpräsident, Eli Jischai von der ultra-orthodoxen Schas-Partei, forderte dagegen eine Wiedereroberung der Grenze zwischen Gazastreifen und Ägypten, die Israel 2005 geräumt hatte. Er sprach sich auch für einen sofortigen Abbruch der neu aufgenommenen Friedensverhandlungen mit den Palästinensern aus. „Wir müssen jede Art der diplomatischen Verhandlungen sofort stoppen“, erklärte Jischai. „Statt mit Verhandlungen müssen wir uns jetzt mit Sicherheit befassen.“

Bei dem Anschlag in Dimona riss der Selbstmordattentäter eine Israelin mit in den Tod und verletzte Dutzende weitere. Ein zweiter Attentäter erlitt bei der Explosion schwere Verletzungen und konnte seine Bombe nicht mehr zünden. Sanitäter Solomon Amar erzählte, er sei dem Schwerverletzten zunächst zu Hilfe geeilt. „Als ich ihm den Mantel öffnete, sah ich darunter einen Sprengstoffgürtel und merkte, dass ich einen der Attentäter behandele.“ Man habe aus Furcht, die Bombe könnte explodieren, anderen Verletzten erst nicht helfen können. Augenzeugen berichteten, ein herbeigerufener Polizist habe den verletzten Attentäter dann mit mehreren Schüssen aus nächster Nähe getötet, bevor dieser seine Bombe zünden konnte.

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