Neue Gezi-Partei

„Erdogan hat Angst vor uns“

Anhänger der Gezi-Park-Bewegung haben in der Türkei eine Partei gegründet. Im Interview spricht ihr Vizechef Erhan Imrak über die Ziele der Bewegung, die Forderung nach einem neuen politischen System und Geldprobleme.
  • Catalina Schröder
9 Kommentare
Aufstand in Istanbul: Aus der Protestbewegung ist eine Partei geworden. Quelle: dpa

Aufstand in Istanbul: Aus der Protestbewegung ist eine Partei geworden.

(Foto: dpa)

Herr Imrak, was für eine Partei ist die neue Gezi-Partisi?
Erhan Imrak: Wir verstehen uns als Dachorganisation für Menschen unterschiedlicher politischer und sozialer Richtungen und verschiedener Religionen: Sozialisten, Muslime, Lesben, Homophobe und Christen arbeiten bei uns zusammen. Uns verbindet, dass wir für Menschenrechte, Demokratie, Meinungsfreiheit und gegen die aktuelle türkische Regierung kämpfen. Unser Anführer ist kein Vorsitzender, wie man ihn von anderen Parteien kennt. Alle Mitglieder haben bei uns gleich viel zu sagen. Egal, ob sie Präsident, Vize-Präsident oder normales Mitglied sind. Das ist für uns Demokratie.

Kann eine Partei funktionieren, in der Menschen mit so unterschiedlichen Idealen und Denkweisen zusammenarbeiten?
Auf jeden Fall. Jeder von uns will versuchen, seine politische Richtung hinten an zu stellen und helfen, die Türkei zu einem besseren Land zu machen. Natürlich gibt es bei uns Konflikte, aber das ist doch das Gute: Nur, wenn wir streiten und diskutieren, kommen wir auf neue Ideen, die uns voranbringen. Wir können ein Vorbild für Regierungskritiker in anderen Ländern sein. Viele Staaten haben horrende Schulden gemacht, schauen Sie nur nach Europa oder in die USA. Politische Systeme auf der ganzen Welt funktionieren nicht richtig oder brechen sogar zusammen, das haben wir im Arabischen Frühling gesehen. Wir als Gezi-Partisi glauben, dass ein Volk selbst entscheiden muss, wohin sich sein Land entwickelt. Das ist keine Entscheidung, die eine Regierung alleine treffen kann.

Erhan Imrak ist der Vizechef der neuen Gezi-Partei.

Erhan Imrak ist der Vizechef der neuen Gezi-Partei.

Was genau soll sich denn in der Türkei ändern?
Wir wollen, dass die Türkei demokratischer wird. Jeder soll sagen dürfen, was er denkt, ohne dafür bestraft oder unterdrückt zu werden. Das ist unser erstes Ziel.

Wie hat die Regierung unter Premierminister Recep Tayyip Erdogan auf Ihre Partei reagiert?
Ich glaube, dass Erdogan vor der Gezi-Park-Bewegung Angst hat. Das hat schon das Polizeiaufgebot gezeigt, mit dem er sie unterdrücken wollte. Uns als Partei unterschätzt er aber, weil wir noch nicht so viele Mitglieder haben. Bisher gab es eher kleine Angriffe – vermutlich kamen sie von der Regierung: Man hat versucht, unseren Facebook-Account zu knacken und unsere Mailkonten wurden gehackt. Vielleicht wird es noch ein halbes Jahr dauern, aber schon bald werden wir genug Mitglieder haben, um eine echte Gefahr für die Regierung zu werden.

„Ist es nicht schrecklich, Angst um sein Leben zu haben?“
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9 Kommentare zu "Neue Gezi-Partei: „Erdogan hat Angst vor uns“"

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  • von wegen einseitige berichterstattung...was ist von dem geblieben was erdogan "ausgezeichnet" hat? handelsbilanzdefizit scheint ein fremdwort zusein. jede regierung, die billiges geld (von den amis) zur verfügung gestellt bekommt und seine staatlichen firmen für einen ramschpreis veräußert, kann kurzfristige erfolge verzeichnen. wie sieht die politische situation gegenwärtig aus? die türkei ist zu einem polizeistaat mutiert...alle, die anders denken, werden unter druck gesetzt. was erwartet man von einem politiker, der sein land spaltet und keine gelegenheit auslässt eine abartige religiöse rhetorik zu benutzen...die presse stellt den "guten" mann relativ gut dar. die meisten der pro-erdogan menschen sehen nur die religiöse richtung des mannes und nicht die politik, die er betreibt. dieser zustand zeigt eindeutig, die eingeschränkte haltung! "ehhh ist mir doch egal, hauptsache der betet, fastet, etc." und wenn doch alles so supi ist in der Türkei, dann lebt doch dann alle unter erdogan! Oder?

  • Niemand der auch nur annähernd Informiert ist nimmt noch die deutschen Medien in Bezug auf Erdogan und die Türkei noch ernst. Mit objektiver Berichterstattung hat das hier definitiv nichts am Hut.
    Viel Spaß euch beim selbst belügen :)

  • Ich stimme Ihrem Kommentar voll und ganz zu. Mit objektiver Berichterstattung hat das hier nichts am Hut.

  • Wenn Ihnen der Bericht nicht passt, brauchen Sie ihn ja nicht zu lesen.
    Das Handelsblatt ist noch eine der wenigen Zeitungen
    die nicht "Meinungen machen", sondern kritisch und realistisch berichten.

  • Man kann dieser neuen Gezi-Partisi nur gutes Gelingen wünschen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich bin wahrlich kein großer Freund Erdogans, kann Ihnen in dieser Hinsicht aber leider meistens beipflichten. Aus irgendwelchen Gründen ist die vorherrschende Berichterstattung über Erdogan, insbesondere in einschlägig linken Medien (zu welchen das HB jedoch nicht zählt), eher düster geprägt. Vielleicht liegt dies daran, dass Erdogan zunehmend eine Politik betreibt die jener seiner Vorgänger ähnelt. Autoritär und undemokratisch. Sie müssen den Westen auch verstehen.. Autoritärer Laizistischer Herrscher in der Türkei = okay wenns sein muss; Autoritärer, islamistisch veranlagter Herrscher in der Türkei = nicht okay... Um ehrlich zu sein schließe ich mich dieser Denkweise gerne an. Ich will keine islamistische Türkei.. Und, mal ehrlich, würde man Erdogan nach der Frankschen Formel "lassen wie er wollte" dann würde er "wollen wenn er könnte".

  • Echt jetzt ??? "Lesben" arbeiten in der Partei mit "Homophoben" zusammen ? - Das wäre ja ein Ding ! Andererseits, mal so betrachtet, man kann als Mann sehr leicht Homosexuelle Männer abstoßend finden aber Lesben dennoch mögen.
    Vielleicht korrigiert der für den Artikel verantwortliche Praktikant des HBs das Wort einfach..

  • Selten so einen Müll gelesen.

    Das Handelsblatt versucht einfach mit einer ständigen Propaganda den genesenden Man am Bosporus medientechnisch in Deutschland immer noch als "krank" dar zustellen.

    Von neutraler berichtserstattung ist hier nichts zu lesen.

    Wenn in Deutschland Rebellen / Aktivisten einen Park / ein Areal besetzen und die dort eingreifende Polizei mit Molotof Coktails bewerfen würde, dann ginge die Polizei auch hier nicht so sanft ins Gefecht (SIEHE STUTTGART 21!!!)

    Aber dass Aufständische in der Türkei von den Europäern begrüßt werden, das ist ihnen natürlich recht..

    Ganz verschwiegen wird natürlich die Tatsache (ja es wurde bereits mehrfach bewiesen) dass Aktivisten Geld für Ihre Anteilnahme an diesem Aufstand erhalten.

    Macht nur weiter so, wie meine ganzen Vorredner auf allen anderen Artikeln es auch zu sagen pflegen: das Handelsblatt hat Bild Niveau und verkommt zu einem noch tieferen Status.

    Vom Marmara Projekt wird aber komischerweise nich berichtet, oder dassd die Türkei nun seine Imf Schulden beglichen hat usw. Positive errungenschaften Erdogans werden total verschwiegen. oder die Tatsache dass nun das mindervolk also die Kurden auch akzeptiert werden (Erdogan hat ihnen ein eigenes Staatsfernsehen eröffnet, ihre sprache und ihr dasein akzeptiert (wichtig: nicht toleriert) und fördert den Ausbau in des ostens.

    Aber ich verstehe sie auch. wenn mama meint, dass erdogan böse sei, dann müssen sie das auch übernehmen. sonst gibts haue haue :(

    Hochstapler

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