Neue Hilfen geplant
US-Jobkrise schockt Barack Obama

US-Präsident Barack Obama sieht im jüngsten Anstieg der Arbeitslosenquote ein „ernüchterndes Zeichen“ für die wirtschaftlichen Herausforderungen im Land. Er kündigte an, die Jobkrise mit weiteren Konjunkturmaßnahmen zu bekämpfen: „Ich werde nicht ruhen, bevor alle Amerikaner, die Arbeit suchen, sie auch finden können.“
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HB WASHINGTON. Seine Regierung prüfe Investitionen in die Infrastruktur und eine Steuersenkung für Unternehmen, sagte Obama am Freitag in Washington. „Ich kann ihnen versprechen, dass ich nicht lockerlassen werde bis alle Amerikaner, die Arbeit finden wollen, Arbeit gefunden haben und alle Amerikaner genug verdienen, um ihre Familien zu versorgen und ihr Geschäft am Laufen zu halten“, versicherte der Präsident.

Die schärfste Rezession seit 70 Jahren hat die Arbeitslosenquote im Oktober erstmals seit mehr als 26 Jahren über die Marke von zehn Prozent steigen lassen, obwohl die Wirtschaft zuletzt an Schwung gewonnen hat. Seit Beginn der Rezession vor knapp zwei Jahren sind damit 7,3 Mio. Jobs verloren gegangen. Mittlerweile legt die Arbeitslosigkeit seit fast zwei Jahren ununterbrochen zu.

Obama nannte die Arbeitslosenzahlen ernüchternd. Der Anstieg unterstreiche die wirtschaftlichen Herausforderungen, die vor der Regierung lägen. Zugleich verwies er darauf, dass er gerade eine Erweiterung der Arbeitslosenunterstützung als auch der Steuervergünstigungen für Käufer von Eigenheimen erweitert habe. Dennoch stellt sich die Regierung auf einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit ein. „Die Quote geht eher noch hoch, bevor sie wieder runter geht“, sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs. Die Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, forderte den Kongress auf, innovative Ideen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zu entwickeln.

Wie das Arbeitsministerium am Freitag weiter mitteilte, fielen allein im Oktober 190 000 Jobs weg, 15 000 mehr als von Experten erwartet. Damit hat der Stellenabbau aber erneut an Schärfe verloren: Zum Höhepunkt der Krise im Januar war etwa fast eine dreiviertel Million Arbeitsplätze verloren gegangen, im September waren es noch 219 000. Im Oktober erreichte die Quote nun 10,2 Prozent, nach 9,8 Prozent im September. Die US-Börsen reagierten zunächst mit Kursverlusten auf die Daten. Sie legten im Verlauf aber wieder zu, da für die Anleger nach dem Schock über die zweistellige Arbeitslosenquote der gedrosselte Jobabbau wieder in den Vordergrund rückte.

Obama hat dem Arbeitsmarkt höchste Priorität eingeräumt. Sein finanzieller Spielraum ist aber wegen des Rekorddefizits im Haushalt stark begrenzt. Die ansteigende Arbeitslosigkeit könnte zudem zum Problem für die Demokraten bei den nächsten Kongresswahlen im kommenden Jahr werden. Erst vor wenigen Tagen setzten sich die Republikaner im Rennen um zwei Gouverneursposten durch. Im Wahlkampf gehörte der Arbeitsmarkt zu den wichtigsten Themen.

Die US-Wirtschaft war im Sommerquartal aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent gewachsen und dürfte damit die Rezession hinter sich gelassen haben. Anders als in Deutschland legt in den USA aber ein Forschungsinstitut den Beginn und das Ende einer Schrumpfungsperiode fest, häufig mit monatelanger Verspätung. Als ein wichtiges Kriterium dabei gilt neben dem Wirtschaftswachstum die Lage am Arbeitsmarkt.

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  • Nun gibt es ja vielfache Meinungen über Ursachen und Auswirkungen der Krise. bleibt man aber einfach bei den Zahlen, dann haben die USA bald 3 billionen investiert und so die Unternehmensverschuldung weitgehend in Staatsverschuldung umgemünzt. Dieses Geld muss der Staat wieder einnehmen ! Das kann aber nur durch Steuererhöhungen jetzt oder später geschafft werden.
    Zweifelsohne werden da die Unternehmen stark zur Kasse gebeten werden. Dies bedeutet aber Einsparungen auf der Unternehmensseite und das einzige wo neben den derzeit günstigen Rohstoffen gespart werden kann, sind die Arbeitsplätze.
    Obamas Team betreibt also Augenwischerei, wenn es davon spricht Arbeitsplätze zu schaffen. Der mit knapp einer billionen bemessene bail-Out und die sonstigen Massnahmen haben ja nichts gebracht was die Arbeitsplätze angeht, zumindest konnte der Arbeitsplatzabbau nicht gestoppt werden.
    Wieviel muss also investiert werden um die Situation umzukehren ?
    Und was wird in Kürze passieren, wenn der "fake" Aktienmarkaufschwung vorbei ist ?
    Wirtschaftswissenschaftler sehen das ganz anders als die Politik. Die Krise ist nicht vorbei, sie hat nicht einmal richtig begonnen. Wer heute von einem Ende der Rezession spricht der lügt oder weiss nicht wovon er spricht.
    Die Arbeitslosenzahlen werden weiter steigen.
    Der zu beobachtende wichtigste Zeitpunkt wird sein, wenn die Unternehmen die von der FED und EZb erhaltenen Unsummen wieder zurückzahlen müssen.
    Der AKtienmarkt wird einbrechen, die Unternehmen werden bilanztechnisch schlechter dastehen und sparen müssen wo sie nur können. Die beschäftigungsquoten werden weiter einbrechen usw.
    Es ist äusserst unehrlich seitens der Politik den bürgern jetzt erzählen zu wollen, man habe irgendetwas im Griff.
    Das dicke Ende kommt noch ! Viel Glück ihnen allen !

  • Ein bisschen hier und da an der Statistik drehen und zerren und die Arbeitslosenzahlen stimmen wieder.
    Offiziell mag die Arbeitslosigkeit bei 10,2% liegen. Laut unabhängigen Schätzungen liegt die Arbeitslosenzahl in den USA bei erschreckenden 20%.

  • da werden wir doch alle mit großem interesse verfolgen was mr. obama als nächstes tun wird um die arbeitslosigkeit in den usa einzudämmen.vieleicht können wir ja was von ihm lernen.
    ich denke leere versprechungen klingen im englischen genauso lächerlich wie im deutschen !

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