Neue islamistische Morde im Süden Afghanistans
Taliban schüchtern Wähler ein

Wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Afghanistan wirft ein Mordanschlag ein Schlaglicht auf die angespannte Lage im Land. Am Dienstag starben sieben Menschen, offenbar weil sie sich an den Wahlen am kommenden Sonntag beteiligen wollten.

BERLIN. Nach Angaben des Gouverneurs der südlichen Provinz Urusgan, Jan Mohammed Chan, hatten islamistische Taliban-Rebellen ein Fahrzeug angehalten und durchsucht. Als sich Wahlunterlagen fanden, wurden die sieben Passagiere erschossen. Nur einen Tag zuvor hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai die ausländischen Streitkräfte in Afghanistan aufgefordert, neu über die Anti-Terror-Strategie nachzudenken. „Ich glaube, wir müssen uns mehr um die Quellen des Terrorismus kümmern, wo die Attentäter trainiert werden, wo sie sich anregen lassen“, sagte Karsai in einem Interview mit der britischen BBC. Ohne den Nachbarn Pakistan ausdrücklich zu nennen, dürften Karsais Worte jedoch vor allem auf Islamabad gemünzt werden. Das Grenzgebiet gilt seit Jahren als weitgehend unkontrollierter Rückzugsraum für Terroristen.

Fast vier Jahre, nachdem US-geführte Truppen die Taliban von der Macht vertrieben hatten, sorgen noch immer ausländische Soldaten für ein Mindestmaß an Stabilität in dem Land. Diese Aufgabe teilen sich die von der Nato geführte Isaf-Schutztruppe und die US-Koalition „Enduring Freedom“. Über den Wunsch der USA, beide Gruppen unter einem Kommando zusammenzulegen, berieten gestern die Nato-Verteidigungsminister in Berlin – ohne sich zu einigen. Allerdings wolle man die Kooperation vertiefen, sagte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies in Berlin Vermutungen zurück, sein Land wolle Truppen aus Afghanistan abziehen. Rumsfeld sagte, derzeit erhöhten die USA die Truppenstärke, um die Wahlen abzusichern. In der Nacht hatte der Uno-Sicherheitsrat das Isaf-Mandat um ein weiteres Jahr verlängert. In der Resolution werden die Mitgliedstaaten aufgerufen, mehr Truppen, Ausrüstung und Geld zur Verfügung zu stellen.

Präsident Karsai wehrte sich in dem BBC-Interview gegen Kritik, Warlords könnten bei den Wahlen in das Parlament einziehen. Jeder Bürger habe das Recht zu wählen, sagte Karsai. Und wenn jemand als Krimineller angesehen werde, dann solle eben nicht für diesen gestimmt werden.

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