Neue Kämpfe nahe Monrovia
UN-Tribunal verlangt Auslieferung Taylors

Einen Tag nach der Ausreise des liberianischen Ex-Präsidenten Charles Taylor ins Exil nach Nigeria hat der UN-Sondergerichtshof in Sierra Leone am Dienstag seine Auslieferung für einen Kriegsverbrecher-Prozess gefordert.

HB/dpa NEW YORK/MONROVIA. Regierungen afrikanischer Länder, insbesondere Nigerias, müssten „dafür sorgen, dass Taylor vor Gericht gestellt wird“, heißt es in einer am Dienstag am New Yorker UN-Sitz veröffentlichten Erklärung der UN-Ankläger.

Taylor wurde bereits in Abwesenheit vor dem auf Beschluss des Weltsicherheitsrates geschaffenen Gericht in Freetown wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ihm werden insgesamt 17 Fälle von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Verletzungen der Genfer Konvention vorgeworfen, die er von 1996 bis 2000 durch seine direkte Unterstützung der für Grausamkeiten bekannten Rebellentruppe RUF in Sierra Leone begangen haben soll.

Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International an die Regierung Nigerias appelliert, Taylor zu verhaften. Nigeria müsse ihn entweder an das UN-Gericht ausliefern oder selbst ein Strafverfahren gegen ihn eröffnen. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo hatte das Exil-Angebot für Taylor mit dem Wunsch begründet, Liberia den Frieden zu ermöglichen.

Die humanitäre Hilfe für die hungernde Bevölkerung steht nach dem Machtwechsel in Liberia jetzt im Mittelpunkt. Der Befehlshaber der US-Kriegsschiffe vor der Küste Liberias, General Thomas Turner, traf am Dienstag zu Verhandlungen mit den Rebellen in Monrovia ein, berichtete der US-Sender CNN. Ungeachtet mehrerer Friedensappelle des neuen Präsidenten Moses Blah brachen jedoch bereits wieder Kämpfe in der Nähe der Hauptstadt aus.

Die Hilfsorganisationen warten weiterhin dringend auf den Rückzug der Rebellen aus dem Hafengebiet. Erst dann sei die Versorgung der Stadt auf dem Seeweg wieder möglich. In der Stadt habe sich die Stimmung seit dem Machtwechsel deutlich verbessert, berichtete eine Mitarbeiterin der Organisation Ärzte ohne Grenzen. „Viele Menschen sind glücklich, dass Taylor weg ist“, sagte Kris Torgeson. „Sie können sich jetzt freier in der Stadt bewegen.“ Allerdings seien auch in Monrovia immer noch vereinzelt Schüsse zu hören.

Regierungstruppen und Kämpfer der Rebellengruppe Model lieferten sich unterdessen neue Gefechte auf der Straße zwischen der Hafenstadt Buchanan und dem Flughafen von Monrovia, berichtete der britische Sender BBC. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die bislang informelle Waffenruhe gebrochen zu haben. Der neue Präsident Blah hatte an seinem ersten Tag im Amt erneut an die Rebellen appelliert, die Waffen niederzulegen. „Bitte hört mit den Kämpfen auf“, sagte er in einem Interview mit der BBC. In Ghana gehen die Friedensverhandlungen unter Aufsicht der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS weiter. Nach deren Plan soll Blah im Oktober von einer neutralen Übergangsregierung abgelöst werden.

Ex-Präsident Charles Taylor richtet sich unterdessen in dem nigerianischen Küstenort Calabar im Exil ein. Nach wochenlangen Kämpfen um Monrovia hatte Taylor durch seine Abreise am Montag den Weg für ein Abkommen freigemacht, das den seit 14 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Liberia beenden soll. Der Chef der LURD-Rebellen (Vereinte Liberianer für Aussöhnung und Demokratie), Sekou Conneh, erklärte noch am Montagabend den Krieg für beendet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%