Neue Klimaschutz-Forderungen
Unep-Direktor: CO2-Risiken in die Bilanz

Unternehmen sollen künftig in ihrer Bilanz ausweisen, wie hoch ihr Kohlendioxid-Risiko ist. Das fordert der Chef des UN-Umweltprogramms Unep, Achim Steiner. Gleichzeitig spricht er sich für eine weitere Liberalisierung des Welthandels aus.

HB DÜSSELDORF. Unternehmen sollten nach Ansicht des Chefs des UN-Umweltprogramms Unep, Achim Steiner, künftig ihre CO2-Risiken in der Bilanz ausweisen. Das sei angesichts steigender Kosten für die Beseitigung oder Vermeidung von CO2 notwendig, sagte Steiner der „Wirtschaftswoche“. Investitionen würden riskanter: „Wir wissen nicht, wie radikal die CO2-Reduzierung ausfallen und wie viel die Tonne Kohlendioxid kosten wird. Das hat enorme Konsequenzen für die Bewertung der Investitionsentscheidung eines Unternehmens.“

Deshalb rege UNEP an, dass Unternehmen künftig ihr Kohlendioxid-Risiko in ihrer Bilanz aufführten, sagte Steiner. „So können Investoren oder Analysten den Faktor CO2 in die Gesamtbewertung eines Unternehmens einfließen lassen.“ Steiner rechnet damit, dass die CO2-Problematik schon bald stark auf die Unternehmen durchschlagen werde, die deshalb erwarteten, dass die Regierungen angesichts des Klimawandels klare Regeln aufstellten. „Die Wirtschaft erkennt, dass der Konsument künftig mehr auf Nachhaltigkeit achten wird als heute. Ein Produkt, das in zehn Jahren marktreif wird, muss sich dann einer anderen Realität stellen.“

Um beim Klimaschutz auch politisch internationale Fortschritte zu erreichen, fordert Steiner eine Lösung der stockenden Gespräche über die Liberalisierung des Welthandels. Er begründete in der Wirtschaftswoche die Zurückhaltung der Schwellenländer beim Klimaschutz damit, dass diese sich im Welthandel benachteiligt fühlen. Die Industrieländer müssten deshalb bei diesem Thema Zugeständnisse machen, wenn die Doha-Runde und die Kyoto-Nachfolgegespräche zum Erfolg werden sollen.

Nur Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika könnten auf Grund ihrer wirtschaftlichen Stärke und Multiplikatorfunktion in ihren Regionen den Verhandlungen über die Nachfolge des Kyoto-Protokolls zum Durchbruch verhelfen, betonte Steiner. Man sei an dem Punkt angelangt, an dem die internationale Umweltpolitik stärker vom Blickwinkel der Entwicklungsländer aus geprägt werden müsse. „Wir schaffen es sonst nicht, alle zusammen ins Boot zu bekommen. Und das müssen wir“, erklärte der UNEP-Chef. Ohne multilateralen Rahmen werde man den Klimawandel künftig eher als Konfliktherd erleben.

Sowohl die Doha-Runde als auch die Kyoto-Nachfolgegespräche litten unter dem fehlenden Vertrauen der Entwicklungsländer, sagte Steiner. „Was zum Teil berechtigt ist, weil die Entwicklungsländer zu oft erlebt haben, wie sich internationale Verhandlungen letztlich gegen ihre Interessen ausgewirkt haben.“ Das Fatale sei, dass bei einem Stagnieren der Doha-Runde die gesamte internationale Zusammenarbeit so belastet werde, dass auch die globale Umweltpolitik darunter leiden werde. „Länder wie Indien oder Brasilien, die sich im Handel benachteiligt fühlen, werden auch bei der Umweltpolitik keine Konzessionen machen.“

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