Neue Kontrolle
EU-Statistiker trauen griechischen Finanzen nicht

Die Europäische Statistikbehörde Eurostat will sich ein klares Bild über die wirkliche Höhe des griechischen Defizits machen. Aus diesem Grund haben Experten des Amtes am Montagmorgen eine neue Kontrolle der Bücher in Athen begonnen.
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HB ATHEN. Wie der griechische Rundfunk berichtete, soll die Kontrolle etwa zehn Tage dauern. Eurostat will am 22. Oktober aktualisierte Werte für alle EU-Länder ausgeben. Vom Ergebnis der neuen Erkenntnisse hängt ab, ob der Sanierungspakt von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit Athen neu verhandelt werden muss und die Griechen den Gürtel noch enger schnallen müssen.

In der vergangenen Woche hatte die EU bekanntgegeben, der staatliche Schuldenberg Griechenlands sei deutlich höher als bisher angenommen. Griechische Medien hatten unter Berufung auf Kreise des Finanzministeriums berichtet, das Defizit 2009 habe 15,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen. Bislang war von 13,6 Prozent die Rede gewesen.

Griechenland als Europas größter Schuldensünder steht unter Dauerkontrolle der EU. Nach den Sparauflagen muss das Land seine Neuverschuldung bis 2014 unter die Grenze von drei Prozent drücken.

Der Internationale Währungsfonds erwägt derweil keine Verlängerung der milliardenschweren Kredite an Griechenland. Es gebe zwar die Möglichkeit einer Verlängerung oder einer neuen Schutzschirm-Vereinbarung mit einer längeren Laufzeit, falls die Risiken zur Refinanzierung an den Märkten fortbestünden, sagte eine IWF-Sprecherin am Sonntag in Washington. Konkrete Überlegungen, dies auch umzusetzen, gebe es aber nicht.

Zuvor hatte das EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini-Smaghi mit Blick auf Griechenland gesagt, es käme häufiger vor, dass der IWF kurzlaufende Vereinbarungen durch länger laufende ersetze, falls der Schuldner zuvor seine Pflichten erfüllt habe.

EU Und IWF haben einen 110 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm für Griechenland geschnürt, da das Land nur noch zu sehr hohen Zinsen Kredite am Kapitalmarkt hätte aufnehmen können. 30 Mrd. Euro für den Schirm kommen vom IWF. Vereinbart ist eine Laufzeit von drei Jahren.

Die griechische Bevölkerung steht indessen trotz massiver Einschnitte und Steuererhöhungen hinter der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. In einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage kommen die regierenden Sozialisten auf 42,5 Prozent Zustimmung. Die oppositionellen Konservativen erreichen 28 Prozent. Beim Thema Wirtschaft blicken viele Griechen pessimistisch in die Zukunft. So rechnet etwa jeder zweiter Bürger damit, dass sich die wirtschaftliche Lage noch weiter verschlechtern wird, wie die Umfrage weiter ergab. Rund Dreiviertel der Befragten erklärten, sie würden die Krise schon jetzt deutlich in ihrem Portemonnaie spüren und weniger Geld ausgeben.

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  • Anscheinend haben da unten einige (im Volk) gemerkt dass es eine Gelegenheit ist viele Sachen endlich mal ordentlich zu ändern.
    ich bezweifle aber dass die richtigen Leute auf dem richtigen Posten sitzen um eine dauerhafte Mentalitätsänderung zu bewirken (bei der Clientelpolitik der letzten Jahrzehnte).

    Übrigens , GR hat sich nicht die EU-Mitgliedschaft erschwindelt sondern die EURO-Mitgliedschaft, sind 2 Paar Schuhe, so mancher hat es immer noch nicht geblickt.

  • war gerade dort. Truemmerhaufen. Da stimmt Nichts. Kein Wunder, das die lieben Griechen im Cafe sitzten und melancholisch in ihren Kaffee sehen.....

    Lachen tun nur die, die sagen wir eine Taverne betreiben, alles schoen gegen Kasse ohne Quittung.
    Da ist die Welt in Ordnung. ich fuerchte, die Zahlungen an die Griechen sind verloren.

    Euer
    Rainer

  • Warum sollte die EUdSSR ausgerechnet jetzt mißtrauisch werden???? Das wissen die doch seit 10 Jahren! Der beitritt war ein politische Entscheidung wo auch die Werbekampagne des Staatsfernsehens ZDF gut zutrifft, " Auf dem 2en sieht man besser!" oder besser dort sehen die Zahlen besser aus. Außerdem wurden Gesetze mit Füßen getreten (No-bail-Out; eigentlich von Deutschland eingeführt und jetzt offen mißachtet!!!) und die Steuerzahler in D mit horrenden Schulden belastet (mal 30, dann 60 und vielleicht auch, aber nur im Extremfall 300 Mrd. EUR, wenn alle anderen nicht zahlen wollen oder können!!!).

    Die Wahrheit kommt doch sowieso nicht ans Licht, denn dann würde der EUR ja krachen gehen, bei Veröffentlichung der wahren Verhältnisse und wahnsinnigen Vertuschungsaktionen durch EU, EZb und Angina M.. Deutschland adé....;(

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