Neue Krise?: Die Briten fürchten eine neue Rezession

Neue Krise?
Die Briten fürchten eine neue Rezession

Kaum hat Großbritannien die längste Rezession seit dem 2. Weltkrieg überstanden, droht neues Ungemach. Im Königreich wächst die Angst vor einem Rückfall in die Krise. Investoren fürchten, dass die Notenbank noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpen muss, um die fragile Konjunktur zu stabilisieren. Damit hat die Insel ähnliche Sorgen wie die USA.
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LONDON. Dabei sahen die jüngsten Wirtschaftsdaten auf der Insel gut aus. Mit 1,2 Prozent im Quartalsvergleich wuchs das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal so stark wie seit neun Jahren nicht. Das war zwar nur gut halb so viel wie in Deutschland, lag aber über dem EU-Durchschnitt. Volkswirte warnen aber, dass damit der Höhepunkt der Erholung überschritten sei.

Die Frühindikatoren knicken ein

Die jüngsten Frühindikatoren bestätigen diese Einschätzung. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel im August von 56,9 Punkten auf 54,3. Ein Stand von über 50 signalisiert zwar eine Expansion, doch der Index fiel auf das niedrigste Niveau seit November. Ähnlich sah die Entwicklung im Dienstleistungssektor aus. Hier sackte der Index der Einkaufsmanager auf 51,3 Zähler, den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2009. "Die schwachen Daten stützen unsere Erwartung, dass sich das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte empfindlich abkühlen wird", warnt Volkswirt Azad Zangana von der Fondsgesellschaft Schroders. Von den 1,2 Prozent Wachstum im zweiten Quartal seien nur 0,2 Prozentpunkte auf die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen zurückzuführen. Der Rest gehe auf den nach einer tiefen Krise üblichen Wiederaufbau von Lagerbeständen zurück. Der gehe aber bald zu Ende.

Hetal Mehta vom japanischen Geldhaus Daiwa geht noch einen Schritt weiter: "Der Dienstleistungssektor ist entscheidend für die britische Wirtschaft. Es mag zwar noch etwas früh sein, um von einem Rückfall in die Rezession zu sprechen, aber das Risiko ist auf jeden Fall gestiegen", warnt der Volkswirt. Auch Jonathan Loynes von Capital Economics sieht eine "reale Gefahr, dass die britische Wirtschaft im vierten Quartal wieder schrumpfen wird, sollte sich der Trend der schwachen Frühindikatoren fortsetzen". Volkswirte sprechen von einer Rezession, sobald die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen sinkt.

Dass auch die britische Notenbank einen Rückfall in die Krise nicht ausschließt, zeigt die Tatsache, dass die Währungshüter bei ihrer Sitzung im Juli erstmals wieder über eine Ausweitung der Geldmenge diskutiert haben. Nach der Finanzkrise hatte die Bank of England (BoE) versucht, die Konjunktur durch zusätzliche Liquidität anzukurbeln. Sie pumpte über den Kauf von Staatsanleihen 200 Mrd. Pfund in die Wirtschaft.

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