Neue Leitwährung
Südamerika strebt weg vom Dollar

Lateinamerika sucht eine neue Leitwährung. Doch welche Währung die Dominanz des Dollars brechen soll, bleibt umstritten. Während Brasiliens Präsident Lula da Silva den heimischen Real auf dem Kontinent verbreiten möchte, drängt Venezuelas Hugo Chavez auf die Einführung einer ganz neuen Währung.
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SAO PAULO. Die Dominanz des US-Dollars brechen wollen beide, doch wie man eine eigene lateinamerikanische Leitwährung etablieren kann, darüber streiten Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und sein venezolanischer Kollege Hugo Chávez - wie immer. Brasilien wirbt für den eigenen Real, Venezuela träumt von einer ganz neuen Währung, dem Sucre.

Brasiliens Diplomaten haben nach eigenen Angaben mit Uruguay vereinbart, lokale Währungen im bilateralen Handel zuzulassen. Eine ähnliche Vereinbarung hat Brasilien bereits vor vier Jahren mit Argentinien getroffen. Beides ist Teil der Bestrebungen, den Real auf dem ganzen Kontinent als alternative Leitwährung anzubieten. Damit könnten die Staaten zwei bis drei Prozent einsparen, schätzt die brasilianische Zentralbank. Denn bei der Nutzung der lokalen Währungen entfallen Transaktionskosten, die sonst beim Tausch in US-Dollar und beim Berechnen der Preise anfallen.

Langfristig will Brasilien mit der grenzüberschreitenden Nutzung des Real sowie anderer lokaler Währungen die Zusammenarbeit der Zentralbanken in der Region stärken und die wachsende Integration monetär untermauern. "Doch das ist ein langfristiges Ziel", sagt Mangabeira Unger, Harvard-Professor Minister und Ex-Minister für strategische Angelegenheiten Lulas.

Durch die starke Aufwertung der Rohstoffwährungen Südamerikas - etwa in Chile und Brasilien - macht die Abwicklung des Handels und Investitionen in lokaler Währung, die sich ähnlich gegenüber dem Dollar aufwerteten, durchaus Sinn. Zentralbankpräsident Henrique erklärte vor einigen Monaten, dass der Dollar auch bei den Handelsbeziehungen mit Chile und den anderen Bric-Staaten China, Russland und Indien langfristig ausgetauscht werden könne.

Weniger weit fortgeschritten ist die andere Währungsinitiative der Region: Chávez hatte im April erstmals erklärt, dass sein linkes Staatsbündnis Alba im nächsten Jahr den Sucre als neue Währung zur Abwicklung des Handels zwischen den Mitgliedsstaaten der "Bolivarianischen Allianz für Amerika" (ALBA) einführen und den Dollar ablösen werde. Dabei sein wollen neben Venezuela vor allem Bolivien, Ecuador sowie sechs weitere Staaten Zentralamerikas und der Karibik, darunter Kuba und Nicaragua. Eine ALBA-Zentralbank mit Sitz in Caracas soll die Währungstransaktionen verwalten. "Die Diktatur des Dollars geht zu Ende", freute sich Chávez.

Dennoch hat die Sucre-Initiative wenig Aussichten auf Erfolg: Denn ausgerechnet Venezuela und Ecuador leben fast ausschließlich von Ölexporten in die USA, - die in Dollar bezahlt werden. Der sonstige Handel zwischen den Staaten findet vor allem außerhalb des künftigen "Sucre-Währungsraumes" statt. Brasilien und Kolumbien sind die größten Handelspartner und Investoren Venezuelas und Boliviens. Der Handel zwischen den Alba-Staaten ist vergleichsweise unbedeutend. Auch die Alba-Zentralbank ist eigentlich überflüssig: Noch vor einem Monat haben die wichtigsten sieben südamerikanischen Staaten mit Ausnahme von Chile und Kolumbien offiziell den Banco del Sur nach jahrelangen Verhandlungen gestartet und wollen ihn mit 20 Mrd. $ Startkapital ausstatten.

So dürfte der Sucre eine virtuelle Währung bleiben, - wenn er überhaupt jemals benutzt wird. Denn die Berechnung des Sucre dürfte schwierig werden: Venezuela ist das einzige Land in der Region, welches seinen Wechselkurs kontrolliert und strikte Kapitalverkehrskontrollen erhebt.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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