Neue Liquiditätshilfen
Angst vor Banken-Schieflagen alarmiert EZB

Die harten Rating-Urteile gegen italienische und griechische Banken schüren die Angst vor einem neuen Finanzcrash. Die EZB erwägt bereits neue Hilfen. Doch die EU-Kommission stellt sich quer.
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BrüsselDie europäische Schuldenkrise könnte die Europäische Zentralbank (EZB) schon bald erneut zum Handeln zwingen. Sollte sich die konjunkturelle Lage bis Anfang Oktober weiter eintrüben, könnte die EZB bereits auf ihrer nächsten Zinssitzung handeln, sagte EZB-Ratsmitglied Luc Coene der Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag.

Konkret deutete der Notenbankchef Belgiens die Möglichkeit zusätzlicher Liquiditätshilfen für die Geschäftsbanken an. Denkbar seid die Wiederauflage von Refinanzierungsgeschäften mit einer Laufzeit von einem Jahr oder gar länger. Derart lange Geschäfte hatte die Notenbank in der Finanzkrise angeboten.

Die französische Finanzaufsicht AMF geht davon aus, dass zwischen 15 und 20 europäische Banken ihre Kapitaldecke stärken müssen. Es gebe tatsächlich ein Problem mit der Kapitalausstattung, sagte AMF-Chef Jean-Pierre Jouyet in einem Interview des Hörfunksenders Europe 1. Auf die Frage, ob auch französische Institute eine Rekapitalisierung benötigten, antwortete Jouyet: „Nicht zu diesem Zeitpunkt“.

Die französischen Banken sind wegen ihres großen Engagements im hoch verschuldeten Griechenland an den Finanzmärkten zuletzt schwer unter Druck gekommen. Sollte es eine Insolvenz Griechenlands mit einem Schuldenschnitt geben, wären die französischen Institute wohl am stärksten betroffen.

Auch die Deutsche Bank stellt sich auf höhere Belastungen wegen der Griechenland-Krise ein. Nach Berechnungen der Deutschen Bank könnten sich die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen nicht nur auf die ausgehandelten 21 Prozent belaufen, sondern de facto auf 25 Prozent und mehr, wie Group Controllerin Charlotte Jones am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Hintergrund ist, dass Ende Juli bei der Vereinbarung der privaten Gläubigerbeteiligung (PSI) - die einen Bond-Tausch vorsieht - mit einer Rendite auf griechische Staatsanleihen von neun Prozent kalkuliert wurde. Inzwischen liegt sie jedoch deutlich höher. „Heute gibt es keine griechischen Staatsanleihen mit Renditen unter 13,75 Prozent“, erklärte Jones. „Falls die PSI zu Marktzinsen umgesetzt wird, die höher als neun Prozent sind, erhöht sich mit jedem weiteren Anstieg des Zinssatzes um ein Prozentpunkt der Barwertabschlag für Investoren um knapp über vier Prozentpunkte.“

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  • poors heißt ARM und diese Ratinmgagenturen können einfach was in die Welt setzten, ohne etwas beweisen zu müssen. Das ist ein Armutszeugnis. Schließlich gehören sie wohl auch einer gewissen Marionettenelite an!

  • Das inzwischen außer Kontrolle geratene Zockerparadies der
    Banken wäre fast perfekt, wenn die finanziellen Mittel un-
    begrenzt wären. Daß dieses aber nicht der Fall ist, zeigt
    das Beispiel Griechenland, welches den Banken eine War-
    nung sein sollte, welche aber bisher in den Wind geschla-
    gen wurde. So wird der unaufhaltsame Reinigungsprozeß,
    kurz über lang, wie in den U.S.A., einsetzen.
    Unglaubwürding wird daher auch das Versprechen der G 20, diese Branche um jeden Preis zu retten, allein schon
    aus dem Mangel an Masse, welches dann nur noch ein Lippenbekenntnis der G 20 bleiben dürfte. Offensicht-
    lich haben die Banken das bisher nicht gemerkt, sonst
    würden sie schon lieber heute als morgen ihre Pforten
    schließen, bevor sie auch noch das Schicksal der Leh-
    man Brüder, zur Rechenschaft gezogen zu werden, ereilt.

  • Schon viel früher, zur Zeit der Generäle, hätte auffallen müssen dass Griechenland die auf Kredit gekaufte Rüstungsgüter (aus D. und F.) nie zahlen können würde.
    Aber das kurbelt die Wirtschaft an (D. + F.) und die Beschäftigung, von nicht wissen kann keine Rede sein aber von nicht wissen wollen schon.
    Mit so viele Waffen hätte Griechenland der Feldzug von Alexander der Große überbieten können.

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