Neue Pipeline-Projekte
Türkei wird zum Knotenpunkt für Europas Energieversorgung

Die Türkei, fünf Jahrzehnte lang Bollwerk des Westens gegenüber der feindlichen Sowjetunion und dem unruhigen Nahen Osten, wächst in eine neue geostrategische Rolle hinein: Pipeline-Projekte machen sie zur Drehscheibe für Öl- und Gaslieferungen nach Westeuropa.

CEYHAN. Die Türkei wird zu einem wichtigen Knotenpunkt für Westeuropas Energieversorgung. Zwar gibt es in Anatolien keine nennenswerten Öl- oder Gasvorkommen. Aber fast drei Viertel der globalen Rohölreserven und 72 Prozent der bekannten Gasvorkommen liegen in der Nachbarschaft der Türkei. „Damit wird Anatolien zum Korridor zwischen den an Öl und Gas reichen Ländern Mittelasiens sowie des Nahen Ostens und Westeuropa“, stellt eine Studie des türkischen Industrie- und Unternehmerverbandes Tüsiad fest.

Noch laufen Tanker die Ölpier von Ceyhan nur etwa alle zwei Tage an. Aber türkische Planer sehen den Ort an der Bucht von Iskenderun nahe der Grenze zu Syrien bereits als das „Rotterdam des Mittelmeeres“. In Ceyhan endet die zweitlängste Rohöl-Transportleitung der Welt, die BTC-Pipeline – so genannt nach den Orten, die sie miteinander verbindet: Durch die 1 776 Kilometer lange Leitung wird Rohöl aus den Fördergebieten bei Baku am Kaspischen Meer über das georgische Tiflis zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan gepumpt. Von hier transportieren Tanker das aserbaidschanische Öl zu den Raffinerien in Frankreich, Italien und Spanien, aber auch nach Israel und in die USA. Derzeit kommen rund eine halbe Million Fass Rohöl nach Ceyhan, bis 2007 soll die Transportleistung der vor sechs Monaten eröffneten Pipeline auf eine Million Fass herauf gefahren werden.

Der strategische Vorteil der vom Hauptanteilseigner BP betriebenen BTC-Pipeline liegt nicht zuletzt darin, dass sie durch pro-westliche Länder führt. Die Bedeutung des Ölhafens Ceyhan dürfte in Zukunft noch erheblich wachsen: Das private türkische Energieunternehmen Calik und der italienische Ölkonzern Eni planen den Bau einer 554 Kilometer langen Rohölpipeline vom türkischen Schwarzmeerhafen Samsun nach Ceyhan. Durch diese Leitung soll Öl aus Russland und Aserbaidschan zum Mittelmeer gepumpt werden.

Zudem gibt es Pläne, die jetzt fertig gestellte BTC-Pipeline in die Fördergebiete Kasachstans zu verlängern. Und in Ceyhan endet auch jene bereits 1976 in Betrieb genommene Zwillingspipeline, die in die irakischen Fördergebiete bei Kirkuk und Basra führt. Die Leitungen haben eine Kapazität von knapp 71 Mill. Tonnen pro Jahr. Die wurde jedoch zuletzt 1990 erreicht. Wegen des Irak-Krieges und zahlreicher Anschläge liegt die Pipeline heute praktisch still. Seit Januar kamen nur etwa 135 000 Tonnen irakisches Öl in Ceyhan an. Aber in der Türkei hofft man, dass bei einer Normalisierung der Lage im Irak das Öl wieder kräftiger sprudelt.

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