Neue Planspiele für Euro-Bonds
Sturm auf die deutsche Stabilitätsbastion

Angela Merkel steht mit ihrer Ablehnung von Euro-Bonds in Europa fast alleine da. Immer neue Vorschläge für gemeinschaftliche Anleihen machen die Runde. Doch sie sind entweder ineffektiv - oder ein krasser Tabubruch.
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Düsseldorf/BrüsselBeim Treffen der EU Staats- und Regierungschefs am Mittwoch in Brüssel zeichnet sich ein überragendes Thema ab: Euro-Bonds. Der neue französische Präsident Francois Hollande will eigene Vorschläge für gemeinschaftliche Anleihen der Euro-Länder präsentieren. Er wolle Vorschläge für einen Wachstumspakt vorlegen, sagte Hollande am Rande des G8-Gipfels in Camp David. "Zu dem Paket gehören auch Euro-Bonds und ich werde sie nicht alleine vorschlagen."

Damit geht der Kampf um Euro-Bonds in eine neue Runde. Bislang hat Bundeskanzlerin Angela Merkel alle Versuche einer Vergemeinschaftung der Schulden der Euro-Länder abgewehrt. Euro-Bonds seien mit der deutschen Stabilitätskultur nicht vereinbar, heißt es.

Doch nun befeuern zwei Faktoren erneut die Debatte: Zum einen hat sich die Krise in den vergangenen Wochen drastisch verschärft. Krisenländer wie Spanien und Italien sind erneut ins Visier der Märkte geraten - und müssen sich zu Zinssätzen finanzieren, die auf Dauer nicht tragbar sind.

Zum anderen hat sich das Machtgefüge in der Eurozone durch den Wahlsieg Hollandes bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich verschoben. Mit Nicolas Sarkozy hat Merkel ihren wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen Euro-Bonds verloren. Mit ihrer Ablehnung von Gemeinschaftsanleihen steht sie in Europa ziemlich alleine da. Doch es gibt nach wie vor starke Gründe, die gegen Euro-Bonds sprechen. Alle Vorschläge hierzu zeichnen sich durch eines aus: Sie sind entweder ineffektiv oder ein krasser Bruch mit der deutschen Stabilitätskultur.

Die Bundesregierung hat gestern bekräftigt, dass sie eine gemeinsame Staatsfinanzierung in der Euro-Zone ablehnt - gleich welcher Art. Euro-Bonds seien kein Mittel zur Bewältigung der aktuellen Krise, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. "An dieser Position hat sich nichts geändert."

Beim Abendessen der EU-Regierungschefs kommen die Euro-Staatsanleihen trotzdem auf den Tisch. Hollande und Italiens Premierminister Mario Monti haben das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Welche Euro-Bonds sie wollen, haben beide bisher aber noch nicht klar gestellt.

Die Auswahl ist groß. Die EU-Kommission, der deutsche Sachverständigenrat und das Brüsseler Wirtschaftsforschungsinstitut Bruegel haben Modelle vorgeschlagen, die sich stark unterscheiden - auch was ihre politische Durchsetzbarkeit betrifft. Sie reichen von eher symbolischen Schritten bis hin zur kompletten Umstellung der Schulden der Euro-Länder auf Gemeinschaftsanleihen. Handelsblatt Online hat die drei wichtigsten Vorschläge und ihre Schwachpunkte analysiert.

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Kommentare zu " Neue Planspiele für Euro-Bonds : Sturm auf die deutsche Stabilitätsbastion"

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  • philosophos

    o si tacuisses ...

  • Ja, der Eindruck drängt sich auf. "Let the Germans pay!" ist für alle anderen die einfachste "Lösung" - und unsere erbärmliche Opposition macht aus deutschem Selbsthass, politischem Opportunismus und naivem Enthusiasmus für den "Eurosozialismus" auch noch mit.

  • Wenn die Eliten diesen Eurowahnsinn so weitertreiben, bekommen wir Wahlergebnisse wie in Griechenland - an den Rändern. Normalos gehen überhaupt nicht mehr wählen, weil sich das mit dem ESM erübrigt. Übrigens: Lachhaft, wenn das HB schreibt, die Zinsen für die Peripherie seien untragbar hoch - zu Beginn des € waren sie höher!

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