Neue Regelung
Briten verschärfen Aufsicht

Die britische Regierung macht ernst mit ihren Plänen für eine striktere Regulierung des Finanzsektors. Am Mittwoch stellte Finanzminister Alistair Darling einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vor, der eine Wiederholung der weltweiten Finanzkrise verhindern soll.

LONDON. "In vielen Ländern sind Finanzinstitutionen zu hohe Risiken eingegangen", machte Darling klar. Außerdem sei inzwischen offensichtlich, dass viele Manager nur begrenzt gewusst hätten, was in ihren Unternehmen vor sich gehe. Nach den Plänen des Finanzministers müssen besonders riskant agierende Institute in Zukunft höhere Kapitalreserven halten als andere Geldhäuser. Außerdem will Darling hart gegen Institute vorgehen, die nach wie vor exzessive Boni an ihre Angestellten ausschütten.

Die größte Finanzkrise seit der großen Depression hat die Regierung von Labour-Premierminister Gordon Brown gezwungen, den angeschlagenen Finanzsektor mit vielen Mrd. Pfund zu stützen. Die beiden Baufinanzierer Northern Rock und Bradford & Bingley wurden vollständig verstaatlicht, außerdem musste der Staat die Großbanken Lloyds und Royal Bank of Scotland vor dem Kollaps retten.

Finanzminister Darling will jetzt dafür sorgen, dass die Geldhäuser mehr teures Eigenkapital vorhalten müssen, um wirtschaftliche Schocks besser absorbieren zu können. Außerdem sollen die Institute auch höhere Liquiditätsreserven anlegen, um Vertrauenskrisen besser überstehen zu können. Zusätzlich soll die Finanzaufsicht FSA Verschuldungsgrenzen setzen dürfen, falls sie zu dem Schluss kommt, dass einzelne Institute exzessiv Fremdkapital anhäufen.

Die FSA soll auch dafür sorgen, dass Geldhäuser die das größte Risiko für das Finanzsystem darstellen, besonders hohe Eigenkapitalpuffer bereitstellen müssen. In Zukunft soll nicht mehr nur die Wahrscheinlichkeit, dass ein Institut kollabiert über die Höhe der Eigenkapitalreserven entscheiden, sondern auch die Bedrohung, die ein Kollaps für das Gesamtsystem darstellen würde. Mit dieser "Sondersteuer" für besonders große und riskante Banken will Darling verhindern, dass der Staat noch einmal rettend eingreifen muss, weil Institute in Gefahr geraten, deren Bedeutung für die Systemstabilität so groß ist, dass sich die Regierung eine Pleite nicht leisten kann.

Mit seinen Plänen erteilt Darling einigen der radikaleren Vorschlägen zur Reform des Finanzsystems eine Absage, wie etwa der Aufspaltung großer Institute in eine "riskante" Investmentbank und eine "solide" Universalbank. Eine solche Aufspaltung sei angesichts der Komplexität moderner Bankgeschäfte nicht sinnvoll, meint Darling. Nach Einschätzung von Analysten könnten Darlings Pläne zur Kapitalausstattung allerdings einige Institute dazu bringen sich in kleinere weniger riskante Einheiten aufzuspalten. Nach dem Willen des Finanzministers soll die FSA in Zukunft auch die Entlohnungssysteme der Banken überwachen und jährlich in einem Bericht bewerten. Institute, die ihre Angestellten weiterhin mit hohen Boni für kurzfristige Erfolge belohnen, soll die Behörde als besonders riskant einstufen. Diese Banken müssten dann ebenfalls mehr teures Eigenkapital zurücklegen.

An der Aufteilung der Verantwortung für die Finanzaufsicht zwischen Notenbank, Finanzministerium und FSA will Darling zunächst nichts ändern. Lediglich ein Rat für Finanzrisiken, in dem alle drei Parteien vertreten sind, soll in Zukunft als Frühwarnsystem dienen. Die fragmentierte Regulierung ist nach Meinung vieler Kritiker mit dafür verantwortlich, dass Aufseher und Regierung die aufziehende Krise unterschätzten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%