Neue Regelung in Russland
Kritik an Putins Gesetz zu „unerwünschten“ NGOs

Russische Staatsanwälte können „unerwünschte“ Organisationen künftig verbieten. Ein entsprechendes Gesetz unterschrieb nun Präsident Putin. Bei Menschenrechtsorganisationen und in den USA stößt der Schritt auf Kritik.
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WashingtonDie russische Staatsanwaltschaft darf künftig ausländische und internationale Organisationen für unerwünscht erklären und verbieten. Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Samstag ein Gesetz, das diesen Schritt erlaubt, wenn eine Gruppe nach Auffassung der Strafverfolger die Grundlagen der Verfassungsordnung, die Verteidigungsfähigkeit oder die Sicherheit des Staates bedroht. Das Gesetz droht Bürgern, die sich mit „unerwünschten Organisationen“ einlassen, hohe Geldstrafen oder sogar bis zu sechs Jahren Gefängnis an.

Menschenrechtsaktivisten fürchten, dass die russischen Ableger internationaler Organisationen künftig noch stärker drangsaliert werden. Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International verurteilten die Gesetze als drakonische Unterdrückung, die das Leben der Zivilgesellschaft ersticke. Mehrere in den vergangenen Jahren verabschiedete Gesetze haben den Druck auf Nichtregierungsorganisationen bereits erhöht und deren Aktivitäten eingeschränkt, besonders wenn diese Zuwendungen aus dem Ausland erhalten. Bereits 2012 hatte die Duma beispielsweise ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, nach dem von außerhalb Russlands finanzierte NGO zu „ausländischen Agenten“ erklärt werden können.

Das US-Außenministerium äußerte sich „zutiefst besorgt“ über das Inkrafttreten des russischen Gesetzes für „unerwünschte Organisationen“. Die neue Regelung werde weiter die Arbeit der Zivilgesellschaft in Russland einschränken, erklärte die stellvertretende Außenamtssprecherin Marie Harf am Samstag in Washington. Das Gesetz sei ein weiteres Beispiel für die Unterdrückung unabhängiger Stimmen durch die russische Regierung. Präsident Wladimir Putin hatte das Gesetz am Samstag unterzeichnet. Danach können russische Behörden internationale Nichtregierungsorganisationen (NGO) ohne Vorwarnung auf eine schwarze Liste setzen.

Harf betonte, die USA seien beunruhigt über die zunehmenden Einschränkungen für unabhängige Medien, für die Zivilgesellschaft, für Angehörige von Minderheiten und für die politische Opposition. Sie rief Moskau auf, die Freiheit der Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit zu achten.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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