Neue Regierungsmannschaft
Brown krempelt das Kabinett um

Der neue britische Premierminister Gordon Brown startet mit einer Mischung aus unverbrauchten Gesichtern und bewährten Kräften in seine Amtszeit. Aufsteiger im neuen Kabinett ist zweifellos David Miliband, der jüngste Außenminister seit drei Jahrzehnten.

LONDON. Gordon Brown hat am Donnerstag den erst 41-jährigen bisherigen Umweltminister David Miliband zum Außenminister berufen. Damit bindet er seinen wahrscheinlichsten innerparteilichen Herausforderer in die Kabinettsdisziplin ein und gibt zugleich ein Signal für eine Kurskorrektur in der Außenpolitik. Das Schatzamt übergab er an Alistair Darling, der unter Tony Blair Industrie- und Handelsminister war.

Den Willen zum Wandel, den Brown in seiner knappen Antrittsrede vor Downing Street Nr. 10 am Mittwoch so oft betont hatte, unterstrich er am Donnerstag mit der Kabinettsliste. Nur ein Minister blieb auf seinem Posten: Des Browne, der für Verteidigung und Schottland zuständig ist. Mehr als die Hälfte des Kabinetts wechselt das Ressort, darunter der im Kampf um den Vize-Parteivorsitz knapp unterlegene Alan Johnson, der Bildung gegen Gesundheit tauscht. Eine Reihe altgedienter Blair-Anhänger wie der bärbeißige Ex-Innenminister John Reid und die Ex-Außenministerin Margaret Beckett sind nicht mehr dabei. Auch Vizepremier John Prescott ist zurückgetreten – sein Job wird wohl nicht neu besetzt. Das Ministerium für Handel und Industrie wurde zwar umbenannt, aber nicht, wie vielfach erwartet, aufgelöst. Es wird von dem Ex-Arbeitsminister John Hutton geführt.

Aufsteiger im neuen Kabinett ist zweifellos David Miliband, der jüngste Außenminister seit drei Jahrzehnten. Monatelang hatten ihn zahlreiche Parteifreunde bedrängt, gegen Brown anzutreten, doch er ließ sich nicht erweichen. Viele sahen ihn einfach als passenderen Gegner für den eloquenten, fotogenen Oppositionsführer David Cameron.

Nach Einschätzung politischer Analysten eröffnet Milibands Berufung für die Labour-Regierung die Chance, einen frischen Ansatz im Irak-Konflikt zu finden. „Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass Brown Stil und Schwerpunkt der Außenpolitik ändern will“, sagt David Mepham vom Think Tank Institute for Public Policy Research. Miliband sei unbelastet und werde es leichter finden, in Gesprächen mit Amtskollegen den Blick nach vorne zu richten. Er soll sich im Kabinett sogar kritisch über Blairs Nahostpolitik geäußert haben. Miliband selber blieb gestern vor seinem ersten Arbeitstag im neuen Amt nebulös. „Die Herausforderungen der modernen Welt erfordern eine Diplomatie, die ebenso geduldig wie entschlossen ist, die sowohl zuhört als auch führt“, sagte er. Milibands Karriere begann in der Labour-Zentrale, wo er bei der Vorbereitung des Wahlsiegs 1997 mithalf. Seit 2001 ist er Abgeordneter, und vor zwei Jahren wurde er zum ersten Mal ins Kabinett berufen. Dort wirkte er jeweils ein Jahr als Minister für Gemeinden und lokale Regierung und als Umweltminister. Im neuen Kabinett sitzt auch sein Bruder Ed als Stabschef des neuen Premiers.

Brown arbeitet derzeit daran, eine Gruppe von Beratern aus der Wirtschaft um sich zu scharen und neue Spender für die Partei zu finden. Obwohl die Labour-Partei hoch verschuldet ist, rechnen die meisten Kommentatoren damit, dass Brown schon für Frühjahr 2008 Wahlen einberufen wird. Damit könnte er drei Jahre nach Blairs drittem Sieg seine Macht legitimieren und festigen.

Die Schwergewichte in der britischen Regierungsmannschaft:

  • Der Schotte

    Alistair Darling

    gilt als Freund Browns mit gutem Draht zu Blair. Er sitzt seit 1997 im Kabinett, zuletzt als Industrieminister.
  • Ein aufsteigender Stern der Labour-Riege ist

    David Miliband

    . Er hat es abgelehnt, gegen Brown anzutreten. Nun ist er Außenminister.
  • Als Überraschung auf der Kabinettsliste gilt die bisherige Fraktionschefin

    Jacqui Smith

    . Sie leitet als erste Frau das Innenministerium.
  • Bei der Wahl zum Vize-Parteichef ist

    Alan Johnson

    knapp gescheitert. Am Kabinettstisch bekommt er das wichtige Gesundheitsressort.
  • Im Schatzamt war

    Ed Balls

    Browns rechte Hand und enger Berater. Nun soll er als Minister für Schulen die Bildungsreform vorantreiben.
Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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