Neue Richtlinie
EU schützt Kinder vor Weichmachern

Das Europäische Parlament hat sich auf ein EU-weites Verbot für mehrere Chemikalien verständigt, die als Weichmacher in Kinderspielzeug eingesetzt werden.

HB STRASSBURG. Die Abgeordneten stimmte am Dienstag in Straßburg einer Richtlinie zu, nach der sechs so genannte Phthalate verboten werden, die etwa in Scoubidou-Bändern, Schnullern, Beißringen oder bei Barbie-Puppen vorkommen. Die Stoffe können freigesetzt werden, wenn Babys und Kleinkinder zu lange an ihrem Spielzeug nuckeln oder kauen. Sie stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und Krebs auszulösen. Die Entscheidung stieß parteiübergreifend auf ein positives Echo.

Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) bezeichnete das Verbot der Stoffe als großen Fortschritt für den Verbraucherschutz. „Es schafft endlich eine europaweit einheitliche und dauerhafte Regelung dieser Frage“, sagte sie in Berlin. „Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr vorsorgendem Verbraucherschutz und vor allem dem Schutz von Kindern.“ Die Unions-Bundestagsfraktion begrüßte die Richtlinie ebenfalls. Damit werde jedes Risiko ausgeräumt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Berlin wertete die EU- Entscheidung als positives Signal. Damit komme der stockende Prozess für die EU-Chemierichtlinie wieder in Gang, sagte Verbandssprecher Christian Fronczak.

In Deutschland sind die entsprechenden Weichmacher nach den Worten der EU-Abgeordneten Hiltrud Breyer (Grüne) bereits für Spielzeug verboten, das für Kinder bis zum Alter von drei Jahren bestimmt ist. In der EU-Richtlinie gibt es keine Altersbegrenzung. Der Abstimmung ist eine Einigung mit dem Rat der europäischen Fachminister vorausgegangen. Dessen Zustimmung gilt daher als sicher. Damit könnte die Richtlinie spätestens im Herbst 2006 in Kraft treten.

Breyer wertete das Votum als großen Erfolg für den Verbraucherschutz. „Mit dieser Entscheidung ist der Anfang von Ende von Weich-PVC in Spielzeug eingeläutet.“ Alternativen wie Zitronensäure als Weichmacher in Schnullern seien seit langem vorhanden. Nach Breyers Worten werden in der EU derzeit jährlich fast eine Million Tonnen von Phthalaten produziert, unter anderem für Spielzeug. Die giftigen Weichmacher machen Plastik so elastisch, dass es geknautscht werden kann und dennoch in seine Ausgangsform zurückkehrt.

Die Verbraucherschutzexpertin der Sozialisten im Europaparlament, Dagmar Roth-Behrendt (SPD), begrüßte die Regelung ohne Altersbegrenzung. „Das macht einfach keinen Sinn. Wir können nicht von den Eltern verlangen, ständig darauf zu achten, ob jüngere Kinder nicht die Barbie-Puppe vom großen Bruder in den Mund nehmen.“

Das EU-Parlament forderte die Europäische Kommission dazu auf, auch mögliche Gefahren der Substanzen in medizinischen Produkten wie Infusionsschläuchen oder Blutbeuteln zu überprüfen. Besorgnis erregend sei vor allem die Verwendung von DEHP, sagte Breyer. Dieses Phthalat könne zu Veränderungen in den Hoden, zu geringerer Spermienproduktion der Nachkommen sowie zu Geburtsfehlern und Fehlfunktionen in Eierstöcken führen. Gefährdet seien zum Beispiel Schwangere, Früh- und Neugeborene und Dialysepatienten.

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