Neue Schätzung des IWF
Athen braucht drittes Rettungspaket über 50 Milliarden Euro

Die Rettungsmission wird teurer: Der Währungsfonds sieht für Griechenland einen sehr hohen Finanzbedarf in den kommenden drei Jahren. Der IWF fordert nun von den Europäern, die Schulden Athens für 20 Jahre zu stunden.
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Berlin, WashingtonFür die Europäer ist es eine peinliche Aufzählung. Am Donnerstagabend saßen in Brüssel die Finanzstaatssekretäre der EU-Staaten zusammen mit einem Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF). Erst vier Länder, hielt der IWF-Mann den europäischen Beamten vor, hätten in der 70-jährigen Geschichte des Währungsfonds ihre Schulden nicht bezahlt: Sudan, Somalia, Simbabwe, Kuba – und jetzt Griechenland.

Der IWF ist in der Griechenland-Krise häufig derjenige, der unangenehme Wahrheiten laut ausspricht. Das gilt nicht nur für den Hinweis auf den fälligen Kredit über 1,55 Milliarden Euro, den die Athener Regierung diese Woche nicht beglichen hat. Am Donnerstagabend hat der Währungsfonds noch eine andere Botschaft verkündet, die in Europa eigentlich am liebsten niemand hören würde: die weitere Rettung Griechenlands wird teuer – vor allem für die Euro-Staaten.

Die Experten aus Washington haben die erste offizielle Schätzung über das Ausmaß der griechischen Finanzmisere in den kommenden Jahren veröffentlicht – und damit auch darüber, wie teuer ein mögliches drittes Hilfsprogramm für Athen die europäischen Steuerzahler zu stehen kommen würde.

Der gesamte Finanzbedarf von Oktober 2015 bis Ende 2018 beträgt nach den Prognosen des Währungsfonds 52 Milliarden Euro. Die Europäer müssten davon mindestens 36 Milliarden Euro aufbringen – und sie Athen zu „hochgradig großzügigen Kreditbedingungen“ leihen. Das ist wesentlich mehr, als die Europäer bisher bereit sind, zuzugeben – geschweige denn zu zahlen.

Die Diskrepanz zwischen Arithmetik des Währungsfonds und der Europartner ergibt sich daraus, dass der IWF die Aussicht auf Wachstum, Steuereinnahmen und Privatisierungserlöse wesentlich pessimistischer einschätzt. Und schlimmer noch: Selbst die düstere Lageeinschätzung des IWF hat sich schon wieder überholt. Seit Montag sind in Griechenland die Banken geschlossen, die Wirtschaft ist stark beeinträchtigt. Damit würde ein drittes Hilfsprogramm noch teurer, heißt es. So müssten man wohl zusätzliches Geld für Bankenhilfen einplanen.

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  • Der IWF hat die Katze aus dem Sack gelassen. Es sind reale Fakten.
    Selbst wenn Hr. Dijsselbloem, Chef der €-Gruppe das nicht wahrhaben will.
    Und die restlichen "Weiß"-Maler auch nicht.

    Denn es heißt, dass die €-Länder-Steuerzahler ...

    a) das 1. "Hilfspaket" abschreiben müssen (für die dt. Steuerzahler allein sind es 15 Mrd. €) und

    b) noch weit mehr als bisher angenommen für ein 3."Hilfspaket" (gruseliges Wort) erneut nachschießen müssen. Sonst ist der IWF nicht mehr an Bord.

    Was folgt daraus für den Bundestag, der weiterhin das Fass ohne Boden nur dann stopfen will, wenn der IWF auch in Zukunft mit dabei ist? Dass er genau das zur Kenntnis nehmen muss und alternativlos abstimmen.

  • Bevor Griechenland ein drittes Hilfspaket braucht und wohl auch erhält müssen zuerst die Politiker nebst EZB-Direktorium ausgetauscht werden, die bereits zwei Hilfspakete (und mehr) in den Sand gesetzt haben. Wir müssen auch hier zu einem Rechtsstaat wieder zurückfinden.

    Sollte dies nicht erfolgen, ist das dritte Hilfspaket ebenfalls bereits in den Sand gesetzt bevor es überhaupt gewährt wurde.

    Sprüche, wie "wir wollen Zeit gewinnen" wobei es sich um Milliardenzahlungen handelt, outen jeden Laien. Es muss auch klar sein, dass der Euro eine Herausforderung für Fachleute und keine Aufgabe für Laienschauspieler ist.

    Es muss endlich einer den Politikern klarmachen, dass der Euro "Arbeit" und "kein Vergnügen" ist. Politiker, die ihre Glaubwürdigkeit verloren haben, gar einräumen, dass sie das Volk belügen, besitzen keine Charaktere, als man ihnen solchen Aufgaben übertragen könnte. Es ist überhaupt so eine Sache, den Politikern Zuständigkeit aber keine Verantwortung einzuräumen. Die Griechen tragen unzweifelhaft zwar die Hauptschuld, aber unter den hiesigen Politikern ist auch keiner, der ihnen hätte helfen können. Es besteht gar die Befürchtung, dass sie mitverdient haben könnten.

    Eine Frau Merkel, ausgebildet in der ehemaligen DDR, wahrscheinlich auch noch erpresst von den USA, ist von den Voraussetzungen her bestimmt ebenso ungeeignet wie ein Schäuble, der als Berufserfahrung Bundestagsabgeordneter angibt.

    Ein Draghi als EZB-Präsident, der den Griechen den Weg zum Futtertrog wies und ihn fortan mit allen Mitteln die Gelder zuschiebt, erscheint ebenso ungeeignet die Haushaltshoheit des Bundestages zu übernehmen. Es ist auch absolut unverständlich, dass die Bundesregierung auf dem Ohr taub ist, in das der ehemalige Bundesbankpräsident Weber, der ehemalige Chefökonom Stark und der amtierende Bundesbankpräsident konstant einflüstern, dass die EZB nicht mehr auf Basis der Verträge handelt.

    Entweder versteht Frau Merkel die Hinweise nicht oder aber es ist ihre Absicht

  • Ach was, Griechenland braucht weiterhin einen Blankoscheck. Natürlich wird GR seine Schulden bezahlen, sind ja Ehrensache, aber nicht die Kredite.

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