Neue SEC-Chefin
Mary L. Schapiro: Sauberfrau mit Hypothek

Eine Praktikerin mit Erfahrung im Umbau schwerfälliger Behörden wird neue Chefin der US-Finanzmarktaufsicht SEC. Die 53-jährige Mary Schapiro wurde am Donnerstag vom designierten US-Präsidenten Barack Obama für diesen Posten nominiert. Schapiro sei "schlau und hart in der Sache", sagte Obama in Chicago. Die neue SEC-Chefin muss auch gleich hart durchgreifen.

NEW YORK/FRANKFURT. "Sie ist in der Vergangenheit genau von jenen Insidern der Finanzindustrie kritisiert worden, die wir hart anpacken müssen", sagte Barack Obama am Donnerstag über die neue SEC-Chefin Mary Schapiro.

Schapiro steht derzeit an der Spitze der für die Selbstregulierung der Wall Street zuständigen Branchenorganisation Finra (Financial Industry Regulatory Authority). Sie wird Christopher Cox ablösen, unter dessen Ägide der ehemals hervorragende Ruf der SEC stark gelitten hatte.

Die SEC hatte in diesem Jahr Anzeichen auf den Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers genauso übersehen wie Hinweise auf den jüngsten Betrugsskandal um den Vermögensverwalter Bernard Madoff. "Obama hatte die schwierige Aufgabe, jemanden zu ernennen, der stärker auf die Einhaltung der Regeln achtet und deren Aufweichung durch die aktuelle Regierung rückgängig macht", sagte Darren Robbins von der Kanzlei Coughlin Stoia Geller Rudman & Robbins. Die Personalentscheidung sei ein "erster guter Schritt", das Vertrauen der Märkte wiederherzustellen, sagte Robbins, dessen Kanzlei ab 2001 maßgeblich an der Bewältigung des Enron-Skandals beteiligt war. Schapiro, deren Ernennung vom Parlament noch abgesegnet werden muss, wird die erste Frau an der Spitze der SEC sein.

Schapiro hat eine lange Karriere als Aufseherin bei verschiedenen Behörden hinter sich. Bereits von 1988 bis 1994 hatte die promovierte Rechtswissenschaftlerin als Commissioner in führender Funktion bei der SEC gearbeitet. Die Wahl fiel vermutlich auch auf sie, weil sie 2007 die Fusion der Selbstregulierungsorganisationen der wichtigsten US-Börsen Nasdaq und Nyse zur Finra verantwortete. Erwartet wird, dass die SEC in einer Fusion mit der Terminbörsenaufsicht CFTC aufgehen wird. Dies gilt vielen US-Politikern als ein probates Mittel, die zersplitterte US-Finanzaufsicht schlagkräftiger zu machen.

Die SEC hatte unter Cox nicht nur alle Anzeichen auf den Kollaps der Investmentbanken Bear Stearns und Lehman übersehen. Obwohl es seit 1999 Anzeigen wegen Anlegerbetrug gegen den Vermögensverwalter Bernard Madoff gab, ließ die SEC ihn weitgehend unbehelligt. Gegen Madoff wird derzeit ermittelt, nachdem er gestanden hatte, Anleger systematisch betrogen und dabei einen Verlust von 50 Mrd. Dollar eingefahren zu haben. Cox war mehrfach - unter anderem vom unterlegenen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain - zum Rücktritt aufgefordert worden. Ein Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses soll sich nach der Amtseinführung Obamas im Januar 2009 mit der Rolle der SEC im Fall Madoff beschäftigen.

Die Wahl Schapiros ist jedoch nicht völlig unumstritten. Vor allem die Republikaner, die in der nächsten Legislaturperiode die Opposition bilden werden, kritisieren die Rolle der Finra bei der Beaufsichtigung von Lehman. Sie hatte die Bank zwar immer wieder wegen Regelverstößen abgemahnt, das wahre Ausmaß der Probleme dabei aber offenbar übersehen.

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