Neue Selbstmordanschläge im Nordirak
Aufstand im irakischen Gefängnis Abu Ghraib

Bei vier Selbstmordanschlägen im Nordirak sind am Dienstag mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Die US-Armee berichtete unterdessen von einem Aufstand im Skandalgefängnis Abu Ghraib westlich von Bagdad, bei dem nach amerikanischer Darstellung zehn Menschen verletzt wurden. In dem Gefängnis hatten in der Nacht zum Montag Dutzende irakischer Häftlinge gegen ihre Wärter aufbegehrt.

HB KIRKUK. Nach Angaben des US-Militärs hatte ein Gefangener versucht, zu fliehen. Daraufhin hätten Häftlinge in mehreren Parzellen Steine auf tragbare Licht-Generatoren und Wärter geworfen. Eine schnelle Eingreiftruppe habe den Aufstand unter Kontrolle gebracht. Vier Wärter und sechs Häftlinge seien leicht verletzt worden. In dem Gefängnis hatte Saddam politische Häftlinge foltern und hinrichten lassen. Vor gut einem Jahr war die Haftanstalt wegen der Misshandlung irakischer Häftlinge durch US-Soldaten in die Schlagzeilen geraten. Die US-Armee hält dort derzeit rund 3 500 Menschen fest.

Der irakische Kurdenführer Massud Barsani sprach sich in einem Interview mit der arabischen Zeitung „Al-Hayat“ dafür aus, den Prozess gegen Ex-Präsident Saddam Hussein möglichst rasch zu eröffnen, um den Kampfgeist seiner Anhänger zu schwächen. Die irakische Regierung hatte am vergangenen Sonntag erklärt, der Prozess gegen den ehemaligen Diktator werde spätestens im August beginnen. Nach Einschätzung Barsanis gehen die Angriffe und Selbstmordanschläge im Irak auf das Konto von drei Gruppen: 50 000 bis 60 000 Kriminelle, die eine Mafiaorganisation gegründet haben, ehemalige Offiziere des Saddam-Regimes sowie ausländische Kämpfer.

Wie die Polizei berichtete, brachte ein Selbstmordattentäter seine Autobombe in der Nähe eines US-Armeestützpunktes in Howeidscha bei Kirkuk zur Explosion. Drei weitere Sprengstoff-Autos detonierten an Straßensperren der irakischen Sicherheitskräfte rund um Kirkuk.

Seit der Ernennung der neuen irakischen Regierung Ende April ist der Kampf Aufständischer deutlich härter geworden. Er kostete bereits mehr als 800 Irakern und 88 US-Soldaten das Leben. Die zunehmende Gewalt hat auch die Spannungen unter den religiösen Gruppen des Landes verschärft. Die Sunniten, die unter der Herrschaft von Saddam Hussein die irakische Politik dominierten, sind in dem neu gewählten Parlament kaum vertreten. Viele Sunniten hatten die Wahlen im Januar boykottiert oder sich aus Furcht vor Übergriffen nicht an der Abstimmung beteiligt. Irakische Politiker haben davor gewarnt, dass Rebellen einen Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Religions- und Volksgruppen im Land anstiften wollen.

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