Neue Staatschefin
Argentiniens First Lady erringt Wahlsieg

Die Peronistin Cristina Fernández de Kirchner hat sich vor jubelnden Anhängern zur Siegerin der Präsidentenwahl vom Sonntag erklärt. Damit wäre sie die erste gewählte Staatschefin des Landes. Den wirtschaftspolitischen Reformkurs ihres Mannes, Néstor Kirchner, will sie fortsetzen. Die Opposition nörgelt unterdessen: Der wirtschaftliche Erfolg des Landes hat damit nur wenig zu tun.

HB BUENOS AIRES. „Wir haben einen klaren Sieg errungen“, sagte sie in der Hauptstadt Buenos Aires. Die 54-jährige bisherige Senatorin und Frau des scheidenden Präsidenten Néstor Kirchner kam auf 43,6 Prozent der Stimmen, teilte die zentrale Wahlkommission nach Auszählung von 45,1 Prozent der Stimmzettel mit. Ihre schärfste Rivalin, die Mitte- Links-Kandidatin Elisa Carrió kam demnach auf 20,9 Prozent.

Kirchner wäre damit die erste gewählte Präsidentin in der Geschichte des konservativ-katholischen Landes. Die erste Staatschefin des Landes, Isabel Perón, war erst als Vize-Präsidentin nach dem Tod ihres Mannes Juan Domingo Perón 1974 in das höchste Staatsamt gelangt und wurde nach einer chaotischen kurzen Amtszeit durch den Militärputsch von 1976 gestürzt.

Frau Kirchner rief die Argentinier in ihrer ersten Rede nach der Wahl zur Einigkeit auf. In versöhnlichem Ton lud sie die Opposition ein, gemeinsam für eine besser Zukunft zu arbeiten. Unter Verzicht auf Triumphalismus betonte sie, der Wahlsieg verleihe keine Privilegien, sondern große Pflichten. Zudem strich sie die „besondere Rolle“ der Frauen heraus, die sich oft durch die Erfüllung doppelter Pflichten zu Hause und zugleich in der Öffentlichkeit auszeichneten.

Carrió weigerte sich unterdessen zunächst, ihre Niederlage einzugestehen. Sie wolle weitere offizielle Ergebnisse abwarten, sagte sie kurz vor Mitternacht und betonte, es gebe immer noch Hoffnung auf eine Stichwahl. Dafür hätte jedoch Kirchner auf unter 40 Prozent fallen oder Carriós Stimmenanteil auf weit über 30 Prozent steigen müssen. Beides hielten politische Beobachter für unwahrscheinlich. Auf Platz drei mit 18,9 Prozent lag der frühere Wirtschaftsminister Roberto Lavagna gefolgt vom Gouverneur der Provinz San Luis, Alberto Rodríguez Saá, für den 9,7 Prozent stimmten.

Kirchner profitierte zwar von den wirtschaftspolitischen Erfolgen ihres Mannes und dem Einsatz des Staatsapparates für ihren Wahlkampf. Jedoch gilt sie als erfahrene Politikerin, und ihr wird ein unbedingter Wille zur Macht nachgesagt. Bei ihren politischen Gegnern und auch bei Mitarbeitern ist sie wegen ihrer Scharfzüngigkeit und manchmal aufbrausenden Art gefürchtet. Als ihre Hauptaufgaben bezeichnete sie die Festigung der Demokratie, weiteres Wirtschaftswachstum und die Überwindung der krassen sozialen Unterschiede.

Die zersplitterte Opposition betonte im Wahlkampf, die wirtschaftliche Erholung Argentiniens sei vor allem mit einer günstigen Konjunktur der Weltwirtschaft zu erklären. Die alten Leiden der Abhängigkeit des Landes von Rohstoffexporten, der Vetternwirtschaft und Korruption, der schwerfälligen Verwaltung und der Rechtsunsicherheit hätten sich unter Kirchner nur noch verschärft.

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