Neue Strategie
Libysche Rebellen bereiten Offensive auf Brega vor

Die libyschen Rebellen bereiten eine neue Offensive gegen den Ölhafen Brega vor. Er ist strategisch wichtig - und würde durch den Export von Öl neue Einnahmen ermöglichen.
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AdschdabijaIn der Nacht zum Samstag sei es einem Erkundungstrupp gelungen, in die von rund 3000 Soldaten von Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi gehaltene Ortschaft einzudringen, sagte Rebellensprecher Mohammed Sawi. Die Einnahme des Ölhafens würde es den Rebellen ermöglichen, durch den Export von Öl neue Einnahmen zu erzielen.

In der Nacht seien rund fünfzig Rebellen vom Norden ins Zentrum vorgestoßen, sagte Sawi. Nachdem sie sich zurückgezogen hätten, warteten sie nun vier Kilometer vom Zentrum entfernt. Der nächtliche Vorstoß erfolgte 32 Stunden nach dem Beginn einer Offensive von drei Seiten auf den Hafen am Golf von Sirte, der im Verlauf des nunmehr fast fünf Monate dauernden Konflikts bereits mehrmals von Regierungstruppen und Rebellen eingenommen worden war.

Während die Aufständischen im Norden bis dicht ans Zentrum vordrangen, stieß ihr Angriff im Osten und Süden auf größeren Widerstand. Im Süden, wo sich die Regierungstruppen verbissen zur Wehr gesetzt hätten, waren die Verluste laut Sawi besonders hoch.

Nach Angaben von Sanitätern wurden mindestens zehn Rebellen getötet und 172 weitere verwundet. Der Vormarsch wurde weniger durch Artilleriebeschuss als durch zahlreiche Landminen behindert.

Allein am Vormittag seien fünf Verletzte eingeliefert worden, die bei der Explosion von Minen verwundet wurden, sagten Sanitäter. Nach Angaben der NATO zerstörten ihre Flugzeuge in Brega einen Panzer, einen Raketenwerfer, fünf gepanzerte und sieben bewaffnete Fahrzeuge der Regierung. In Brega befinden sich eine Raffinerie und Öllager, die, sofern sie intakt sind, den Aufständischen Treibstoff und dringend benötigte Einnahmen bringen könnten.

Der Nationale Übergangsrat der libyschen Rebellen dankte unterdessen den USA dafür, ihn als „legitimen Vertreter des libyschen Volks anerkannt zu haben“. Der Rat würdigte die USA als „Beschützer und Förderer von Freiheit und Demokratie“. Die internationale Libyen-Kontaktgruppe hatte am Freitag auf ihrem Treffen in Istanbul den Rat als offizielles Organ mit Regierungsvollmacht anerkannt. Zugleich forderte sie die Bildung einer Übergangsregierung.

Zur Libyen-Kontaktgruppe gehören alle Länder, die am Militäreinsatz gegen die Regierung Gaddafis mitwirken. Mit der offiziellen Anerkennung des Übergangsrates ist es möglich, im Ausland eingefrorene libysche Staatsgelder zugunsten der Rebellen freizugeben. Zudem erlaubt es den Rebellen, legal Erdöl zu exportieren.

Gaddafi sagte seinerseits, auch wenn „der sogenannte Übergangsrat eine Million Mal anerkannt“ werde, habe das „keinerlei Bedeutung für das libysche Volk“. In der über Lautsprecher in der Stadt Sliten, 150 Kilometer östlich von Tripolis, an Tausende seiner Anhänger verbreiteten Botschaft sagte Gaddafi, er habe „fünf Millionen Libyer“, die bereit zum „Märtyrertod“ seien.

 

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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