Neue Streichungen

Spanien will 100 Milliarden sparen

Das EU-Sorgenkind Spanien erhöht die Sparanstrengungen. Bis 2014 sollen knapp 40 Milliarden Euro mehr eingespart werden. Trotz aller Bescheidenheit: Ein Hilfegesuch an die EU will Madrid nicht ausschließen.
Update: 03.08.2012 - 19:39 Uhr 73 Kommentare
Mariano Rajoy spart - und benötigt eventuell dennoch Hilfe. Quelle: dpa

Mariano Rajoy spart - und benötigt eventuell dennoch Hilfe.

(Foto: dpa)

MadridDie spanische Regierung will bis zum Jahr 2014 insgesamt 102 Milliarden Euro einsparen. Dies geht aus am Freitag in Madrid vorgelegten neuen Haushaltsplänen hervor. In der Summe sind allerdings die kürzlich beschlossenen Sparmaßnahmen von 65 Milliarden Euro enthalten, die unter anderem eine Anhebung der Mehrwertsteuer und die Streichung von Sondervergütungen im öffentlichen Dienst vorsahen.

Die EU-Kommission hatte von Madrid die Vorlage der Haushaltspläne für 2013 und 2014 verlangt und Spanien im Gegenzug beim Abbau des Budgetdefizits ein Jahr mehr Zeit gegeben.

Die in Brüssel vorgelegten Pläne gehen davon aus, dass Spaniens Wirtschaft 2013 um 0,5 Prozent schrumpft und 2014 ein Wachstum von 1,2 Prozent erzielt. Madrid will die Neuverschuldung von 8,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2011 bis 2014 auf 2,8 Prozent senken.

Die Börse in Madrid schloss etwa zeitgleich mit der Ankündigung der Maßnahmen mit einem Plus von rund sechs Prozent. Gegen die Sparpläne gibt es in Spanien seit Wochen scharfe Proteste.

Ebenfalls im Juli hatte die Eurozone hatte dem Land Finanzhilfen von bis zu 100 Milliarden Euro für seinen angeschlagenen Bankensektor gewährt. Angesichts hoher Zinsen, die Spanien für seine Staatsanleihen zahlen muss, wird jedoch befürchtet, dass Madrid auch für seinen Staatshaushalt internationale Hilfen benötigen könnte. Dagegen sträubt sich Spanien, weil es dafür Spar- und Reformanstrengungen nach den Vorgaben der Geldgeber erbringen müsste.

Trotzdem schloss Rajoy weitere Anträge seines Landes auf Finanzhilfen am Freitag nicht aus - auch Italien schließt ein Bittgesucht nicht mehr mehr. Rajoy ließ alles offen als er am Freitag sagte: „Ich habe noch keine Entscheidung getroffen.“

Rajoy: Zu sehr auf Pump gelebt
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73 Kommentare zu "Neue Streichungen: Spanien will mehr als 100 Milliarden Euro einsparen"

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  • Sowas gehört dazu. Es ist auch nichtmal schlecht. Denn die wirklich 'Großen' auf diesem Planeten entwickeln sich zu Philantrophen und bieten einer Menge Verantwortungslosigkeit damit sehr gut die Stirn.

    Leben und Leben lassen. Es ist einfach so, daß sich soziale Strukturen bilden, die auch auf Geld oder materiellen Dingen aufbauen.

    Solange man sich jederzeit daran erfreuen kann, was der Mensch in seinen sozialen Strukturen damit Schafft, ist es doch super?

    Man muß es begreifen und unterstützen. Jeder sollte das in seinem Rahmen tun!

    Deswegen haben wir exemplarisch auch die 'Ode an die Freude' für Europa ...

  • Els schreibt:

    ""Es geht darum, die begrenzten Ressourcen so einzusetzen, daß möglichst viele Menschen davon profitieren."

    Das ist Theorie.
    In der Wirklichkeit geht es darum, dann manche Menschen unbegrenzt, oder so sehr es möglich ist, von der Einsetzung von begrenzten Ressourcen profitieren können."

    => Die nicht artgerecht lebende Menschheit ist falsch eingestellt, nur darum handeln Menschen gegen Menschen, nur darum gibt es unersättliche Gier - nach Macht, Reichtum, Konsum, manche können nicht genug Frauen ins Bett bekommen, manche können nicht genügend Briefmarken oder Münzen zusammen bekommen, usw. usf.

    http://www.freegermany.de/apokalypse20xx.html

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

  • "Es geht darum, die begrenzten Ressourcen so einzusetzen, daß möglichst viele Menschen davon profitieren."

    Das ist Theorie.
    In der Wirklichkeit geht es darum, dann manche Menschen unbegrenzt, oder so sehr es möglich ist, von der Einsetzung von begrenzten Ressourcen profitieren können.

  • Ameise schreibt:

    "Ich rechne nach Bestätigung der Verfassungsmäßigkeit des ESM durch das BVerfG am 12.09. mit dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Im nächsten Jahr wird sich Spanien nicht mehr halten können. "

    => Liebe Ameise, was Sie in Ihrem Kommentar schreiben, spricht dafür, dass Sie richtig ticken. Ich bin betreffend ESM allerdings anderer Meinung an als Sie:

    1. Das BvfG wird den ESM kippen, und das ist von der Bundesregierung sogar so gewollt und geplant. Denn sie beabsichtigt garantiert nicht, unkontrollierbare Zahlungsverpflichtungen auf Deutschland zukommen zu lassen, ganz im Gegenteil - wie auch das Stimmverhalten von Weidmann deutlich machte, der nur theoretisch unabhängig von der Regierungslinie ist - auch wenn er einen anderen Eindruck zu vermitteln sucht...

    Merkel und Co. sind nicht so blöd, nicht zu wissen, was sie tun - sie haben schon so viele Fehler auf dem Wege der Verabschiedung gemacht, dass es eigentlich klar sein müsste, dass sie selbst interessiert waren, Stolperdrähte für den ESM auszulegen.

    Weiterhin stelle ich fest, dass es in den deutschen Online-Foren, wie zum Beispiel auch hier, beim HB, zwar ganze Rudel von Staats- und Kapitalagenten gibt, die bemüht sind, die Südländer als faule und gierige Schmarotzer und den deutschen Steuerzahler als deren armes Opfer an die Wand zu malen, um von der Schuld des deutschen Großkapitals abzulenken und gnadenlosen Sparkursen die geistige Basis zu schaffen - aber wo setzen diese Agenten sich für den ESM ein? Nirgends! Sie hetzen sogar selbst gegen den ESM!!!

    Merkel hat sich scheinbar ausländischem Druck gebeugt - und wird letztlich sagen: "Ja, wir haben ja alles getan, 2/3-Mehrheiten in beiden Parlamenten - aber das böse Bundesverfassungsgericht... ich kann da wirklich nichts dafür..."

    Darum spielt Letzteres auch auf Zeit...

  • Ja klar und nächsten Monat ist in Spanien wieder alles OK.

  • In Asien ist die Immobilienblase bereits geplatzt.

  • Hunderttausende Spanier sind in rund 80 Städten des Landes auf die Straße gegangen, um gegen die harten Sparmaßnahmen der Regierung zu protestieren. Allein in der Hauptstadt Madrid nahmen nach Angaben der Zeitung "El País" mindestens 100.000 Menschen an der Demonstration teil. Auch in anderen Städten wie etwa Barcelona gab es Großkundgebungen.
    Die spanische Polizei setzte in der Hauptstadt Gummigeschosse gegen Teilnehmer des Massenprotests ein. Zudem trieb sie am zentralen Platz Puerta del Sol kleinere Gruppen von Demonstranten mit Schlagstöcken auseinander, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
    Die großen Gewerkschaftsverbände CCOO und UGT hatten zu den Demonstrationen aufgerufen. Sie lehnen das von der Regierung beschlossene Sparpaket im Umfang von 65 Milliarden Euro entschieden ab. Die Gewerkschaften drohen damit, zu einem neuen Generalstreik im September aufzurufen, die Proteste am Donnerstagabend waren somit eine Machtdemonstration. Auch Polizisten, Feuerwehrleute, Militärs, Richter und Staatsanwälte waren unter den Protestierenden. Soweit zu den Anfängen der Volksunruhen. Von ein paar Chaoten kann noch nicht einmal im Ansatz die Rede sein. Ich rechne nach Bestätigung der Verfassungsmäßigkeit des ESM durch das BVerfG am 12.09. mit dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Im nächsten Jahr wird sich Spanien nicht mehr halten können. Der Druck der Strasse wird für diese Länder zu stark.

  • 'Ameise' sagt
    -------------------
    Gut, Spanien will 100 Milliarden sparen. Das wird das Volk gegen den Euro aufbringen und letztendlich dazu führen, dass Spanien neben Griechenland und Portugal aus der Eurozone austreten wird und muss.
    -------------------

    Die Einsparungen werden das Volk nicht notwendigerweise gegen den Euro aufbringen.

    Schließlich sind in Spanien die Einkommen aus Löhnen, Gehältern und Sozialleistungen in den letzten zehn Jahren um 44,6% gestiegen.

    Wenn man jetzt davon 10% zurückgeben muß, weil ein Teil der Einkommenszuwächse nur auf einer Schuldenblase beruhte, wird das vernünftigen Leuten einleuchten.

    Natürlich werden die üblichen linken Chaoten den üblichen Krawall schlagen.

    Aber davon wird Spanien nicht untergehen.

    ++++++++++++++++

    Wenn ich mir das aufgeregte Gezetere einiger Kommentatoren hier so angucke dann beschleicht mich das Gefühl, daß die Weltuntergangspropheten, Resetalarmisten und Goldanleger Angst bekommen daß ihnen die Felle davon schwimmen könnten.

    Denn ohne eine Spanienpleite wird sich der Euro wohl kaum kippen lassen.

    Und die Regierung Rajoy ist auf dem besten Wege mit der Blasenbereingung und Haushaltssanierung Spanien wieder voran zu bringen.

  • Es bleibt abzuwarten ob das Sparen die Krise verschärft und was die Regionen davon auch umsetzen.
    Bisher ging jeder Schuss nach hinten los,insbesondere stieg die Arbeitslosigkeit und Verschuldung immer weiter,trotz allen Sparens.
    Unsere Wirtschaft profitiert noch von den Wachstumsprogrammen ,die in der Krise von China und den USA aufgelegt wurden.Aber wird der ausgabenfreudige Obama wiedergewählt? Und wie lange sind Investoren bereit, US- Staatsanleihen trotz Rekordverschuldung der USA als sicher zu betrachten und einen Niedrigzins zu akzeptieren ?
    Rücken sie davon ab,hätten auch die USA eine Schuldenkrise. Nachhaltige Erfolge kann ich bei Obama trotz neuer Rekordschulden nämlich nicht sehen.
    Und China,wann platzt dort die Immobilienblase....?
    Es bleibt also spannend.

  • Gut, Spanien will 100 Milliarden sparen. Das wird das Volk gegen den Euro aufbringen und letztendlich dazu führen, dass Spanien neben Griechenland und Portugal aus der Eurozone austreten wird und muss.

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