Neue TV-Ansprache: Gaddafi schimpft auf Verräter und will "als Märtyrer sterben"

Neue TV-Ansprache
Gaddafi schimpft auf Verräter und will "als Märtyrer sterben"

Libyens Staatschef Gaddafi verliert die Kontrolle. Die Fernsehansprache zeigt einen aufgewühlten Despoten: "Ich werde als Märtyrer sterben wie meine Großväter." Die Opposition soll weite Teile des Landes beherrschen.
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Berlin/TripolisEin vor Wut schreiender Muammar al-Gaddafi hat am Dienstag in einer Fernsehansprache den von seinen Gegnern geforderten Rücktritt abgelehnt. „Ich bin kein Präsident, der zurücktreten kann“, sagte er. „Ich werde als Märtyrer sterben wie meine Großväter“, sagte der diesmal ganz in Braun gekleidete Oberst. Gleichzeitig versuchte er, die Bürger seines Landes doch noch auf seine Seite zu ziehen. Gaddafi, der von einem halb zerstörten Gebäude aus sprach, sagte: „Verräter beschmutzen das Image Eures Landes vor der ganzen Welt.“ Er rief: „Muammar al-Gaddafi ist kein Präsident, er ist der Führer der Revolution..(...) Dies ist mein Land, das Land meiner Großväter und eurer Großväter.“

Zu dem Aufstand sagte er, eine kleine Gruppe von jungen Leuten, denen man Tabletten gegeben habe, attackierten die Polizeiwachen, „wie die Ratten“. Diese Leute seien krank. Gaddafi stand während seiner Rede im Eingang eines Gebäudes in Tripolis, das die USA 1986 bombardiert hatten. Damals starben 36 Zivilisten, darunter eine Adoptivtochter Gaddafis. Nach Angaben eines abtrünnigen Diplomaten soll sich der Staatschef in einer Kaserne in Tripolis verschanzt haben.

Nach einer Woche Aufstand und vielen hundert Todesopfern haben die Gegner von Gaddafi nach eigenen Angaben fast ganz Libyen unter ihre Kontrolle gebracht. Überall im Land seien Armee-Einheiten und Sicherheitskräfte übergelaufen, sagten ranghohe libysche Funktionäre, die auf Distanz zu Gaddafi gegangen sind, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Die Aufständischen beherrschten bereits 90 Prozent des Landes. Aus Furcht vor neuerlichen Gewaltorgien startete das Ausland eine große Rückholaktion für Staatsbürger aus dem nordafrikanischen Land. In Tripolis sollen afrikanische Söldner die Bevölkerung terrorisieren.

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  • Islamismus-Terror wird als Feindbild unglaubwürdig. Bleiben noch Kinderschänder übrig

    Den USA gehen mal wieder die Feinde aus..
    Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion brauchte es einige Zeit, um sich wieder einen Feind zu konstruieren, der als Alibi für unappetitliche Politik im inneren wie nach Aussen herhalten muss:

    Terrorismus durch den fundamentalistischen Islam war die Wunderwaffe mit der sich alles rechtfertigen lies.

    Jetzt reiben sich die Medien und auch einige Politiker verwundert die Augen: Die protestierenden Menschen in den arabischen Ländern empfinden sowohl ihre Despoten, wie auch Befürworter von "Gottesstaaten" als eine Bedrohung ihrer Freiheit und ihres angestrebten Wohlstandes.

    Sie lassen bei ihren Protesten die USA und sogar Israel links liegen und wollen demokratische Freiheiten. Es gab keine Fahnenverbrennungen oder "Tod den Israelis" Parolen. Es ist zu vermuten, dass den Protestierenden die von oben verordneten Feinde sogar gleichgültig sind.

    Die "befreundeten" arabischen Staaten konnten von der angeblichen Terrorgefahr gut leben, indem sie sich als "Bollwerke gegen den Islamismus" gut verkauft haben. Den wollen die Protestierenden der arabischen Länder aber offenbar garnicht haben.

    Wir dürfen gespannt sein welche Bedrohungen als Begründung zur weiteren Beschneidung von Bürgerrechten in den USA aber auch Deutschland herhalten müssen.

    Vorläufig bleiben noch Kinderschänder als globales Feindbild.
    Terroristische Aktivitäten wird es auch ohne islamistische Staaten geben. Gemessen an der Zahl der Opfer durch die üblichen zivilen Gewaltverbrechen, rechtfertigt er keine Einschränkung von Bürgerrechten, sowenig, wie die "normale" Kriminalität.

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