Neue Welle des Misstrauens überrollt Europa
Auch Großbritannien schnürt ein Rettungspaket

Das Misstrauen der Investoren gegenüber den Banken verschärft sich. Berichte über einen angeblich dringenden Kapitalbedarf britischer Institute rissen am Dienstag Finanzwerte europaweit ins Minus. Am Abend kündigte Großbritanniens Finanzminister Alistair Darling an, mit einem Rettungspaket gegensteuern zu wollen.

LONDON/FRANKFURT. Die Aktie der Royal Bank of Scotland (RBS) verlor 39 Prozent ihres Werts, in Deutschland kamen einmal mehr die Papiere von Deutscher Bank, Commerzbank und Postbank unter die Räder. „Es ist kein Vertrauen mehr da, in niemanden“, fasste ein Frankfurter Banker die Situation zusammen. „Wenn wir so weitermachen, dann schießen wir uns alle gegenseitig über den Haufen.“

Daraufhin sah sich die britische Regierung offenbar genötigt zu handeln und hat sich Dienstagabend mit Notenbank und Finanzaufsicht auf ein Rettungspaket für führende Banken des Landes verständigt. Schatzkanzler Alistair Darling sagte nach einer fast zweistündigen Krisensitzung, er werde am Mittwochmorgen vor Börsenöffnung Einzelheiten des Pakets bekanntgeben.

Der Plan hat nach Informationen der BBC zwei Elemente: eine Soforthilfe in Form einer staatlichen Kapitalbeteiligung und einen Notfallfonds, der garantieren soll, dass die Banken auch weiterhin die nötigen Mittel für das Tagesgeschäft haben. Das Rettungspaket umfasst nach Medienberichten bis zu 50 Mrd. Pfund. Die Teilverstaatlichung der Banken wird nach Einschätzung von Ökonomen das britische Haushaltsdefizit auf mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppeln.

Der Rundfunksender BBC hatte zuvor berichtet, die Chefs von RBS, Barclays und Lloyds TSB hätten vom britischen Schatzkanzler Kapitalspritzen von jeweils 15 Mrd. Pfund gefordert. Dabei hätten die Institute das Finanzministerium in klaren Worten aufgefordert, sich zu beeilen.

Die RBS-Papiere haben seit Anfang 2007 mehr als 80 Prozent ihres Werts verloren. Eine Herabstufung der Bonitätsnote durch die Ratingagentur Standard & Poor's sorgte gestern für zusätzlichen Abgabedruck. Hinzu kommt die Sorge der Investoren, das Geldhaus könnte sich mit der 72 Mrd. Euro schweren Übernahme der niederländischen ABN Amro übernommen haben. Erst im Juli hatte RBS zwölf Mrd. Pfund an frischem Kapital aufgenommen. Die Aktienkurse von Barclays und Lloyds gaben gestern ebenfalls um neun bzw. 13 Prozent nach.

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