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21.07.2008 
BDI-Präsident Jürgen Thumann über die WTO

„Neuer Anlauf ist nicht vor 2010 möglich“

Unmittelbar vor der heute beginnenden WTO-Runde zum Abbau von Handelsschranken wächst die Furcht vor einem Scheitern. Sollten sich die Verhandlungsführer in Genf nicht einigen, sei vor dem Jahr 2010 kein ernsthafter neuerlicher Anlauf für einen Abschluss der Doha-Runde mehr möglich, warnt Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), im Handelsblatt-Interview.

BDI-Präsident Jürgen Thumann kritisiert die Komplexität der WTO-Verhandlungen. Foto: dpaLupe

BDI-Präsident Jürgen Thumann kritisiert die Komplexität der WTO-Verhandlungen. Foto: dpa

Handelsblatt: Hat sich die Europäische Union aus Sicht der Industrie richtig positioniert?

Jürgen Thumann: Wir unterstützen EU-Handelskommissar Peter Mandelson. Er setzt sich für einen verbesserten Marktzugang zu den rasch wachsenden Schwellenländern ein. Leider läuft bislang die Verhandlungsdynamik den Interessen der EU zuwider. Mandelson steht vor der enormen Aufgabe, diesen Trend umzukehren. Dafür braucht er starke Verbündete, wie zum Beispiel die USA und Japan.

Was oder wer ist denn das Haupthindernis für einen zu erreichenden Kompromiss?

Bislang weigern sich einige Schwellenländer, spürbare Marktzugangsverbesserungen für Industriegüter anzubieten. Verhandlungen erfordern jedoch Zugeständnisse von allen Seiten. Solange einige Hauptakteure die WTO-Runde als Einbahnstraße betrachten, darf es zu keiner Einigung kommen.

Wo ist die rote Linie - oder besser: Ab wann ist ein Kompromiss des Kompromisses willen aus Sicht der Industrie nicht mehr tragbar?

Entscheidend ist, dass wir einen verbesserten Zugang zu den rasch wachsenden Märkten der Schwellenländer erzielen. Außerdem muss das Verhandlungsergebnis für alle Industriebranchen per Saldo akzeptabel sein. Die WTO-Verhandlungen sind so komplex, dass man rote Linien nicht an einzelnen Parametern festmachen kann. Mandelson weiß aber genau, dass wir eine Einbahnstraßenliberalisierung nicht mittragen würden.

Was passiert, wenn es diese Woche bei der WTO keine Einigung gibt?

Das Ministertreffen ist auf absehbare Zeit wohl die letzte Chance, den Weg für den Abschluss der Verhandlungen frei zu machen. Scheitert das Ministertreffen, ist der nächste erfolgversprechende Anlauf nicht vor dem Jahr 2010 zu erwarten. Gerade in der jetzigen weltwirtschaftlichen Lage sollten die Mitglieder der WTO die Chance nutzen, positive Signale zu setzen. Eine ambitionierter Abschluss der Doha-Runde kann die Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft nachhaltig verbessern.

Die Fragen stellte Andreas Rinke.

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