Neuer Chef bei France Télécom: Breton wird Superminister in Paris

Neuer Chef bei France Télécom
Breton wird Superminister in Paris

Der wegen einer Wohnungsaffäre zurückgetretene Wirtschafts- und Finanzminister Hervé Gaymard wird vom France-Télécom-Chef Thierry Breton beerbt. Unterdessen hat der Telekommunikationskonzern auch einen Nachfolger für Breton.

HB PARIS. Staatspräsident Jacques Chirac ernannte den 50-jährigen erfahrenen Unternehmenssanierer und Getreuen am Freitagabend zum Nachfolger des massiv unter Druck geratenen und in Widersprüche verstrickten Gaymard (44). Bereits an diesem Montag übernimmt der Chef des Kommunikationsriesen das Superministerium, das sein Vorgänger nur drei Monate lang geleitet hatte. Breton war schon im November 2004 im Gespräch gewesen, wollte damals aber weiter daran arbeiten, seinen hochverschuldeten Konzern auf Vordermann zu bringen.

Breton hat sich als Spezialist für die Rettung angeschlagener Großunternehmen einen Namen gemacht. Der ehrgeizige Unternehmer war seit 1993 nacheinander damit beauftragt, die Konzerne Bull, Thompson Multimedia und dann France Télécom zu sanieren.

Zum neuen Chef von France Télécom ernannte der Verwaltungsrat am Sonntagabend den 63-jährigen Didier Lombard, der bereits seit 1967 in dem Unternehmen arbeitet und zuletzt der für Technologien zuständige Exekutivdirektor war. Seine Aufgabe wird es sein, die Sanierung des weiterhin stark verschuldeten Telekom-Unternehmens voranzutreiben.

Gaymard war in die Kritik geraten, weil er auf Kosten der Steuerzahler eine 600 Quadratmeter große Wohnung für monatlich 14 000 Euro bezogen hatte. Der Vertraute von Chirac besitzt eine 200 Quadratmeter große Wohnung in Paris, soll aber erklärt haben, keine eigene Bleibe in Paris zu besitzen. Bekannt wurde, dass der Minister insgesamt drei Wohnungen und zwei Häuser im Land sein Eigen nennt.

Der Minister räumte Fehler ein, bestritt jedoch, den Besitz eines Appartement in einem „Paris-Match“-Interview geleugnet zu haben. Die Zeitschrift blieb bei ihrer Darstellung. Die satirische Wochenzeitung „Le Canard enchaîné“ hatte die Affäre ins Rollen gebracht und in zwei Ausgaben hintereinander Einzelheiten enthüllt.

Zwei von drei Franzosen fanden die Affäre nach einer Umfrage des IFOP-Instituts „schockierend“, die Hälfte der Befragten rechnete aber nicht mit Auswirkungen auf Premierminister Jean-Pierre Raffarin und die Regierung. Immerhin 59 Prozent der für das „Journal du Dimanche“ befragten Franzosen meinten, die Medien hätten die Wohnungsaffäre wohl übertrieben, und 51 Prozent hielten sie für nicht so wichtig.

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