Neuer chinesischer Staatsfonds
Eine Billion für Investitionen

China wird heute seinen neuen staatlichen Investmentfonds offiziell ins Leben rufen. Die mächtige Investmentgesellschaft soll vom früheren Vize-Finanzminister Lou Jiwei geführt werden, bestätigten Bankenkreise in Peking. Der Gigant löst weltweit Sorgen aus.

PEKING. In den chinesischen Medien wird spekuliert, dass der Fonds unter dem Namen China Investment Corp starten soll. China will seine Währungsreserven, die höchsten der Welt, über die neue Investmentgesellschaft global anlegen. Damit sollen die Währungsreserven diversifiziert und höhere Erträge erzielt werden. Bislang sind Chinas Reserven überwiegend in US-Staatsanleihen angelegt. Ende Juli betrugen die Währungsreserven knapp 1,4 Billionen Dollar. Nach einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley kommen jährlich rund 200 Mrd. Dollar dazu. Vor allem dieser Zuwachs soll in den neuen Staatsfonds fließen. Damit dürfte Chinas Investmentgesellschaft bereits im Jahr 2011 mit einem Kapital von einer Billion Dollar ausgestattet sein.

Über so viel Kapital verfügt bislang kein Fonds der Welt, sagt Jerry Lou, Analyst bei Morgan Stanley in Hongkong. Das hat bereits in anderen Ländern Sorgen ausgelöst. So wird in Deutschland befürchtet, dass aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Russland eine zu starke Kontrolle über europäische Firmen gewinnen könnten.

Zum Beispiel hat China seinen Anteil bei der britischen Barclays Bank gerade auf fünf Prozent aufgestockt, sagte der Aufsichtsratschef von Barclays Capital, Hans-Jörg Rudloff, in Berlin. Die Beteiligungen seien „in den letzten acht Wochen“ erfolgt. Ende Juli war bekannt geworden, dass die China Development Bank für 2,2 Mrd. Euro 3,1 Prozent an Barclays gekauft hatte.

Zuvor hatte der bisherige Investmentarm der chinesischen Regierung, Central Huijin, für 3 Mrd. Dollar 9,9 Prozent an der Private-Equity-Firma Blackstone erworben. Diese Beispiele zeigen, dass Staatsfonds nicht nur direkt Anteile an westlichen Firmen kaufen, sondern sich auch über Anteile an Hedge Fonds und Private Equity-Firmen ein Netz indirekter Beteiligungen weben. Weltweit, so schätzt Morgan Stanley, stecken momentan fast 2,5 Billionen Dollar in ähnlichen Staatsfonds. Diese Summe werde sich bis 2010 verdoppeln.

Chinas Staatsfonds werde dabei eine wesentliche Rolle spielen und „ein neues Kapitel in der Globalisierung der Finanzmärkte aufschlagen“, ist Analyst Lou überzeugt. Als Folge werde nun auch an den Finanzmärkten der Protektionismus zunehmen.

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