Neuer EZB-Chef
Die Zinssorgen des Mario Draghi

Der neue EZB-Chef Mario Draghi steht vor enormen Herausforderungen. Während die Politik gegen ihre Schulden ankämpft, soll Draghi für Währungsstabilität sorgen. Noch hält der Taktiker sich mit einer Zinssenkung zurück.
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Berlin/FrankfurtPremiere für den neuen EZB-Präsidenten: Am Donnerstag kommt die Europäische Zentralbank in Frankfurt erstmals unter ihrem neuen Chef Mario Draghi zu einer Ratssitzung zusammen. Doch die Zinswende wird der Italiener nach Ansicht von Experten bei seinem ersten Auftritt als Nachfolger von Jean-Claude Trichet noch nicht wagen.

Gegen eine Zinssenkung spricht trotz der Konjunktursorgen in der Euro-Zone, dass der Preisdruck noch immer hoch ist.

Zudem dürfte Draghi kein Interesse daran haben, sich auf der allerersten Sitzung unter seiner Regie sogleich den Ruf einer wenig stabilitätsorientierten „Zinstaube“ zu erwerben. Fachleute erwarten daher, dass Draghi zunächst nahtlos an den Kurs seines französischen Vorgängers anknüpfen wird, der sich nach acht Jahren an der Spitze der EZB in den Ruhestand verabschiedet.

Unter dessen Leitung war zuletzt im EZB-Führungsgremium eine geldpolitische Lockerung diskutiert, aber nicht beschlossen worden: „Der EZB-Rat dürfte auch auf seiner kommenden Sitzung noch keine Entscheidung für oder gegen eine Zinssenkung treffen, so dass auch die Wortwahl Draghis auf der Pressekonferenz der Trichets von Anfang Oktober ähneln dürfte“, meint EZB-Kenner Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Somit dürfte auch Draghi mit bewährten Signalwörtern zur Erläuterung des weiteren Kurses operieren. So könnte der neue Präsident einerseits die „hohe Unsicherheit“ und die „verstärkten Abwärtsrisiken“ für den Wirtschaftsausblick betonen, andererseits aber auch die niedrigen Zinsen und die „weitgehend ausgewogenen Risiken für die Preisentwicklung“ hervorheben. Damit könnte sich Draghi eine Hintertür für eine Zinssenkung offenhalten, ohne sich indes stärker festzulegen.

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Experten trauen Draghi Zinswende noch nicht zu

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  • Das einfachste die Leute aus den Zockerpapieren raus zu holen ist, für eine angemessene Verzinsung für den Konsumverzicht zu sorgen.

    Für wahr, die ganze Altersvorsorge ist doch unsinnig, wenn der Wert des zurückgelegten Geldes nicht erhalten bleibt.

    In der Tat sieht es so aus, dass die Zinsen unten bleiben müssen, um die maroden Schuldner(-staaten) am Leben zu erhalten.

    Dass sich der Kreditzins für Unternehmen und Private von der EZB-Steuerung gelöst hat, kann jeder bei seiner Bank selbst feststellen.

  • Die Inflation steigt bedrohlich. Draghi darf deshalb nicht nur an keine Zinssenkung denken; er muss im Gegenteil das Geld verknappen und die Zinsen der EZB deutlich erhöhen!

  • Die EZB arbeitet genauso wie die FED mit der Enteignung der Buerger. Jeder Zins unter (der ohnehin geschoenten) Inflationsrate ist Enteignung. Da sollte auch mal Frau Merkel eine Stellungnahme dazu abgeben, dass die Sparer Geld an die Banken geben und dafuer praktisch noch bezahlen muessen. Abartiger kann Kapitalismus ja kaum mehr sein. Erzwungene Geldgeschenke an die Finanzwirtschaft. Und die Politik weiss davon nix ;-)

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