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Neuer EZB-Chef: Mario Draghi, bitte übernehmen Sie!

Der neue Chef der Europäischen Zentralbank ist Pragmatiker, aber kein Stabilitätspolitiker deutschen Schlages. Mit dem Kauf von Staatsanleihen durch die EZB hat er kein Problem – was in Deutschland für Skepsis sorgt.

Auf Mario Draghi kommen aufregende Monate und Jahre zu. Quelle: dapd
Auf Mario Draghi kommen aufregende Monate und Jahre zu. Quelle: dapd

Es war sein letzter Tag an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Und Jean-Claude Trichet verbrachte ihn damit, den Märkten Interpretationshilfe für seinen Nachfolger Mario Draghi zu geben. Der Italiener, der heute sein Amt an der EZB-Spitze antritt, hatte sich dafür ausgesprochen, die „unkonventionellen Maßnahmen der EZB so lange weiterzuführen, wie nötig.“ Die Märkte verstanden darunter die Fortführung des Aufkaufs von Staatsanleihen durch die EZB.

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Trichet sah sich genötigt, zu erklären, was sein Nachfolger wirklich gemeint haben könnte. Jüngste Äußerungen Draghis seien vom Finanzmarkt „nicht richtig verstanden worden“, sagte Trichet der Nachrichtenagentur Reuters. Tatsächlich hatte Draghi konkret nur die großzügige Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken und die Neuauflage des Pfandbrief-Aufkaufprogramms genannt. Trotzdem wirft Trichets „Nachhilfe“ einen Schatten auf Draghis Start in Frankfurt. Denn die Kommunikation mit den Märkten gehört zur Schlüsselqualifikation von Notenbankpräsidenten.

Infografik Die Spitzenköpfe der EZB

Mario Draghi hat den Posten des EZB-Präsidenten von Jean-Claude Trichet übernommen - und die Führungsspitze der Zentralbank umgebaut. Unsere Infografik zeigt die Besetzung des Direktoriums seit 1998.

Infografik: Die Spitzenköpfe der EZB

Klar ist überdies, dass der neue EZB-Chef keine Schonzeit eingeräumt bekommt. Schon in zwei Tage muss Draghi die Sitzung des 23-köpfigen EZB-Rats leiten, bei der es wieder einmal hoch her gehen wird. Soll die EZB ihr kräftig zurückgefahrenen Käufe von Staatsanleihen wieder hochfahren, wie das Italiens Premier Silvio Berlusconi gerne hätte. Oders soll die EZB die Staatsanleihenkäufe beenden, wie es die deutschen Vertreter im EZB-Rat und deren Verbündete fordern? Und soll die EZB umgehend den Leitzins von 1,50 Prozent senken, um Rezessionsgefahren einzudämmen? Oder würde ein solcher Schritt das Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber der Notenbank und ihrem neuen italienischen Präsidenten nur noch verstärken?

  • 08.11.2011, 13:54 UhrAnonymer Benutzer: Hannes22

    Alle hier sind sich einig, dass es falsch ist, wenn die EZB Staatsanleihen aufkauft. Keiner sagt, was stattdessen richtig wäre.

    Fakt ist doch, das gegenwärtig von Italien 6,5% Zinsen zu zahlen sind und in den nächsten Monaten über 400 Mia. refinanziert werden müssen. Das soll möglich sein mit diesen Zinssätzen? Das kann ich nicht glauben.

    Was also ist die Alternative, etwa sparen? Da steht erst mal Berlusconi im Weg. Einnahmen, also Steuern drastisch erhöhen, welcher Premier sollte das wohl politisch überleben.

    Wer sich gegen Anleihenkäufe durch die EZB ausspricht, der verkündet m. E. gleichzeitig, dass er für die Abschaffung des Euro plädiert.

  • 03.11.2011, 23:35 UhrAnonymer Benutzer: Rainer_J

    Dracula ist der Super-GAU!

    Ein Italiener, der die deutschen Ersparnisse inflationiert.

    Aus Stammtischgerede (vor der Euroeinführung), ist leider alptraumartige Wahrheit geworden!

    Die Stammtische hatten leider recht.

  • 03.11.2011, 17:39 UhrAnonymer Benutzer: Mazi

    Hat die Politik überhaupt eine Informationslage, auf der sie agieren kann?

    Hat man einen solchen Status überhaupt schon einmal eingefordert? Normalerweise hätten alle Abgeordnete vor ihren Abstimmungen einen solchen einfordern müssen, um überhaupt eine eigene Entscheidung begründen zu können. Oder geht man dort schon davon aus, dass der Euro nur noch Spielgeld, alles nur statistisch ist?

    Der Eindruck drängt sich auf.

    Das wäre bedauerlich, aber den Eindruck hat man, wenn man bedenkt um welche Summen es sich hier handelt und offensichtlich keiner weiß über was er abstimmt.

    Es ist auch nicht vorstellbar, dass sich die Kanzlerin keinen Rat bei Axel Weber und Jürgen Stark eingeholt hat. Sie feiert offensichtlich lieber Geburtstag mit Herrn Ackermann.

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