Neuer Fernsehauftritt
Susanne Osthoff leidet

Die Zeit der Gefangenschaft im Irak lässt Susanne Osthoff nicht los: Die Ende letzten Jahres entführte deutsche Archäologin hat nach eigenen Worten noch Ängste. Auch die Geiselhaft der beiden deutschen Ingenieure habe sie belastet. Im ZDF klagte Osthoff erneut ihr Leid.

HB HAMBURG. In der ZDF-Sendung „Johannes B. Kerner“ berichtete die 44-Jährige am Donnerstagabend über Ängste im Straßenverkehr, Schlafstörungen und immer wiederkehrende Erinnerungen. Erleichtert zeigte sich Osthoff über die Freilassung der beiden nach ihr entführten Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke. Sie gab zu erkennen, dass sie auch in dem Fall mitgefiebert hat.

„Ich habe ständig darauf gewartet und immer die Nachrichten verfolgt“, sagte Osthoff. Sie sei gerade mit anderen Archäologen in Marburg gewesen, als sie der ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner aus Teheran angerufen und von der Freilassung der beiden Männer aus Sachsen informiert habe. Schon unmittelbar nach Bekanntwerden der neuen Geiselnahmen habe sie sich selbst beim Krisenstab gemeldet und Bereitschaft zur Mithilfe erklärt.

Auf die Frage, ob sie in den 99 Tagen an ihre eigene Entführung gedacht habe, antwortete die Exgeisel wörtlich: „Das kommt immer wieder. Ich habe teilweise stündlich - auch oft nachts, weil ich die Nachrichten aus dem Irak verfolge - noch auf Balkon Zigaretten geraucht. Ich habe immer an die Leute gedacht. Das verfolgt einen natürlich.“ Man denke dann natürlich dran, „in welcher fürchterlichen Lage die Leute sind. Man durchlebt es natürlich.“ So habe sie sich immer wieder ihre eigene Situation in der Geiselhaft vom 25. November bis 18. Dezember letzten Jahres vorgestellt. Als großen Vorteil habe sie seinerzeit empfunden, dass sie Arabisch spricht und selbst Muslimin ist.

„Das war für mich eine große Rettung“, sagte Osthoff. „Aber man denkt natürlich, es ist für die Leute sehr schlimm. Die sind ja restlos ausgeliefert.“ Nach ihren Angaben war die deutsche Archäologin im Februar noch einmal im Irak, weil sie dort noch etwas zu erledigen hatte. „Da war auch natürlich die Deutsche Botschaft informiert. Ich war völlig abgesichert. Das war vorher völlig geplant. Nur leider hat eine Journalistin rumgeschnüffelt und dachte, sie muss diese News in den News-Ticker setzen“, sagte Osthoff.

In Deutschland keinen festen Wohnsitz

Nachdem sie schon vor der Entführung jahrelang in arabischen Ländern gelebt hatte, habe sie in Deutschland jetzt keinen festen Wohnsitz. Mit ihrem Bekanntheitsgrad und der Voreingenommenheit vieler gegen ihre Person sei es auch nicht gerade leicht, ein Zimmer zu mieten. „Meine Bewegungsfreiheit in Deutschland ist nicht sehr groß. Und deswegen ziehe ich es halt vor, mich in den Ländern aufzuhalten, wo ich willkommen bin und die Leute mich jetzt nicht als Verbrecher ansehen“, sagte Osthoff.

Ein normales Leben sei ihr überhaupt noch nicht möglich. „Und das sitzt einem ziemlich in den Knochen“, fuhr sie fort. Die Archäologin äußerte die Hoffnung, dass die jetzt freigelassenen Ingenieure eine gute Betreuung hätten. „Wenn man raus kommt, hat man das Erlebnis des totalen Kontrollverlustes. Man steht wieder vor einem neuen Anfang“, sagte sie. So habe sie nach der Freilassung lange kein Auto fahren können. „Wenn sich jetzt hinter mir ein Auto nähert, dann kommt dieselbe Angstsituation. Dass jetzt halt jemand kommt und einen aus dem Auto rauszerrt. Das kann man nicht stoppen.“ Und nachts könne sie oft nicht schlafen. „Man durchlebt es immer wieder“, beklagte Osthoff.

Im Übrigen wisse sie nicht, ob für ihre Freilassung Lösegeld gezahlt worden ist. Und für den Bundesnachrichtendienst habe sie entgegen anders lautender Meldungen nie gearbeitet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%