Neuer Generalsekretär
Rasmussen geht auf Russland zu

Der neue Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat von den 28 Alliierten mehr Einsatz in Afghanistan gefordert. Er stimmte die Nato auf eine langfristige Präsenz in Afghanistan ein. Zugleich kündigte er neue Initiativen an.

BRÜSSEL. Er wolle auf Russland zugehen und den 1994 gegründeten Mittelmeerdialog mit den islamischen Ländern ausbauen, sagte Rasmussen auf seiner ersten Pressekonferenz im Hauptquartier der Nato in Brüssel. Das Atlantische Bündnis müsse effizienter werden und sich zu einem "Pfeiler der globalen Sicherheit" entwickeln, forderte der 56-jährige Däne.

Rasmussen löst den 61-jährigen Niederländer Jaap de Hoop Scheffer ab, der die Allianz seit 2004 geführt hatte; er war im April beim Nato-Gipfel in Straßburg ernannt worden. Für Rasmussen hatten sich Deutschland und Frankreich, später auch die USA ausgesprochen. Die Türkei hatte den früheren dänischen Premier zunächst wegen des Streits über die Mohammed-Karikaturen abgelehnt. Sie hatte ihren Widerstand auf Drängen von US-Präsident Barack Obama aber aufgegeben.

Rasmussen bemühte sich, den Wirbel um seine Person vergessen zu machen. Der Karikaturen-Streit gehöre der Vergangenheit an: "Ich will nach vorn blicken." Für die nächsten Jahre nannte Rasmussen drei Prioritäten: Die Stabilisierung Afghanistans, die Annäherung an Russland und die Aussöhnung mit den muslimischen Ländern. Noch im August werde er sich mit Botschaftern der Mittelmeerländer treffen.

Neue Töne schlug Rasmussen vor allem im Verhältnis zu Russland an. Während seiner vierjährigen Amtszeit wolle er eine "echte strategische Partnerschaft" mit der Regierung in Moskau aufbauen. Zwar gebe es ernste Meinungsverschiedenheiten etwa in der Georgien-Frage. Der Streit über Georgiens abtrünnige Provinzen Abchasien und Südossetien werde die Beziehungen zu Moskau weiter belasten, sagte Rasmussen: "Ich bin kein Träumer." Dennoch wolle er versuchen, gemeinsame Interessen in den Vordergrund zu stellen und die Kooperation auszubauen.

Als Beispiele nannte Rasmussen die Stabilisierung Afghanistans, den Kampf gegen Terrorismus und das Vorgehen gegen Piraten. Auch bei der Abrüstung könne man mit Moskau zusammenarbeiten. Vor zwei Wochen hatten US-Präsident Obama und der russische Staatschef Dimitrij Medwedjew neue Abrüstungsverhandlungen vereinbart. Daran will der neue Nato-Chef anknüpfen. Die Nato sei "nicht gegen Russland gerichtet", sagte er. "Wir haben gemeinsame Sicherheitsinteressen, darauf können wir aufbauen."

Neue Akzente setzte Rasmussen auch in Afghanistan. Noch während seiner Amtszeit müsse die Regierung in Kabul die Führung bei der Stabilisierung des Landes übernehmen. Sein Ziel sei es, den afghanischen Sicherheitskräften nach und nach die Zuständigkeit für den Schutz vor den Taliban zu übertragen. Einen Zeitplan nannte Rasmussen nicht. "Wir werden Afghanistan so lange unterstützen wie nötig", betonte er. "Es gibt kein Wettrennen zum Ausgang."

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