Neuer Job
Falscher Doktor wird „angesehener Staatsmann“

Karl-Theodor zu Guttenberg soll sich einem Zeitungsbericht zufolge künftig pro bono um ein transatlantisches Dialogforum kümmern - an einem renommierten US-Think Tank. Der Ex-Minister ist dort in guter Gesellschaft.
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BerlinDer wegen eines Plagiatsskandals zurückgetretene Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat einem Bericht zufolge eine neue Aufgabe an einem der renommiertesten Politik-Institute in den USA gefunden. Guttenberg schließe sich dem in Washington ansässigen Forschungszentrum Center for Strategic and International Studies (CSIS) an und werde dort an der Spitze eines neuen transatlantischen Dialogforums stehen, berichtete die „Bild“-Zeitung (Donnerstagsausgabe).

Das auf Verteidigungspolitik spezialisierte CSIS begründe Guttenbergs Berufung mit dessen Leistungen bei der Reform der Bundeswehr und mit seinem langjährigen Einsatz für die transatlantischen Beziehungen. Ziel des neuen Dialogforums soll dem Bericht zufolge die Stärkung der transatlantischen Beziehungen sein. Insbesondere solle es darum gehen, Antworten auf die weltweiten Machtverschiebungen zu finden. Guttenberg wird dabei den Titel eines „Distinguished Statesman“ (herausragender Staatsmann) tragen und, wie „Spiegel Online“ berichtet, ehrenamtlich arbeiten.

Guttenberg wäre nach dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak 2002 nach Informationen der Nachrichtenagentur afp erst der zweite „Distinguished Statesman“, den das überparteiliche CSIS beruft. Auch sonst befindet sich der der Ex-Wirtschafts- und Verteidigungsminister an der US-Denkfabrik, die ihn im November 2009 schon einmal zu einem Vortrag eingeladen hatte, in guter Gesellschaft: Im Kuratorium sitzen dort zahlreiche ehemalige Größen der US-Politik wie etwa Ex-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger oder Ex-Minister und -CIA-Direktor James Schlesinger.

Der ehemalige CSU-Shootingstar war am 1. März wegen der Plagiatsaffäre um nicht gekennzeichnete Zitate in seiner Doktorarbeit von seinem Amt als Bundesverteidigungsminister zurückgetreten. Im Sommer zog die Familie in die USA um, wo sie Berichten zufolge in Connecticut eine Villa für rund drei Millionen Euro erworben haben soll.

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Hof wegen Urheberrechtsverletzungen durch die vielen abgeschriebenen Stellen in Guttenbergs Doktorarbeit. Ob es zu einer Anklage kommt, dürfte sich bald entscheiden. Einem Verfahren will sich Guttenberg in jedem Fall stellen.

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Guttenberg ist nicht der erste deutsche Exilant an einer US-Uni

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  • zu pschroed - und der bodenlosen Unreife. Ja, auch mir missfällt manche Äusserung. Dennoch kann ich darüber, dass Herr vuzG nur mal so ein(ein!) Fehler gemacht habe nur lächeln. Wenn er, wie es nun so aussieht, die Chance bekommt deren mehrere zu machen werden auch Sie noch dahinter kommen, was Sie da eigentlich verteidigen.
    Sorry, mancher braucht eben etwas länger!

  • Also ich hatte an sich nichts gegen Guttenberg.

    Auch dass er die Doktorarbeit möglicherweise gekauft hat,
    oder sich stark erleichtert hat -
    ehrlich - wer kann ihm dafür so schrecklich böse sein,
    außer den armen Wissenschaftlern, die ihre Promotion tragischerweise ehrlich und selber verfasst haben.

    Aber Guttenberg hat ja keine akademische Karriere verfolgt - oder? Nur rasch den Doktortitel abhaken - und dann Karriere.

    Ich könnte das ohne zu zucken öffentlich zugeben.

    "Hey - ja - hab ich gemacht, um nach oben zu kommen.
    Aber JETZT geht's mir um unser Land und die Armee ... "

    Keiner seiner Bewunderer hätte es ihm lange übel genommen.

    Aber das kann er nicht. Karrieregeil und feige. Noch nicht mal Monate nach dem erwischt werden, kann er nicht sagen: JA - ich hab aus Eigennutz bei der Promotion abgekürzt. Statt dessen spielt der die gekränkte Unschuld wie 'n Fünfjähriger.

    Erst DADURCH hab ich jeden Respekt vor dem Typen verloren.

  • unbestreitbar ist: Karl Theodor hat betrogen.
    gelogen wohl nicht, denn "ich bin mir keiner plagiate bewußt" steht wohl für: meine arbeit wurde nicht von mir geschrieben.
    Fakt ist leider auch hier: geld entscheidet über ansehen und gerechtigkeit. sei es vor gericht oder in der gesellschaft.
    ganz sicher schwingt auch etwas verägerung oder neid mit, dass die verhältnisse so sind. das ist legitim und nachvollziehbar. und es entspricht dem gesunden gefühl und menschenverstand.
    selbst ein graf lambsdorff konnte aufgrund seiner abstammung bleiben wo er war und dem "volk" erklären was recht und ordnung ist.
    ganz sicher hat jeder das recht auf integration. nur ist es wie vor hundert jahren und davor, dass geld und herkunft einige eben "gleicher" erscheinen lassen.
    und hier ein klares pfui.
    ein rechtsstaat und eine gesellschaft ist nur so gut, wie auch der kleinste die gleichen rechte hat wie die großen.
    doch das gibt es vielleicht nur im "Nimmerland" :-)

    LG L.Birdy

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