Neuer Kurs
Washington sucht Dialog mit China

Die US-Regierung schlägt gegenüber China in Wirtschaftsfragen neue Töne an. Vertreter beider Länder wollen sich künftig zweimal im Jahr zu Gesprächen über Handels- und Währungsthemen treffen, wie der neue US-Finanzminister Henry Paulson am gestrigen Mittwoch bei seinem Antrittsbesuch in Peking bekannt gab. Das erste Übereinkommen dieser Art zwischen den beiden Wirtschaftsmächten bedeutet vor allem für die Regierung in Washington einen Kurswechsel.

PEKING. In den vergangenen Jahren hatten die USA die chinesische Führung immer wieder der Währungsmanipulation bezichtigt und mit Sanktionen gedroht. China drücke den Kurs der chinesischen Währung Yuan künstlich, um sich Exportvorteile zu verschaffen, lautete der Vorwurf. Erst vor wenigen Tagen hatten Amerikaner und Europäer auf der Jahreskonferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Singapur erneut ihren Unmut über Chinas Wechselkurssystem geäußert.

Allerdings hatte Paulson schon vor seiner Ankunft in Peking die Forderung nach einer schnellen Yuan-Aufwertung zurückgewiesen: „Wir sind in der Verantwortung, unsere Probleme in einer vernünftigen und kreativen Art zu lösen“, wiederholte der US-Minister am Mittwoch vor Journalisten. Der erste Wirtschaftsdialog zwischen beiden Ländern solle noch vor Ende des Jahres stattfinden. Das Gespräch werde „auf hoher Ebene“ geführt, hieß es nach dem Treffen von Paulson und der chinesischen Vize-Premierministerin Wu Yi, die die chinesische Seite vertreten soll. Der Dialog sei bereits im August von US-Präsident George W. Bush und Chinas Staatschef Hu Jintao vereinbart worden.

Paulson kann damit nach Ansicht von politischen Beobachtern zum Baumeister eines neuen amerikanisch-chinesischen Brückenschlags werden. Der ehemalige Topmanager, der in den vergangenen sieben Jahren fast monatlich in China war und dort große Investmentgeschäfte eingefädelt hat, kenne die Volksrepublik sehr gut, lobt Zhu Jianfang, Volkswirt bei China Securities Research. „Er dürfte es schaffen, mit den chinesischen Verhandlungspartnern eine Ebene zu finden.“

Paulsons Vorgänger John Snow hatte in der Währungsfrage meist einen harten Ton angeschlagen, US-Senatoren hatten sich darüber hinaus immer wieder für Strafzölle eingesetzt. Der neue US-Finanzminister setzt dagegen nach seinen eigenen Worten auf einen konstruktiven Dialog: „Ich stimme im Grundsatz zu, dass der Yuan unterbewertet ist“, sagte Paulson in Peking. „Aber ich trete nicht für protektionistische Gesetze ein.“

Entsprechend freundlich wurde Amerikas oberster Finanzhüter in Peking empfangen. Vize-Premier Wu nannte ihn einen „alten Freund Chinas“. Kaum jemand verstehe das Reich der Mitte so gut wie Paulson. Der US-Finanzminister trifft bei seinem Besuch viele wichtige Minister und wird am Freitag sogar von Staatschef Hu empfangen, was als ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit gewertet wird.

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