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Neuer Prozess gegen US-Soldatin Lynndie England

dpa WASHINGTON. Knapp zwei Jahre nach den Gefangenenmisshandlungen im US-Militärgefängnis von Abu Ghoreib bei Bagdad hat ein neuer Prozess gegen die US-Soldatin Lynndie England begonnen. Zum Auftakt des Militärverfahrens am Mittwoch in Fort Hood (Texas) wurde eine fünfköpfige Geschworenenjury aus Offizieren gewählt.

Danach hielt Ankläger Steven Neill sein Eröffnungsplädoyer. Bereits am Donnerstag sollte mit den Zeugenvernehmungen begonnen werden.

Die heute 22-jährige England wurde zur Symbolfigur des Skandals von Abu Ghoreib. Ende 2003 aufgenommene Fotos der US-Soldatin mit misshandelten und gedemütigten Irakern lösten weltweit Empörung aus. In einem Fall führte sie einen kriechenden Gefangenen an einer Hundeleine.

Nachdem ein erster Militärprozess gegen sie im Mai geplatzt war, wurde sie in sieben Punkten wegen Konspiration und Gefangenenmisshandlung neu angeklagt. Im Falle einer Verurteilung in allen Anklagepunkten drohen ihr bis zu elf Jahre Haft. England ist die letzte aus einer Gruppe von sieben US-Militärpolizisten, die sich in der Folge des Abu-Ghoreib-Skandals vor dem Militärgericht verantworten mussten.

Im ersten Verfahren hatte die junge Frau aus dem US-Bundesstaat West Virginia eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft getroffen, die im Gegenzug zu einem Schuldbekenntnis eine weitaus geringere Strafe vorsah, als ihr nun droht. Der zuständige Richter hatte die Absprache aber nicht akzeptiert: Er argumentierte, dass das Schuldbekenntnis nicht aufrichtig sei. Daraufhin wurde die Vereinbarung für nichtig erklärt und erneut Anklage erhoben.

Zeugen der Verteidigung hatten in dem ersten Verfahren argumentiert, England habe Befehle von Vorgesetzten befolgt. Die Soldatin selbst ließ damals wiederholt indirekt durchblicken, dass sie sich eigentlich nicht schuldig fühlt.

Im jetzt beginnenden Prozess will die Verteidigung unter anderem argumentieren, dass Englands Verhalten zum Teil auf psychische Probleme seit ihrer Kindheit zurückzuführen ist und sie unter dem Einfluss ihres Kameraden Charles Graner stand, mit dem sie eine Affäre hatte. Graner war im Januar im Zusammenhang mit den Misshandlungen zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.

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