Neuer Sanierungsplan Zypern stimmt Teilen von Rettungsplan zu

Fieberhaft bemüht sich Zypern um eine Lösung des Streits um Finanzhilfen. Das Parlament billigte ein Gesetz zur Restrukturierung des angeschlagenen Bankensektors und weitere Teile des Sparpakets.
Update: 22.03.2013 - 23:21 Uhr 34 Kommentare
Proteste vor dem Parlament in Nikosia: Die Parlamentarier wollen erneut abstimmen. Quelle: ap

Proteste vor dem Parlament in Nikosia: Die Parlamentarier wollen erneut abstimmen.

(Foto: ap)

Düsseldorf/NikosiaDas Parlament in Zypern hat am Freitagabend ein Gesetz zur Restrukturierung des angeschlagenen Bankensektors des Landes beschlossen. Zuvor hatten die Abgeordneten bereits einem Nationalen Solidaritätsfonds zugestimmt und ein Kapitalkontrollgesetz verabschiedet, um einen massiven Abzug von Kapital von der Insel zu verhindern. Nach der Abstimmung wurde die Sitzung unterbrochen. Das Votum über weitere Maßnahmen, darunter die umstrittene Zwangsabgabe für Bankeinlagen stand noch aus. Später am Freitagabend sollte auch die Spaltung einer der großen Banken (Laiki Bank) gebilligt werden. Am morgigen Samstag steht der wichtigste Teil des Rettungspakets auf dem Programm. Er sieht die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen vor. Das ist auch die wichtigste Voraussetzung für weitere Hilfen aus der EU.

So strapaziert Zypern weiterhin Europas Nerven. Ohne einen akzeptablen Sanierungsplan in Nikosia rückt die erste Staatspleite eines Euro-Landes in bedrohliche Nähe. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rügte den kleinen Mittelmeer-Staat am Freitag in scharfer Form. Eine Verstaatlichung der zyprischen Pensionskassen werde Europa nicht dulden. Zypern wollte die eigentlich schon gescheiterte Zwangsabgabe für Bankguthaben nun doch wieder einführen.

Nach jüngsten Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums sollen Geldeinlagen von mehr als 100.000 Euro mit bis zu 15 Prozent belastet werden. Zuvor war von sieben Prozent die Rede. Guthaben unter dieser Grenze sollen nicht betroffen sein. Die Vertreter der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hätten dies mit Staatspräsident Nikos Anastasiadis erörtert. Es ist eine der wichtigsten Forderungen der Euro-Gruppe für weitere Hilfen für die Inselrepublik.

Nach Informationen von Handelsblatt Online aus Verhandlungskreisen wird eine Paketlösung als Beitrag des zyprischen Bankensektors geprüft. So soll der Finanzbedarf des Landes durch die geplante Abwicklung eines Teils der Laiki-Bank (Popular Bank) gesenkt werden.

Der Rest soll über eine Zwangsabgabe auf Einlagen bei den übrigen zyprischen Banken zusammenkommen. Diese Abgabe könnte dann deutlich moderater ausfallen, als es die Einigung der Euro-Finanzminister vor einer Woche vorsah.

Die Kontoinhaber bei der Laiki Bank müssten in dem Modell allerdings einen höheren Beitrag leisten, hieß es. Bei der Aufspaltung der zweitgrößten zyprischen Bank würden Guthaben über 100.000 Euro in eine „Bad Bank“ überführt. Wie viel die Kunden davon später einmal zurückerhalten, ist unklar.

Nach Informationen von Handelsblatt Online sind bei den Gesprächen mit der Troika allerdings schon wieder neue Probleme aufgetaucht. Die Wirtschaftslage werde mittlerweile schlechter eingeschätzt. Das führe wiederum zu einem höheren Finanzbedarf des Landes, hieß es in den Verhandlungskreisen. Die Wirtschaft dürfte durch das derzeitige Chaos bei der Rettung und die lange Schließung der Banken leiden.

Anastasiadis bereitete die Bevölkerung auf „schmerzhafte“ Schritte vor. „Das Parlament wird bald gebeten werden, schwierige Entscheidungen zu treffen“, twitterte der Präsident. „Einige Aspekte werden schmerzhaft sein, aber das Land muss gerettet werden“.

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34 Kommentare zu "Neuer Sanierungsplan: Zypern stimmt Teilen von Rettungsplan zu"

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  • Eine soeben wieder aktualisierte Meldung:

    Wie das Staatsfernsehen berichtete, soll die Zwangsabgabe gewaltig sein für Spareinlagen über 100 000 Euro. Die Belastung soll zwischen 22 und 25 Prozent liegen. Sie betrifft jedoch nur die größte Bank Zyperns, die Cyprus Bank, wo die meisten Ausländer ihre Gelder geparkt haben, wie es hieß.
    Zuletzt war von 15 und davor von 7 Prozent Belastung die Rede.

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Zypern-macht-ersten-Rettungsschritt-article10350311.html

    Darüber wird erst heute abgestimmt.

  • @ Rechner

    Neueste Überlegungen von der Insel:

    Laut Fernsehberichten ist zur Vermeidung des Staatsbankrotts Zyperns eine Zwangsabgabe von 15 Prozent auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro im Gespräch. In Parteikreisen hieß es, erwogen werde unter anderem aber auch, nur die größten Einlagen bei der größten Bank, der Bank of Cyprus, mit einer 20-prozentigen Abgabe zu belegen.

    Die zyprischen Banken verwalten rund 68 Mrd. Euro an Einlagen, davon 38 Mrd. auf Konten, auf denen mehr als 100.000 Euro liegen. Viele der größten Einlagen gehören Ausländern, insbesondere Russen.


    siehe:
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Zypern-macht-ersten-Rettungsschritt-article10350311.html

    Wenn die Russen nicht helfen wollen, dann zeigen wir es ihnen....

  • Apropos: Radikalisierung


    +++ 20.45 Uhr Griechische Neonazis demonstrieren vor deutscher Botschaft +++

    Etwa tausend Anhänger der griechischen Neonazi-Partei Chryssi Avghi ("Goldene Morgenröte") demonstrieren vor der deutschen Botschaft in Athen gegen den Umgang mit dem finanziell angeschlagenen Zypern. Sie tragen bei der Kundgebung Plakate mit Aufschriften wie "Deutschland raus" und "Merkel raus".
    Die meisten Teilnehmer erschienen mit rasierten Köpfen und in schwarzer Kleidung. Die Partei war im vergangenen Sommer erstmals ins griechische Parlament eingezogen und lehnt die internationalen Sparauflagen für Griechenland ab.

    Auch etwa 200 linke Demonstranten demonstrieren in der Innenstadt von Athen. Sie rufen Sprüche wie "Griechenland und Zypern - gemeinsam gegen den Euro".

  • @Rechner

    "Einen vernünftigen Menschen scheint es ja in Zypern zu geben. Was aber... leider nicht ausreichend ist..."

    Sieh es göttlich: "Wenn auch nur einer unter euch... blablabla."

    Gib ihm ne Chance.

  • Es geht noch etwas genauer:
    1. Hauptsache, der Euro sichert noch weiter das Fiat-Money Ponzi-Spiel für die europäische und internationale Hochfinanz
    2. Hauptsache, die Deutschen kapieren (noch) nicht, wie das "erfolgreiche deutsche Geschäftsmodell" tatsächlich aussieht:
    "Die Export-Erfolge Deutschlands zahlt der deutsche Steuerzahler selbst.
    Die Euro-Rettungsfonds wollen dies für vergangene Exporte verschleiern.
    Die Target2-Saldenfinanzierung stellt sicher, dass wir weiterhin (also zukünftig) für Nichts Waren an die Euro-Südländer liefern.
    Wenn der deutsche Bürger das kapiert, dann wird sich dessen geballte Wut gegen die politische Kaste und auch das sie tragende demokratische System richten."

    http://krisenfrei.wordpress.com/2012/03/24/wie-lange-noch-wollen-die-deutschen-von-ihrer-politmafia-abgezockt-werden/

  • @Rechner
    "Auch die Volkswirtschaften Luxemburgs und Malta haben parasitären Charakter, indem sie mit Steuer- und Regulierungsdumping unlauteren Wettbewerb betreiben."

    Und warum bist du dann (zumindest im Kern) immer noch für ein Europa mit einheitlicher Währung UND Transferzahlungen? Du erinnerst dich, das hattest du mir vor ein paar Wochen als Dauerszenario zugunsten eines dauerhaften Friedens ja vorgeschlagen. Jetzt rückst du von den Transferzahlungen schon ab (hier irgendwo in den ganzen Kommentaren von dir gelesen), immerhin. Frage mich nur, ob das auch funktioniert.

    OK, du möchtest diese "Parasiten" raushaben. Was ist mit Spanien, IT und FR? Auch "Parasiten" oder noch brauchbare "Partner?" Und wenn "Partner", wie lange noch?

    Wenn man beschimpft wird, sollte man die Party verlassen.

    Du zählst schon den countdown (3 Tage noch...). Ich zähl' mit und bin gespannt auf Draghis Handlung.

  • Kein Cent der 20 Mrd. oder was auch immer Kredit wird jemals wieder zurück kommen. Die Zyprioten mögen wenn es nicht um Geld geht nette Leute sein aber wirtschaftlich sind sie auf der Basarstufe stecken geblieben, verstehen die moderne Welt nicht und man muss sich ernsthaft fragen, ob sie geschäftsfähig sind. Was für einen kruden Deal die Zyprier auch imer aushecken, es ist so, als würde man einem Kleinkind den Kredit geben. Jeden Bundestagsabgeordneten der diesem Transfer unter dem betrügerischen Etikett "Kredit" zustimmt sollte man persönlich haftbar machen für diese Täuschung. Humanitäre oder besser Entwicklungshilfe ist ok - aber wie sagte schon Loriot: "Ich esse nichts unter falschem Namen!"

  • 'RATGEBER' sagt
    ------------------
    Ich rate allen Bürgern, die Bankkonten in den PIGS-Staaten haben: "Kauft massiv Gold und Silber und steckt es zu Hause in einen sicheren Safe. Ihr werdet 2 Mal gewinnen. Ihr werdet keine Bankkontenabgaben zahlen und die Preise der Edelmetalle warden emporschnellen, weil der Konfetti-Ramsch-EURO immer weniger wert sein wird."
    ------------------

    Der Konfetti-Ramsch-EURO?

    Mir scheint, Sie sind da falsch informiert:

    Im Januar 2013 war die Geldmenge M3 2,9% höher als im Januar 2012.

    Seit Januar 2010 steigt die Geldmenge M3 mit einer Jahresrate von durchschnittlich 1,3%.

    ...

    Im Februar betrug die Teuerungsrate gegenüber Februar 2012 1,8% (ganze Eurozone) bzw. 1,5% (Deutschland).

    ...

    2012 wurden 2700 Tonnen Gold produziert.

    Bei etwa 140.000 Tonnen Gold, die weltweit in Form von Barren, Münzen und Schmuck vorhanden sind entspricht das einem Goldmengenwachstum vom 1,9%.

    Da könnte man doch genauso gut von Konfetti-Ramsch-Gold sprechen.

    Oder etwa nicht?

  • Jetzt kennen wir endlich den Besoffenen.

  • @Waldi
    Sorry, galt nicht Ihrem Beitrag!

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