Neuer SEC-Chefermittler
Robert Khuzami: Scharfe Allzweckwaffe

Robert Khuzami hat schon Terroristen gejagt. Nun soll er als neuer Chefermittler bei der US-Börsenaufsicht SEC in den nächsten Kampf ziehen: Gegen Kapitalverbrecher vom Schlage eines Bernard Madoff, dessen Schneeballsystem einen Schaden von bis zu 50 Mrd. Dollar hinterließ.

NEW YORK. "Hier geht es um einen Krieg. Der Feind in diesem Krieg sind die Vereinigten Staaten von Amerika." Mit dieser leidenschaftlichen Anklage beginnt die steile Karriere des Robert S. Khuzami. Der junge New Yorker Strafverfolger und Terrorermittler ist Mitte der 90er-Jahre an führender Stelle dabei, als dem blinden ägyptischen Kleriker Omar Abdel-Rahman und neun Komplizen der Prozess gemacht wird. Sie sollen mehrere Anschläge auf New Yorker Wahrzeichen geplant haben, unter anderem auf das Hauptgebäude der Vereinten Nationen. Das Urteil für Abdel-Rahman: Lebenslange Haft wegen aufrührerischer Verschwörung.

15 Jahre später soll Khuzami in den nächsten Kampf ziehen: diesmal gegen Kapitalverbrecher vom Schlage eines Bernard Madoff, dessen Schneeballsystem die Finanzwelt narrte und bis zu 50 Mrd. Dollar Schaden hinterließ. Führenden US-Medien zufolge soll Khuzami die neue Speerspitze der ins Zwielicht geratenen Börsenaufsicht SEC werden. Der 52-Jährige habe die Position des obersten Verbrecherjägers angeboten bekommen und bereits akzeptiert, schreibt das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Die offizielle Ernennung soll in Kürze folgen. Pikant ist die Tatsache, dass Khuzami derzeit noch als Chefsyndikus der Deutschen Bank in New York arbeitet und damit im inneren Zirkel der Wall Street, die ein SEC-Polizist unabhängig zu überwachen hat.

Dabei will die Behörde mit dieser Personalie in erster Linie ein Signal setzen, dass die "Laissez-faire"-Strategie im Umgang mit Wirtschaftsverbrechen endgültig vorbei ist. Die neue SEC-Chefin Mary L. Schapiro, will die fast 4 000 Mitarbeiter umfassende Organisation vor allem mit frischem Führungspersonal aus ihrer schweren Sinn- und Vertrauenskrise führen. Man werde fortan "auf der Hut sein wie nie zuvor", sagte Schapiro bei ihrem Amtsantritt vor zwei Wochen. Linda Chatman Thomsen, die bisherige Chefin der Strafverfolgung, reichte vorgestern erwartungsgemäß ihren Rücktritt ein. Der 54-Jährigen wird vorgeworfen, zahlreiche Verfehlungen an der Wall Street nicht entdeckt und die Finanz- und Vertrauenskrise damit verschärft zu haben.

Seit bei der Aufarbeitung des Madoff-Skandals aufflog, dass die SEC im Vorfeld selbst auf konkrete Hinweise eines Schneeballsystems nicht reagiert hatte, war die unscheinbare Juristin an der Spitze der Strafverfolgung nicht mehr zu halten. Die Politik stellte ihr ein verheerendes Abschlusszeugnis aus: "Sie haben bei ihrer Aufgabe auf der ganzen Linie versagt", entfuhr es dem New Yorker Demokraten Gary Ackerman bei einer Anhörung. Wohlmeinende Kritiker halten Linda Thomsen immerhin zugute, dass sie unter einem Chairman Christopher Cox diente, der Regulierungsversuche im Keim erstickte. "Die Kernbotschaft der SEC-Spitze hieß doch in den vergangenen Jahren, sich bei der Strafverfolgung zurückzuhalten", sagte Barbara Roper vom Verbraucherschutz-Verband Consumer Federation of America.

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