Neuer Streit bei den US-Republikanern

Ein Muslim als Präsident?

Ein Muslim als US-Präsident? Diese Frage steht zwar gar nicht an, das hindert die Republikaner aber nicht, sich damit zu befassen. Auslöser war Ben Carson. Der bekommt nun Ärger – und Applaus.
Ben Carson stürzte seine Partei mit Äußerungen über die Legitimität eines muslimischen US-Präsidenten in einen Streit. Quelle: Reuters
Tiefreligiöser Kandidat

Ben Carson stürzte seine Partei mit Äußerungen über die Legitimität eines muslimischen US-Präsidenten in einen Streit.

(Foto: Reuters)

WashingtonEin Muslim kann und darf nach Ansicht des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ben Carson nicht US-Präsident werden. Ausgelöst von Interviews am Wochenende, nahmen die Republikaner einen heftigen Streit über dieses Thema mit in die neue Woche.

Der ehemalige Kinder-Neurochirurg Carson gehört in Umfragen zu den Führenden seiner Partei. Er sagte dem Sender NBC, er sehe den islamischen Glauben im Widerspruch zur US-Verfassung, ohne dies näher zu erläutern.

„Ich würde nicht dafür eintreten, dass wir einen Muslim mit der Führung unseres Landes betrauen“, sagte Carson. „Ich würde dem absolut nicht zustimmen.“

Am Sonntagabend legte der tief religiöse Carson im Interview mit „The Hill“ nach: Wer auch immer Präsident würde, solle den Eid auf die Bibel ablegen und nicht auf den Koran.

Die Äußerungen lösten heftige Reaktionen aus. In sozialen Medien und allen US-Morning-Shows am Montag stritten Befürworter mit Gegnern der Äußerungen.

Der Streit kann den Republikanern eigentlich nicht gelegen kommen, müssten sie doch zunächst ihr sehr großes Bewerberfeld sortieren und sich mit der in Umfragen weit führenden demokratischen Bewerberin Hillary Clinton beschäftigen.

Clinton konnte erstmals seit Wochen in Umfragen wieder zulegen. In einer CNN-Erhebung verbesserte sie sich von zuletzt 37 auf 42 Prozent Zustimmung und vergrößerte den Abstand zum zweitplatzierten Bernie Sanders.

Hintergrund des neuen Streits über das Thema Muslime im Präsidentenamt ist die seit Jahren schwelende Verschwörungstheorie, ob US-Präsident Barack Obama Muslim ist. Auch wenn das jeder Grundlage entbehrt, findet diese Debatte immer wieder ebenso großen Zuspruch wie die Zweifel daran, ob Obama tatsächlich US-Bürger ist.

Provokant, umstritten – US-Präsident?
„Nun nehmen wir uns Hillary Clinton vor“
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Der Weg für Donald Trump als Kandidat der Republikaner für die US-Präsidentenwahl im November ist so gut wie frei. Der Immobilienmogul siegte bei der Vorwahl im Bundesstaat Indiana am Dienstag haushoch und brachte seinen einzigen noch ernsthaften Rivalen Ted Cruz dazu, sich aus dem Rennen zurückzuziehen.

Ted Cruz gibt auf
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Es „gibt keinen Weg zum Sieg mehr“, räumte Ted Cruz, Senator aus Texas, am Dienstagabend ein. „Wir haben alles gegeben, aber die Wähler haben anders entschieden“, sagt der republikanische Präsidentschaftskandidat sichtlich bewegt. „Mit schwerem Herzen verkündige ich das Aus meiner Kampagne.“ Cruz hatte bei der Vorwahl nur 37 Prozent der Stimmen bekommen, Donald Trump dagegen 53 Prozent. Das Foto zeigt Cruz mit seiner Frau.

Trump muss nun die Republikaner hinter sich bringen
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Donald Trump muss nun die Partei hinter sich bringen, in der viele abgestoßen sind von seiner herrischer Art, seinen Ansichten über Frauen und seinen Vorschlägen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen und elf Millionen illegale Einwanderer abzuschieben. „Er ist derjenige, der uns vereinen muss“, erklärte der Republikaner Henry Barbour aus Mississippi. „Das ist jetzt seine Gelegenheit.“

Der umstrittene Milliardär bekam bereits Schützenhilfe
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Schützenhilfe bekam Trump bereits vom republikanischen Parteichef Reince Priebus (Foto). Trump werde der „voraussichtliche“ Präsidentschaftskandidat der Partei sein, twitterte Priebus am Dienstag. „Wir alle müssen zusammenstehen und uns darauf fokussieren, Hillary Clinton zu besiegen.“ Für Mittwochabend haben einige konservative Granden der Republikaner allerdings ein Treffen anberaumt, bei dem die Option geprüft werden soll, im Herbst einen dritten Kandidaten aufzubieten.

Trump kann sich nun auf Hillary Clinton einschießen
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Nachdem Trump keine parteiinternen Rivalen mehr hat, kann er sich nun auf den Schlagabtausch mit Hillary Clinton konzentrieren, auf die trotz einer Niederlage in Indiana die Kandidatur der Demokraten zuläuft. Der Milliardär sagte am Dienstag bereits an die Adresse von Clinton gerichtet: „Wir werden im November gewinnen - und wir werden hoch gewinnen.“

Das Clinton-Lager räumt Trump kaum Chancen ein
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Die Demokratin hat sich sehr abfällig über Donald Trump geäußert. „Der Kerl übertreibt so dermaßen. Er ist beleidigend, abscheulich, suchen Sie sich's aus!“, sagte sie. Clintons Wahlkampfmanager räumt Trump geringe Chancen im Rennen um die Präsidentschaftswahl ein: „Trump hat gezeigt, dass er zu spaltend ist und nicht das Temperament besitzt, unsere Nation und die freie Welt zu führen. Mit so viel auf dem Spiel, ist er ein zu großes Risiko.“ Das Foto zeigt Clinton bei einer Late-Night-Show mit dem Moderator Jimmy Fallon.

Wie Donald Trump seine Rivalin beleidigte
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Donald Trump sagte über Hillary Clinton mal, sie sei die „schlechteste Außenministerin aller Zeiten“ gewesen. Und: Sie sei „verzweifelt und traurig“. Jenseits von diffamierenden Äußerungen dürften drei große Themen den Wahlkampf bestimmen: die Zuwanderungspolitik, die Krankenversicherung und die militärische Rolle der USA in der Welt. In allen drei Fragen will Trump eine Kurskorrektur, während Clinton im Wesentlichen die Politik des demokratischen Präsidenten Barack Obama fortführen will. Auch die Wirtschaftslage in den USA treibt viele Wähler um, wie Befragungen in Indiana zeigten.

Am Wochenende hatte Donald Trump auf einer Wahlkampf-Veranstaltung abfällige Äußerungen eines Fragestellers über Muslime nicht zurückgewiesen. Unwidersprochen ließ er auch die falsche Behauptung, Obama sei selber muslimisch. Das brachte Trump auch Kritik republikanischer Gegenbewerber ein.

Die „Washington Post“ zitierte eine Gallup-Umfrage, wonach im Juni 38 Prozent der Befragten erklärt hatten, sie würden keinen muslimischen Präsidentschaftskandidaten unterstützen.

Trump führt nach einer jüngsten CNN/ORC-Umfrage weiter das Bewerberfeld an, aber sein Vorsprung ist geschrumpft. Die frühere Hewlett-Packard-CEO Carly Fiorina sprang auf Platz zwei.

  • dpa
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