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Neuer US-Präsident: Obama lässt alles möglich erscheinen

Seit dem Morgengrauen schien sich ganz Washington im Aufbruch zu befinden, aus allen Richtungen strömten die Menschen zur National Mall. Am Mittag hat das Warten in der Kälte ein Ende.

Der neue und der alte US-Präsident: Barack Obama (l.) hat das Amt von George W. Bush übernommen. Foto: Reuters Quelle: Reuters
Der neue und der alte US-Präsident: Barack Obama (l.) hat das Amt von George W. Bush übernommen. Foto: Reuters Quelle: Reuters

WASHINGTON. Für ein paar Momente stiehlt Michelle Obama dem mächtigsten Mann der Welt die Schau. In goldenem Kleid, passendem Mantel und grünen Schuhen bringt die Frau, die Barack Obama immer wieder als „den Fels in meinem Leben“ geehrt hatte, die sogenannte Lincoln-Bibel. Doch dann hebt Barack Obama mit ernster Miene seine rechte Hand, legte seine linke auf die Bibel und spricht die traditionelle Eidesformel – und die zwei Millionen Menschen vor dem Kapitol in Washington, ganz Amerika und die halbe Welt hängt an seinen Lippen.

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„Heute haben wir uns hier versammelt, weil wir uns für die Hoffnung und gegen die Angst entschieden haben, für die Einheit und gegen den Konflikt,“ ruft der neue amerikanische Präsident kraftvoll in die Welt hinaus – und überall sprießt die Hoffnung auf ein Ende der Bush-dominierten Eiszeit aus dem Boden.

„Wunderbar“, „genau richtig“, „endlich“ – so reagieren die Zuschauer auf die Rede. Viele empfanden die kaum verhüllte Kritik an der Amtsführung von Obamas Vorgängers George W. Bush als befreiend. Deutlicher als erwartet benennt der 44. Präsident der USA jene Dinge, die seiner Meinung nach korrigiert gehören – und in den vergangenen acht Jahren falsch gelaufen sind. Spontanen Applaus bekommt Obama, wenn er über Bushs Sicherheitspolitik spricht: „Wenn es um die Verteidigung unseres Landes geht, dann ist es falsch, dass es nur eine Wahl zwischen unserer Sicherheit und unseren Idealen gibt.“

Schon seit dem Morgengrauen schien sich ganz Washington im Aufbruch zu befinden, aus allen Richtungen strömten die Menschen zur National Mall, der Museums- und Monumentenmeile im Herzen der Hauptstadt, und ließen die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen über sich ergehen. Einen besonders langen Weg hat Jack hinter sich, um diesen besonderen Moment zu erleben. Aus Utah hat sich der Mormone aufgemacht, um dabei zu sein. „Ich habe erlebt, wie in Berlin die Mauer gebaut wurde, ich muss jetzt auch das miterleben“, sagt der 68-Jährige. Er fotografiert pausenlos. „Ich muss das hier festhalten, das glaubt mir sonst keiner.“ Von seinem Platz unterhalb des Kapitols blickt er auf ein Meer von Menschen, das sich bis zum Lincoln Memorial erstreckt. Kann Obama all die Aufgaben lösen, die vor ihm liegen? Jack hat keine Zweifel: „Zusammen mit all diesen Menschen: ja.“

Der erste schwarze Präsident Amerikas lässt seinen Fans wenig Zeit, im historischen Moment zu schwelgen. Schon nach wenigen Sätzen seiner Rede konfrontierte er die US-Bürger mit der katastrophalen Lage, in der sich vor allem ihre Wirtschaft befindet. Vor allem aber appelliert Obama an ihre Mitverantwortung, für ein besseres Amerika zu kämpfen: „Unsere Herausforderungen sind real, ernsthaft, und zahlreich. Wir werden sie nicht einfach und nicht in kurzer Zeit bewältigen. Aber Amerika weiß es, wir werden sie annehmen.“ Der Präsident geißelt Gier und Verantwortungslosigkeit der Entscheidungsträger: „Die Zeit, in der Sonderinteressen geschützt und unangenehme Entscheidungen verschoben wurden, ist vorbei. Beginnend mit dem heutigen Tag müssen wir uns aufrichten und selbst aus dem Dreck ziehen. Wir müssen beginnen, Amerika neu zu erschaffen.“ Obama verteidigt die Marktwirtschaft, aber droht striktere Kontrollen und höhere Lasten für die Reichen an.

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