Neuer Verteidigungsminister
Südkorea zeigt Stärke und setzt auf den Ex-General

Im Konflikt mit dem kommunistischen Bruderstaat setzt Südkoreas Präsident Lee Myung Bak auf die Erfahrung eines hochrangigen Militärs. Der frühere Generalstabschef Kim Kwan Jin wurde zum neuen Verteidigungsminister ernannt. Der Westen hofft, dass China seinen Verbündeten Nordkorea zügelt - aber Peking stellt sich stur.
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HB SEOUL. Der 61-Jährige Kim ersetzt als neuer südkoreanischer Verteidigungsminister den bisherigen Ressortchef Kim Tae Young, der am Vortag nach zunehmender Kritik an der militärischen Reaktion auf den Angriff zurückgetreten war. Der designierte Minister gelte als "typischer Soldat", der sich durch starke Führungskraft auszeichne, sagte ein Sprecher Lees. Südkoreanische Medien hatten zuvor berichtet, dass der Präsident seinen sicherheitspolitischen Berater Lee Hee Won auf den Posten des Verteidigungsministers berufen habe. Die Militärführung wurde von Abgeordneten und den Medien des Landes vorgeworfen, zu spät und zu lasch auf den Granatenbeschuss der Insel Yonpyong am Dienstag vor der Westküste reagiert zu haben. Bei dem Zwischenfall wurden vier Menschen getötet. Südkorea hatte das Feuer erwidert.

Unterdessen wächst der Druck auf China, seinen Einfluss auf das befreundete Regime zu nutzen. Doch statt sich in eine Front gegenüber Pjöngjang einzureihen, gibt sich China verärgert über die für Sonntag angekündigten Militärmanöver Südkoreas und der USA. Es herrschen deutliche Differenzen, was die richtige Reaktion auf die Spirale der Gewalt und Kriegsangst auf der koreanischen Halbinsel ist. Mit ihrer erkennbaren Zurückhaltung gegenüber dem exzentrischen Militärführer Kim Jong Il und seinen Provokationen isoliert sich die aufstrebende Großmacht China allerdings international immer weiter.

Es begann mit diplomatischen Irritationen. Aus nicht näher definierten "Termingründen" sagte Chinas Außenminister Yang Jiechi kurzfristig einen länger geplanten Besuch am Wochenende in Seoul ab. Über die Gründe für die "diplomatische Unhöflichkeit", wie es in Südkoreas Medien hieß, wurde heftig spekuliert. Einige Beobachter vermuten Rücksicht auf Pjöngjang, das eine Visite zum jetzigen Zeitpunkt als Parteinahme für Südkorea verstehen könnte. Auch Pekings Außenamtssprecher Hong Lei vermeidet jede Kritik am Militärschlag des Nordens und betont, "dass die streitenden Parteien unterschiedliche Darstellungen über die Ursache des Zwischenfalls haben".

Deutlicher noch ist Pekings Verstimmung über die Militärübung, zu der der atombetriebene Flugzeugträger USS George Washington von Japan unterwegs ist. "Wir äußern unsere Sorge", sagte Hong Lei über diese Machtdemonstration. China kritisiert seit langem die wiederholten Militärmanöver, die als eine der Ursachen für die Spannungen angesehen werden. Auch ist Missfallen über die harte Haltung von Südkoreas Präsident Lee Myung Bak erkennbar. "Es sieht so aus, als wenn Südkorea die Initiative ergreifen kann und sollte, um seine Politik gegenüber Nordkorea anzupassen", beendete die chinesische Zeitung "Global Times" einen Kommentar über die jetzt nötigen Schritte. "Die Frage ist nur: Wollen sie es auch tun?"

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