Neues Buch
Kissingers Gedanken zu China

Geschichte, Erinnerungen, Autobiografie: Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger schreibt in seinem neuen Buch über China. Dabei offenbart er eine ganz neue Sicht auf die kommunistische Großmacht.
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WashingtonWenn sich Chinesen im Spiel mit einem Gegner messen wollen, dann nehmen sie das Brettspiel Go zur Hand. Jeder Spieler hat 180 Steine, die er geschickt platziert, bis er am Ende einen Vorteil erzielt. Eine Partie Go kann lange dauern, und der Sieg ist nicht immer gleich offensichtlich.

Wenn hingegen Europäer oder Amerikaner den Kampf am Brett suchen, dann spielen sie Schach. Dort fällt die Entscheidung am besten in einer Schlacht, bis der König des Gegners aufgeben muss. Oder anders ausgedrückt: Go ist das Spiel für den langen Atem. Schach für den totalen Sieg. Und für Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister und Sicherheitsberater, ist das auch der entscheidende Unterschied zwischen China und dem Westen – das Thema seines neuesten Buches.

Im Englischen heißt Kissingers jüngstes Werk schlicht „Über China“. Tatsächlich trifft dieser Titel den Inhalt wesentlich besser als die einfallslose deutsche Übersetzung „China: Zwischen Tradition und Herausforderung“. Denn der 88-jährige Kissinger hat auf rund 600 Seiten Betrachtungen über ein Land in einer Form angestellt, die sich kaum in eines der vorhandenen Genres einordnen lässt.

Kissingers China-Buch ist Geschichtsbuch, Erinnerungsbuch, Philosophieseminar, Monografie und Autobiografie in einem. Hieße der Autor nicht Henry Kissinger, dann wäre dieses Werk ein Alptraum für jeden Verleger. Doch so steht es einzigartig da, beinahe schon wie ein Vermächtnis, an dem man keine Silbe verändern möchte.

In der Tat kennt Kissinger China so gut wie kaum ein anderes Land. Rund 50-mal hat er das Riesenreich bereist, er hat es versucht zu verstehen, und die intensive Beschäftigung mit China hat Kissingers politisches Leben geprägt. Vor 40 Jahren hatte sich der damalige Sicherheitsberater von US-Präsident Richard Nixon erstmals auf den Weg nach Peking gemacht und den Grundstein für die Annäherung der beiden Großmächte gelegt.

Die Begegnung von Nixon und Mao ein Jahr später in der chinesischen Hauptstadt riss eine Mauer ein, die seit dem Korea-Krieg zwischen den beiden Mächten stand. Am eindrucksvollsten dokumentiert in der Verweigerung des damaligen US-Außenministers John Foster Dulles, dem chinesischen Premier Zhou Enlai 1954 auf einer Konferenz in Genf die Hand zu schütteln. Als Nixon 18 Jahre später bei seiner Ankunft in Peking von Zhou auf dem Rollfeld des Flughafens begrüßt wird, ergreift er demonstrativ dessen Hand und hält sie lange.

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  • Gegen China,gegen westliche Politiker,gegen Journalisten
    gegen Investorengier und gegen die Dummheit und Naivität
    des Westens insgesamt.Was ist da so schwer zu verstehen?
    Die Schwierigkeit liegt darin alles in einen Satz zu
    bringen.Weiter oben steht übrigens etwas über den drohenden US-Staatsbankrott und seine Auswirkungen;Noch weitere Fragen?

  • @ DerBernd : Elektrikers Angst vor den Chinsen ist berechtigt und nachvollziehbar, die Rezension teilt bestenfalls sehr indirekt mit, wie Chinas Politik einzuschätzen und ihr ggf. zu begegnen wäre. Go spielen ist auch nicht die Sache der Deutschen, ebensowenig Schach und Analogien dieser Art sind real betrachtet auch nicht mehr tauglich, um reale eigene Chancen mit laufenden Transformationsprozeß zu entdecken, das kann des Interesse des Intellektuellen am Buch wecken, ein "Kochbuch" für politsch interessierte Leute, die ansonsten ihren Pflichten des Alltages nachgehen und mit ihren Existenzängsten ganz alleine ferig werden müssen, ist es sicher nicht.

  • Ich frage mich, für wen Kissinger das Buch wirklich geschrieben hat. Die, denen er in Vermächtnis hinterlassen könnte, sind auf der Verliererstraße angekommen und die, über die erschreibt, scheinen bisher sehr viel richtig gemacht zu haben - bis dato und im eigenen Interesse.
    Merwürdig betroffen macht, daß er, als eben einer derer, die mit viel Einfluß und maßgblich "mit dabei" waren, nichts wirklich dazu beigetragen hat oder dazu beitragen konnte, daß sich die USA zu dem entwickelt haben, was sie heute sind: Ein Staat arroganter und geistloser Verlierer.
    Aber vielleicht liegt darin auch eine Gesetzmäßigkeit: Kissinger ist kein Amerikaner, Heinz Alfred wurde mit jüdischen Wurzeln in Deutschland geboren, die Familie entkam in die USA udn er wurde dort kriegsbedingt in eine "großen Apparat" eigenspannt, wo man seine Deutschkenntnisse zu nutzen wußte. Freiwilligkeit? Nichtfreiwilligkeit? Bewegt von den geschichtlich-politischen Dingen, in manchem sicher determiniert.
    Was möchte ich sagen: Eine fehlende Volkszugehörigkeit, sich nicht im eigenen Vaterland entwickeln zu können und eher eine sachliche und weniger eine emotionale Bindung zu dem Staat zu haben, in dem man lebt und für den man tätig sein soll, führen zu solchen "Ergebnissen"... sicher ein gutes Buch, aber eben nicht eine Denkschrift für Amerika, die schon viel früher nötig gewesen wäre!

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