Neues Dokument im Korruptionsskandal
Uno-Generalsekretär erstmals schwer belastet

Uno-Generalsekretär Kofi Annan kommt in der Affäre um das milliardenschwere Öl-für-Lebensmittel-Programm der Vereinten Nationen unter massiven Druck. Ein jetzt aufgetauchtes Schriftstück der Schweizer Inspektions-Firma Cotecna belastet den Uno-Chef erstmals schwer. Entgegen früheren Behauptungen könnte Annan von einem Millionen-Dollar-Auftrag der Uno von 1998 an Cotecna gewusst haben – Annans Sohn Kojo arbeitete damals für das Genfer Unternehmen.

jdh GENF. Die Untersuchungskommission (IIC) unter Ex-US-Notenbankchef Paul Volcker, die das humanitäre Uno-Programm für den Irak auf Korruption überprüft, reagierte prompt: „Die IIC untersucht mit Nachdruck die jetzt veröffentlichten Informationen über mögliche Verbindungen zwischen Uno-Generalsekretär Kofi Annan und Vertretern von Cotecna“, heißt es.

In einem Zwischenbericht vom März hatte Volcker den Generalsekretär noch entlastet. Falls Volcker eine Hilfestellung Annans für Cotecna nachweist, dürften Rücktrittsforderungen an die Adresse Annans wieder laut werden. Der Uno-Chef konnte sich trotz grober Unregelmäßigkeiten im Programm bislang im Amt halten.

Das Uno-Programm „Öl für Lebensmittel“ lief von 1996 bis 2003. Dem Irak, dessen Bevölkerung unter internationalen Sanktionen litt, wurde erlaubt, Öl im Wert von 64 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Von den Erlösen musste der Diktator Saddam Hussein Lebensmittel für die Bevölkerung erwerben und Opfer der irakischen Kuwait-Invasion kompensieren. Laut US-Untersuchungen zweigte der Saddam-Clan Gelder aus dem Projekt ab.

Die nun bekannt gewordene brisante Notiz des hohen Cotecna-Mitarbeiters Michael Wilson beschreibt ein Treffen zwischen Annan, seiner „Entourage“ und Cotecna-Chefs 1998 in Paris. Wilson war ein Familienfreund der Annans. Laut dem Schreiben, das die „New York Times“ veröffentlichte, bestätigten die Uno-Funktionäre gegenüber Cotecna, dass die Firma „auf die Unterstützung“ der Uno rechnen könne. Kurze Zeit darauf erhielt Cotecna einen Auftrag zur Warenprüfung im Wert von 10 Millionen Dollar jährlich im Öl-für-Lebensmittel-Programm.

Laut einem Sprecher erinnert sich der Uno-Chef an das Treffen von 1998 nicht. Bislang hat Annan auch jede persönliche Einmischung in die Auftragsvergabe an Cotecna bestritten. Kojo Annan war bei Cotecna im September 1995 eingestiegen. Der Annan-Filius beendete im Lauf des Jahres 1998 seine Tätigkeit als Cotecna-Angestellter, blieb aber ein Berater für die Firma. „Kofi Annan wusste, dass sein Sohn für Cotecna arbeitete“, schreibt Volcker in dem Zwischenbericht vom März.

In dem Report schließt Volcker einen Interessenkonflikt Annans um seinen Sohn nicht aus. Zudem habe Annan nicht schnell genug mögliche Unregelmäßigkeiten aufklären lassen. Vorwürfe, der Uno-Chef sei persönlich in Unregelmäßigkeiten verstrickt, seien unhaltbar. Kojo Annan aber habe seinen Vater über seine finanziellen Beziehungen zu Cotecna „bewusst getäuscht“. Im Sommer will Volcker seinen Abschlussbericht über die Misswirtschaft in dem Programm vorlegen.

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