Neues Kräfteverhältnis
Angola dreht den Spieß um - und investiert in Portugal

Der Ölreichtum beschert Angola ein zweistelliges Wirtschaftswachstum - und hilft dem afrikanischen Land zu neuem Selbstbewusstsein. Nun trumpft es gegen die einstige Kolonialmacht Portugal auf.
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KapstadtNicht nur China genießt den Rollenwechsel vom Bittsteller zum Geber in seinem Verhältnis zu Europa und den USA. Auch viele Staaten in Afrika glauben mittlerweile, in den Beziehungen zu den alten Kolonialmächten auf der Nordhalbkugel zunehmend am längeren Hebel zu sitzen. Während etwa Spanien und Großbritannien mit einer schweren Schuldenkrise und sozialen Unruhen kämpfen, melden afrikanische Staaten wie Angola und Ghana höhere Wachstumsraten und steigende Kapitalzuflüsse.

Ein besonders eindrückliches Beispiel für die neue Dynamik liefert das Verhältnis Angolas zur früheren Kolonialmacht Portugal. Angesichts der schweren Finanzkrise in Portugal ziehen immer mehr Fachkräfte von dort in die 1975 unabhängig gewordene Kolonie. Waren die Portugiesen früher noch vor dem Bürgerkrieg nach Norden geflohen, ziehen heute viele in die andere Richtung: Nach Angaben des portugiesischen Außenministeriums waren 2009 rund 100000 Portugiesen als angolanische Staatsbürger registriert - fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Immer mehr portugiesische Baufirmen richten sich zudem auf die frühere Kolonie aus. Dank seines Ölreichtums zählt Angola derzeit zu den wenigen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten in Afrika. Inzwischen ist das südwestafrikanische Land hinter Nigeria zum zweitgrößten Ölförderer in Schwarzafrika aufgestiegen und mit einem Anteil von 25 Prozent bedeutendster ausländischer Öllieferant Chinas. Im Gegenzug hat Peking dem Land Kredite von fast 15 Milliarden Dollar gewährt. Angolas Wirtschaft soll unter anderem deshalb in diesem Jahr um fast acht Prozent wachsen - allerdings von einer niedrigen Basis. Für 2012 werden mehr als zehn Prozent Wachstum erwartet.

Noch dominiert Portugal den angolanischen Finanzsektor. Doch auch hier wendet sich das Blatt: Bei seinem jüngsten Besuch in Lissabon erklärte Angolas Außenminister George Chicoti, sein Land werde das Privatisierungsprogramm, das die EU Portugal verordnete, gründlich studieren. Als Speerspitze der Angolaner fungiert dabei Angolas hochprofitable staatliche Ölgesellschaft Sonangol, der bereits ein Anteil von zwölf Prozent an Millennium BCP gehört, der größten börsennotierten Bank in Portugal. Jetzt strebt Sonangol eine Beteiligung an der staatlichen Energiefirma Galp an.

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