Neues Modell vorgeschlagen
Merkel bastelt an Kyoto II

Bundeskanzlerin Merkel hat sich erneut kräftig für den Klimaschutz ins Zeug gelegt. Bei ihrem Besuch in Japan machte sie sich für weltweit verbindliche Ziele stark. Den Schwellenländern machte sie dabei in besonderes Angebot.

HB TOKIO. Bei ihrem Besuch in Japan schlug Merkel ein Modell vor, nach dem sich die Grenzwerte für den CO2-Ausstoß an der Bevölkerungszahl der einzelnen Länder orientieren sollen. Damit will Merkel vor allem auf die großen Schwellenländer mit rasantem Wirtschaftswachstum wie China und Indien zugehen.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist das Hauptthema des Besuchs Merkels in Japan. Am Mittwoch hatte sich die Kanzlerin bereits mit Ministerpräsident Shinzo Abe darauf verständigt, die weiteren Schritte zu einer Verständigung innerhalb der G-8 miteinander abzustimmen. Japan übernimmt zum Jahreswechsel von Deutschland den Vorsitz in der Gruppe der wichtigsten Industrieländer.

Auf einem Symposium des Medienunternehmens Nikkei bekräftigte sie ihre Forderung nach einer konkreten Zielsetzung der internationalen Gemeinschaft für den Abbau von CO2-Emissionen. „Wir werden um quantifizierbare Reduktionsziele nicht herumkommen“, sagte Merkel im Hinblick auf die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das Ende 2012 ausläuft.

Merkel schlug ein neues System vor, das den Emissionshandel, der gerade in der EU erprobt wird, ersetzen könnte. Danach würde der jedem Land zustehende CO2-Ausstoß pro Kopf errechnet. Die Entwicklungsländer, die klar unter dem internationalen Mittelwert liegen, würden zunächst Ausgleichszahlungen erhalten, bis sich ihre Schadstoffproduktion der in den Industrieländern angeglichen hat. Das Modell basiert auf einem Vorschlag, den der indische Ministerpräsident Manmohan Singh im Juni auf dem G-8-Gipfel gemacht hat.

Merkel sieht in einem solchen System die Chance, einen Konsens zwischen den Schwellen- und Industrieländern herzustellen. Ihr Ziel ist es, bis 2050 zu einer CO2-Reduktion von 50 Prozent zu kommen. Im Rahmen der Vereinten Nationen wird eine Einigung über eine Kyoto-Nachfolgevereinbarung im Jahr 2009 angestrebt. „Es werden harte Verhandlungen werden bis 2009“, sagte Merkel. Sie geht dennoch fest davon aus, dass sich die USA einer Verpflichtung auf konkrete Ziele nicht verschließen werden. „Ich denke, Amerika wird mitmachen, aber Amerika muss auch mitmachen“, sagte sie. Andernfalls würden sich Indien und China niemals auf konkrete Ziele zum Ausstoß von CO2 verpflichten lassen.

Zum Abschluss ihrer Reise fährt Merkel am Freitag auch nach Kyoto. Dort hat sie 1997 als Umweltministerin das erste konkrete, weltweite Klimaschutzabkommen maßgeblich mit ausgehandelt. In Tokio arbeitete sie jetzt am nächsten.

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