Neues Paket
Dänemark stützt den Mittelstand

Dänemarks rechtsliberaler Regierungschef Lars Løkke Rasmussen und seine konservative Wirtschaftsministerin Lene Espersen wollen den Mittelstand stützen – und haben dafür ein neues Stimulanzpaket präsentiert. Rund fünf Mrd. Kronen (670 Mio. Euro) will die dänische Regierung kleinen und mittleren Unternehmen des Landes zur Verfügung stellen.

STOCKHOLM. Das soll über Exportgarantien und -kredite geschehen. Rasmussen sprach von einer „offensiven Wachstumsstrategie“. Die Mittel sind in erster Linie zur Überwindung der Kreditklemme gedacht, die in Dänemark bereits zu einer deutlichen Zunahme der Konkurse geführt hat. Vor allem kleinere und mittlere Firmen erhalten von den angeschlagenen Banken kaum noch Kredite, um das Tagesgeschäft finanzieren zu können. „Kapital und Kredite werden durch unser Paket zur Verfügung stehen, wenn die Konjunktur wieder anspringt“, sagt Regierungschef Rasmussen. Das Paket soll nach Verhandlungen mit den Wirtschaftsverbänden und Oppositionsparteien noch im August verabschiedet werden.

Dänemark hat die Finanzkrise mit voller Wucht getroffen. Das Land durchlebt derzeit die tiefste Rezession seit den 50er-Jahren. Selbst der oft als Modell gefeierte Arbeitsmarkt funktioniert mit einer Arbeitslosenrate von derzeit rund sechs Prozent nicht mehr wie gewohnt. Der zuvor völlig überhitzte Immobilienmarkt brach zusammen, die Banken saßen zunehmend auf faulen Kredite.

Deshalb mussten fast alle der rund 150 Banken mit Staatshilfen über Wasser gehalten werden. Einige Institute wurden sogar vom Staat übernommen. Im Gegensatz zu den übrigen nordischen Ländern ist der dänische Bankenmarkt stark segmentiert. Die zumeist nur regional vertretenen Institute konnten die Kreditausfälle kaum verkraften. So verabschiedete die dänische Regierung bereits Anfang des Jahres ein 87 Mrd. Kronen schweres Stimulanzpaket. 90 Prozent aller Banken nahmen die staatliche Stütze dankend an.

Im Gegensatz zu Schweden und Finnland gibt es in Dänemark nur wenige Großkonzerne wie den Reedereiriesen Mærsk-Møller und den Windanlagenhersteller Vestas. Die meisten Firmen sind mittelständische Kleinbetriebe, die in Krisenzeiten vor allem auf Bankkredite angewiesen sind, um überleben zu können. Diesem Sektor gilt der jetzige Einsatz der Regierung. Zusätzlich will sie mit den Maßnahmen auch Neuinvestitionen ermöglichen.

Die Opposition begrüßte das Stimulanzpaket zwar im Grundsatz. Die Mittel reichten aber nicht aus, heißt es dort. Außerdem hätte das Paket viel früher kommen müssen. Ganz anders die Reaktionen der dänischen Unternehmens- und Wirtschaftsverbände. „Das ist genau das, was wir vorgeschlagen hatten“, sagt Jens Klarskov, dessen Verband 20 000 dänische Unternehmen vertritt. Auch der dänische Industrieverband DI begrüßte den Vorstoß der Regierung.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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