Neues Parlament
Wie die Griechen ihr Schicksal wählen

Mit dem Beginn der Parlamentswahl stimmen die Griechen auch über die Zukunft des Euro ab. Die Stimmung in den Wahllokalen schwankt zwischen Euphorie, Selbstbewusstsein und Frustration.
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AthenDie Welt schaut auf Griechenland. Heute entscheiden die Bürger des hochverschuldeten Land über mehr als ihr neues Parlament. An den Urnen entscheidet sich die Zukunft der Gemeinschaftswährung. Das Votum gilt als Referendum über den Verbleib des hoch verschuldeten Landes in der Euro-Zone. Zwar bekennen sich alle führende Parteien zum Euro. Doch will die in einigen Umfragen vorne liegende Linkspartei Syriza im Falle eines Wahlsiegs die internationalen Bedingungen für Finanzhilfen kippen. Damit könnte Griechenland letztlich gezwungen sein, die Euro-Zone zu verlassen. Die anderen Euro-Staaten haben bereits klargemacht, dass sie bei einer Abkehr vom Reformkurs den Geldhahn zudrehen. Bei einem Austritt aus der Euro-Zone werden global Schockwellen an den Finanzmärkten befürchtet.

Für einen Hoffnungsschimmer sorgte am Vorabend der Wahl die griechische Fußball-Nationalmannschaft mit ihrem überraschenden Einzug ins EM-Viertelfinale. Der 1:0-Sieg über Russland löste frenetischen Jubel auf Athens Plätzen aus und flösste neues Selbstvertrauen ein. "Jeder muss Achtung vor Griechenland haben. Alles begann in Griechenland. Unser Lehrmeister sein zu wollen, ist schwer", sagte etwa Trainer Fernando Santos nach dem Sieg.

Doch die Euphorie der Fußball-Fans steckte nicht jeden Griechen an. "Ich bin das erste Mal nach einer Wahl deprimiert, weil ich weiß, dass ich wieder für die gestimmt habe, die das Problem verursacht haben; aber wir haben keine Alternative", sagte etwa die 66-jährige Englischlehrerin Koula Louizopoulou. Trotz der Unzufriedenheit über die Rosskur der Regierung haben viele Griechen Angst vor einem Euro-Aus. "Ich habe schweren Herzens für eine Partei gestimmt, die den Sparkurs unterstützt, denn ich will, dass das Land den Euro behält mit der Hilfe seiner europäischen Partner", erklärte der 49-jährige Bäcker Stratos Economou, der zu den ersten Griechen gehörte, die gleich nach Öffnung der Wahllokale seine Stimme abgaben.

Es ist bereits das zweite Mal innerhalb von sechs Wochen, dass die griechische Bevölkerung zur Wahl eines neues Parlaments aufgerufen ist. Nach der ersten Abstimmung am 6. Mai hatten sich die Parteien nicht auf eine Regierungskoalition verständigen können. Die Wahllokale schließen um 18.00 Uhr (MESZ), mit ersten Ergebnissen von Nachwahlbefragungen ist kurz darauf zu rechnen.

Jüngste Umfragen deuteten zuletzt auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Neue Demokratie und Syriza hin. Während sich die Konservativen grundsätzlich zu dem vereinbarten Sparkurs bekennen, ist der Chef der radikal-linken Syriza-Partei erbitterter Gegner des drastischen Sparprogramms. Er will das Kunststück fertig bringen, das Rettungspaket zu kippen und gleichzeitig das Mutterland der Demokratie in der Euro-Zone zu halten. Damit punktet er bei den leidgeplagten Griechen, die durch eine fünf Jahre dauernde Rezession sowie die steigende Steuerlast und scharfe Einschnitte bei den Sozialausgaben zermürbt sind.

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  • Der neuralgische Punkt

    Die Brüssel-Maf#a ist eine Na#i-Gosse und das Handelsblatt ein Stürmerblatt!

    "Handelsblatt" steht stellvertretend für den mainstream.

    Die Lügerei und Heimlichtuerei hat nicht nur die Merkel-Mafia, sondern auch die Minityrannen in den Medien in eine üble Sackgasse gefahren. Wer mal nachdenkt und sich auskennt, wird das bestätigen können: man kann denen beliebig in die Eier treten und die schreien nicht mal Aua!

    Man muß sich nur auskennen!

    Klaro!

  • Einige kennen immer noch nicht die Mentalität der Südeuropäer (Griechen, Spanier, Italiener...)!
    Griechenland wird sagen:" Wenn ich untergehe, weil ihr mir nicht hilft, werde ich dafür sorgen, dass auch ihr dafür ein Tribut bezahlt!" WETTEN?

  • @Wally.

    Richtig genau so sieht´s aus. 1. Trauen sie sich nicht das Heft radikal in die Hand zu nehmen und 2. können sie sich auch nicht organisieren auf nordeuropäischen Niveau, genauso wenig wie Ägypten, Lybien oder Tunesien sich demokratisch aufstellen können im "Alleinbetrieb" !

    Insofern geht das "Gemurkse" weiter und wir Steuerzahler blechen uns weiterhin "wund" bis zum St. Nimmerleinstag.

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