Neues Staatsoberhaupt Frankreichs
Sarkozy stürzt sich in die Arbeit

Frankreich hat seinen neuen Präsidenten wieder. Nach einer zweitägigen Luxus-Kreuzfahrt zwischen Malta und Sizilien stürzte sich Nicolas Sarkozy in Paris in die Arbeit.

PARIS. Regieren darf er zwar noch nicht, wohl aber repräsentieren. Das tat er gestern gemeinsam mit dem noch amtierenden Staatsoberhaupt Jacques Chirac bei der Feier zum Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei. Der frisch gewählte Präsident entfaltet auch schon diplomatische Aktivitäten. Gemeinsam mit Chirac empfing er gestern im Elysée-Palast Saad Hariri, Sohn des ermordeten libanesischen Ministerpräsidenten Rafic Hariri. Für Chirac war es auch ein Treffen mit seinem künftigen Vermieter. Denn die Luxuswohnung am linken Seine-Ufer, in die das Ehepaar Chirac kommende Woche einzieht, gehört der Familie Hariri.

Das neue französische Staatsoberhaupt freut sich wohl mehr auf den anderen ausländischen Gast dieser Woche: Nicolas Sarkozy begrüßt heute in Paris den britischen Premierminister. Tony Blair ist damit der erste EU-Regierungschef, mit dem sich Sarkozy nach seinem Wahlsieg vom vergangenen Sonntag trifft. Die Begegnung hat Symbolcharakter. Zum einen unterstreicht Sarkozy damit seine schon oft geäußerte Bewunderung für die Wirtschaftspolitik des britischen Premiers. Zum anderen weicht er ab bislang üblichen diplomatischen Gepflogenheiten, wonach französische Präsidenten nach ihrer Wahl zu allererst den deutschen Kanzler treffen. Nach seiner offiziellen Amtseinführung am kommenden Mittwoch will Sarkozy das dann auch tun.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet ihn Ende kommender Woche in Berlin. Das frühe Treffen mit Blair macht gleichwohl deutlich, dass Sarkozy die deutsch-französischen Achse nicht mehr die Bedeutung beimisst, die sie früher einmal hatte. Das Tandem reiche nicht mehr aus, um die Europäische Union voranzutreiben. Die sechs größten EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Polen müssten als Gruppe die Funktion der EU-Lokomotive übernehmen, meint der neue Präsident.

Sein Hauptaugenmerk richtet Sarkozy in diesen Tagen natürlich auf seine offizielle Amtseinführung kommende Woche. Bis dahin bleibt noch einiges zu tun: Am Montag gibt Sarkozy den Vorsitz seiner Partei UMP offiziell ab. Am Dienstag legt er sein Amt als Präsident des Departements Hauts-de-Seine nieder, um am Mittwoch schließlich die Schlüssel des Elysée-Palastes von seinem Vorgänger in einer feierlichen Zeremonie in Empfang zu nehmen und am Donnerstag seine neue Regierung zu ernennen.

Es gilt als sicher, dass der bisher wichtigste politische Berater Francois Fillon dann Premierminister wird. Bekannt ist zudem, dass von den 15 Ministern acht weiblich sein sollen. Außerdem hat Sarkozy deutlich gemacht, dass er Sozialisten und Zentristen in seine rechte Regierung einbinden will. Damit scheint er allerdings bisher nur mäßigen Erfolg zu haben. Der Sozialist und ehemalige Außenminister Hubert Védrine soll es Gerüchten zufolge abgelehnt haben, in der neuen Regierung erneut das Amt des Außenministers zu übernehmen.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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