Neues Staatsoberhaupt in Liechtenstein
Die Fürstenhaus AG

Am Ende der engen, von Bäumen überwachsenen Straße, dort, wo normalerweise nur die Audis der adligen Familie durchgewunken werden, da werden die fürstentreuen Liechtensteiner schon am frühen Morgen stehen. Sie werden ihre schönsten Kleider und besten Anzüge tragen, so wie sie es immer machen, wenn das Herrscherhaus am 15. August, dem Staatsfeiertag, zum Feldgottesdienst lädt.

VADUZ. Am Sonntag also, pünktlich um 9.30 Uhr, vereint sich die fürstliche Familie auf der Schlosswiese mit Abgeordneten und Untertanen, um gemeinsam den Heiligen Geist zu erflehen. Monarchien leben von Ritualen und ungern nur mit dem Wandel. Und doch wird dieses Mal alles etwas anders sein. Was sich vor allem darin ausdrückt, dass nicht Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf von Rietberg zum Volk sprechen wird. Seine Durchlaucht, 59, dieser groß gewachsene, schlaksige Mann mit dem ergrauten Haar, tritt ab. Stattdessen wird zum Volk sein Erstgeborener sprechen, Erbprinz Alois Philipp Maria, 36 – äußeres Zeichen dafür, dass er an diesem Tag sämtliche Funktionen des Staatsoberhaupts übernimmt.

Der ehemalige Regierungschef Mario Frick kommentiert das so: „Hans-Adam wechselt in den Aufsichtsrat, und Alois führt künftig das operative Geschäft“ der Fürsten AG. Dazu gehört auch, dass Hans-Adam seinen Sohn kraft Hausgesetz jederzeit wieder entmachten kann.

Die Begriffe aus der Ökonomie hat der Ex-Politiker, der jetzt als Treuhänder arbeitet, bewusst gewählt. Haben sich die von und zu Liechtensteins doch schon immer als „unternehmerisches Fürstenhaus“ gesehen. So hält sich das letzte regierende deutschsprachige Adelsgeschlecht nicht nur seit Jahrhunderten an der Macht, so hat es die Familie auch an die Spitze der Geldrangliste aller Blaublütigen Europas gebracht. Das fürstliche Vermögen wird auf zwei (ohne die Kunstsammlung) bis fünf Milliarden Euro (mit Kunst) geschätzt, je nachdem, ob es nach dem US-Magazin „Forbes“ oder nach dem Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ geht. Dagegen müssen sich andere Monarchen wie Kirchenmäuse vorkommen. Der spanische König Juan Carlos nennt ein Vermögen von allenfalls zehn Millionen Euro sein Eigen, auch Carl Gustaf von Schweden bringt es nur auf 25 Millionen Euro, und selbst die Queen dürfte nicht mehr haben als Hans-Adam.

Weil parallel dazu auch das Land so schön prosperiert, zählt der Alpenstaat, gemessen am Pro- Kopf-Einkommen der Bevölkerung, zu den reichsten Nationen der Welt. Die 35 000 Liechtensteiner kennen fast keine Arbeitslosigkeit. Ein diskretes System aus Nummernkonten und Stiftungen hat zusammen mit einem milden Steuerklima dafür gesorgt, dass Fluchtgeld das Land bereichert.

Der Fürst vertritt das Land nach außen, Staatsverträge und Gesetze bedürfen seiner Zustimmung, und weil dem Adel die größte Bank im Zwergenstaate gehört, verschwimmen die Grenzen zwischen Politik und Hochfinanz. Bankgeheimnis und Steuerwettbewerb verteidigt der Fürst auch aus Eigeninteresse.

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