Neues Wirtschaftsmodell gesucht: Ökonomen fordern EU-Aufbauhilfe für Zypern

Neues Wirtschaftsmodell gesucht
Ökonomen fordern EU-Aufbauhilfe für Zypern

Pleite mit Mühe abgewendet, Geschäftsmodell Banken am Ende, nun geht es für Zypern ums ökonomische Überleben. Das wird der Inselstaat nach Ansicht von Ökonomen nicht alleine schaffen. Die EU-Partner sind gefragt.

BerlinNach Einschätzung von Ökonomen wird Zypern der Aufbau eines neuen Geschäftsmodells für die Zeit nach der Schuldenkrise nur mit Hilfe seiner EU-Partner gelingen. „Bei der Entwicklung von neuen Wirtschaftsstrukturen sollte die Europäische Union mit technischer Hilfe unterstützen“, sagte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, Handelsblatt Online. „Hierbei können Steuervorteile durchaus eine Rolle spielen: werden sie in moderatem Umfang zum Aufbau von Industrieproduktion oder anderen Dienstleistungsbranchen als der Finanzbranche eingesetzt, können sie ebenfalls zur Entwicklung der Wirtschaft beitragen.“

Kater unterstrich zugleich, dass nicht nur Zypern ein neues Geschäftsmodell finden müsse, dies sei auch eine Aufgabe für andere krisengeplagte Euro-Mitgliedsländer. „Hier sind Konzepte der Wirtschaftsförderung gefragt, wie sie auch in größeren Volkswirtschaften in den Regionen praktiziert werden“, sagte der Ökonom. Der Vorteil unabhängiger Länder sei dabei, dass sie eine Reihe von Angebotsbedingungen, wie Bürokratiestandards oder Arbeitsmarktbedingungen unabhängiger setzen können als die Teilregionen eines Staates.

Der Berliner Wirtschaftsforscher Christian Dreger regte einen EU-Wachstumsplan für Zypern an. Die Anpassung der Wirtschaft falle umso leichter aus, je stärker das Wachstum im Euroraum sei. Dieser Zusammenhang gelte im Übrigen nicht nur für Zypern, sondern auch für andere Krisenländer. „Daher sollten die großen Mitgliedsländer höheres Wachstum fördern“, sagte der Forschungsdirektor im Bereich International Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Handelsblatt Online. „Allerdings nicht durch staatliche Programme, sondern durch verbesserte Anreize, um etwa das Investitionsgeschehen zu stimulieren.“

Obwohl der Staatsbankrott gerade noch einmal abgewendet werden konnte, steht für Zypern nach Einschätzung Dregers eine „längere Rezession“ bevor. Die Regierung müsse nicht nur sparen und wichtige Steuern erhöhen. Vor allem solle der Bankensektor des Landes verkleinert und allmählich an die Verhältnisse in der Währungsunion werden. „Die nächsten Jahre werden von einem Prozess der Umstrukturierung begleitet sein, der das Wachstum bremsen und die Arbeitslosigkeit erhöhen dürfte“, sagte der DIW-Ökonom.

Es werde „einige Zeit“ dauern, bis sich die Auftriebskräfte durchsetzen. „Im Zuge von Privatisierungen wird der Wettbewerb im Inland intensiviert und so eine höhere wirtschaftliche Dynamik entfaltet“, sagte Dreger. Daneben sollten sich mehr Sektoren am Exportgeschehen beteiligen. „Neben dem Tourismus ergeben sich Chancen vor allem im Bereich unternehmensnaher Dienstleistungen“, ist sich der Experte sicher.

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