Neujahrsempfänge: Frankreichs Empfänge: Geiz statt Champagner

Neujahrsempfänge
Frankreichs Empfänge: Geiz statt Champagner

In Frankreich gibt es unumstößliche Traditionen, die der Neujahrswünsche gehört dazu. Jedes Jahr laden Politiker und Wirtschaftslenker zu den so genannten "Voeux". Bisher gab es auf diesen Neujahrsempfängen feinste Speisen begleitet von Champagner. Doch in diesem Jahr gesellte sich zum "Bonné Année" ein leises "Geiz ist geil."

PARIS. Der Festsaal im Elyséepalast ist mit einem roten Teppich ausgeschlagen, der so tief ist, dass der Besucher glaubt, auf Schnee zu laufen. Über den Köpfen ziehen die riesigen Kronleuchter an den goldverzierten Decken die Blicke auf sich. Und hinter langen, weißgedeckten Tafeln warten die Kammerdiener darauf, den Champagner entkorken zu dürfen. Wenn Frankreichs Staatspräsident Nicola Sarkozy die Presse zum Neujahrsempfang bittet, ist das Dekor prächtig. Doch das Thema seiner Ansprache trist: Die Krise. Genauer gesagt, die Krise der französischen Presse: "Die Presse in Frankreich war schon in der Krise, bevor die Krise anfing", analysiert Sarkozy kühl. Da verging so manchem Kollegen der Appetit auf Champagner und Foie Gras-Häppchen.

Jedes Jahr laden Politiker und Wirtschaftslenker zu Neujahrsempfängen. Hier werden feinste Speisen kredenzt, begleitet von Champagner und exquisiten Weinen. Austern, Hummer und Foie Gras, mitunter sogar Kaviar gehörten dazu. Doch in diesem Jahr gesellte sich zum "Bonné Année" ein leises "Geiz ist Geil."

Viele Unternehmen haben wegen der Wirtschaftskrise ihren Empfang abgeblasen oder eine Nummer kleiner ausgerichtet. Frankreichs Premierminister François Fillon, gab ganz offiziell einen Sparappell an seine Kabinettskollegen aus. Die Reaktionen waren geteilt. Protokoll des Marathons der guten Wünsche in Zeiten der Krise.

Vorreiter beim Low-Cost-Empfang ist natürlich Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Sie legte ihren Neujahrsempfang mit jenem ihrer Junior-Minister und Staatsekretäre zusammen. Downsizing war auch die Devise beim Essen: "Statt elf Häppchen pro Person servieren wir in diesem Jahr nur etwas sechs bis sieben pro Kopf", hieß es am Buffet, wo kleine Brötchen und Mini-Foie-Gras-Häppchen gereicht wurden. Die waren nach gut zwanzig Minuten weggefuttert. Üppiger bemessen war Lagardes Rede: Sie hielt fast eine Stunde.

Auch der Champagner Domi-Moreau (13 Euro) ist etwas günstiger als im Vorjahr. Auch wurde auf die sonst auf Empfängen üblichen schwarzen Stoffservietten verzichtet, es gab nur Papier. Saus und Braus war gestern. Dieser Trend sorgt bei den rund 3000 französischen Catering-Unternehmen gleich zu Anfang des Jahres für Katerstimmung. Bei Dalloyau heißt es: "Noch nie gab es so viele Annullierungen, das begann schon im September. Wenn ein Unternehmen sparen muss, merken wir das zuerst. Einige Bürgermeister geben gar keinen Neujahrsempfang, das gab es noch nie." Wer nicht annulliert, lädt zumindest weniger Gäste ein.

Seite 1:

Frankreichs Empfänge: Geiz statt Champagner

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%